Bad Zurzach/Böttstein
Es rattern die Mühlen im Zurzibiet – zumindest einmal im Jahr

Am Schweizer Mühlentag bieten über 100 Mühlen im ganzen Land Besichtigungen an. Mit der Barzmühle Bad Zurzach und der Ölmühle Böttstein sind auch zwei Mühlen in der Region mit dabei. Bei der Barzmühle gibts sogar Barzmühlen-Brot.

Nadja Rohner
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Das Wasserrad der Barzmühle wird von einem Elektromotor unterstützt.

Das Wasserrad der Barzmühle wird von einem Elektromotor unterstützt.

Walter Schwager

Die Zeiten, in denen man für ein kleines Brot noch in mühsamer, stundenlanger Handarbeit Getreidekörner zwischen zwei Steinen zermahlen musste, sind definitiv vorbei. Heute erledigen das modernste Industriemaschinen. Dazwischen liegen Jahrhunderte, in denen die Menschen die Wasserkraft nutzten – nicht nur für Getreide, sondern zum Beispiel auch für Papier-, Säge- oder Steinmühlen.

Am Schweizer Mühlentag diesen Samstag öffnen 102 mehr oder weniger historische Wassermühlenanlagen ihre Tore für die Öffentlichkeit. Zwei davon liegen im Zurzibiet: die Ölmühle Böttstein und die Barzmühle in Bad Zurzach. Die Böttstemer Mühle mit ihrem 5-Meter-Wasserrad ist ab 10 Uhr geöffnet und schliesst um 16 Uhr. Stündlich gibt es Vorführungen.

Brot aus Barzmühle-Mehl

In Bad Zurzach steht die Barzmühle mit dem Getreidebau-Museum im Dachgeschoss ab 11 Uhr offen. «Die Barzmühle wird einmal im Jahr in Betrieb genommen», sagt Göpf Rudolf, zuständig für den Unterhalt. «Dabei stellen wir aus Weizen- und Dinkelkörnern Mehl her, das den Besuchern gratis abgegeben wird.» Wer keine Lust auf Backen hat, wählt den bequemeren Weg: Bereits am Montag hat die Barzmühle eine Ladung Getreide gemahlen. «Aus diesem Mehl stellt eine Bäckerei Brot her, das die Besucher am Samstag kaufen können», sagt Rudolf.

Alleine vom Brot muss man sich jedoch nicht verpflegen: Am Mühletag gibt es bei der Barzmühle auch eine kleine Festwirtschaft, für die Göpf Rudolfs Frau Trudi zuständig ist. Ihr Mann zeigt derweil den Film «Vom Acker zum Brot» und bietet Führungen an.

Mühle hat bewegte Geschichte

Die Barzmühle wurde 1444 erstmals schriftlich erwähnt. Besitzer war der Bischof von Konstanz, der die Mühle 1462 an Hans Rychner von Holderbank verlieh. Diese Schiffsmühle lag etwa 400 Meter oberhalb der heutigen Mühle. Sie war am Ufer verankert und über einen Steg erreichbar.

1665 übernahm die Gemeinde Zurzach das Lehen und verpachtete die Mühle. 1697 wurde sie von Johann Gross aus Zurzach gekauft. Im 17. Jahrhundert verschob man sie rheinabwärts an den heutigen Standort. Als sie 1770 abbrannte, wurde dem Besitzer Johann Caspar Welti verboten, sie dort wieder aufzubauen: Sie stelle eine Gefahr für die Schifffahrt dar. Das kümmerte Welti allerdings wenig. Er beharrte auf den Standort «Barz» – später kam es zu einem Zusammenstoss zwischen drei Eglisauer Schiffen und der Kadelburger Wagenfähre.

Ein späterer Besitzer, Daniel Widmer von Hausen, wurde während der französischen Besetzung von Räubern überfallen und getötet. 1857 ging die Mühle an Jakob Dambach über. Etappenweise wurde die Schiffmühle zur stationären Anlage umgebaut, die durch das Wasserrad, unterstützt durch einen Elektromotor, angetrieben wurde.

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