Unteres Aaretal
Erstaunliches Umfrage-Ergebnis: Würden die Döttinger heute mit Klingnau fusionieren?

Sechs Jahre nach der gescheiterten Fusion Döttingen-Klingnau haben sich zwei Schüler dem Thema angenommen. Ihre Befragung liefert Zahlen – wenige Wochen, nachdem das Thema wieder in der Öffentlichkeit diskutiert worden ist.

Daniel Weissenbrunner
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In Döttingen erteilten die Stimmbürger 2013 der Fusion mit Klingnau eine Absage. Eine Projektarbeit zeigt nun ein anderes Bild.

In Döttingen erteilten die Stimmbürger 2013 der Fusion mit Klingnau eine Absage. Eine Projektarbeit zeigt nun ein anderes Bild.

Angelo Zambelli

Ein Raunen ging vor drei Wochen durchs Untere Aaretal, als der Klingnauer Stadtrat an einer Informationsveranstaltung seine Visionen präsentierte. Klingnau sieht sich langfristig als Teil einer Seestadt rund um den Stausee, die dereinst 16'000 Menschen aus heute sieben Gemeinden umfassen könnte. Die Reaktionen zur Klingnauer Idee blieben nicht aus. Während Döttingens Ammann Peter Hirt (BDP) die Zeit für neue Verhandlun- gen als nicht reif bezeichnet, erteilte Böttsteins Ammann Patrick Gosteli (SVP) dem Klingnauer Vorschlag umgehend eine Absage. Er machte deutlich, dass seine Gemeinde die Eigenständigkeit auch künftig bevorzugen werde.

Fusion Aaretal: So wurde abgestimmt:

Wie die Befindlichkeit zu diesem Thema innerhalb der Bevölkerung ist, wollten zwei Schüler an der Bezirksschule Klingnau herausfinden. Im Rahmen einer Projektarbeit mit dem Namen «Fusionspolitik im Unteren Aaretal» fühlten die beiden Verfasser, Colin Erdin und Elias Meier, den Leuten in Klingnau, Döttingen und Koblenz den Puls.

Sie erstellten einen Fragenkatalog mit zehn Punkten. Sie wollten unter anderem wissen, wie emotional man mit der Wohngemeinde verbunden ist, welche Rolle Wappen und Namen spielen und wie man grundsätzlich einer Fusion gegenübersteht. Erdin und Meier werden die detaillierten Ergebnisse kommenden Mittwochabend (18.30 Uhr, Schulhaus Schützenmatt in Klingnau) vorstellen.

Ammann Hirt bleibt skeptisch

Der «Schweiz am Wochenende» liegt die Auswertung des Projekts, an dem über 200 Personen teilnahmen, bereits vor. Mit einem erstaunlichen Ergebnis: In Döttingen, das 2013 eine Fusion mit Klingnau mit einem Nein-Anteil von über 65 Prozent wuchtig verworfen hatte, würden die Befragten nun mit demselben Ja-Anteil einem Zusammenschluss zustimmen. Döttingens Gemeindeammann Peter Hirt möchte in das Resultat nicht zu viel hineininterpretieren. Er will zuerst die Präsentation von nächster Woche abwarten. Hirt hält fest, dass er sich selber nie gegen einen Zusammenschluss gestellt habe. Von seiner Einschätzung weicht er aber nicht ab. Er glaubt, dass eine Fusion nicht heute und auch nicht morgen zustande kommen werde.

Einen hohen Zuspruch zu einer möglichen Fusion erhielt die Befragung ebenfalls in Klingnau. Im Städtchen könnten sich 60 Prozent, die am Voting teilnahmen, eine Heirat der Aaretal-Gemeinden vorstellen, was sich mit der Urnenabstimmung vor fünf Jahren deckt. Damals befürworteten 58 Prozent einen Zusammenschluss. In Koblenz stünden schliesslich 50 Prozent einer Fusion positiv gegenüber.

Aufgrund der offenen Haltung stellt sich die Frage, ob man bei den Fusionsabsichten von Döttingen mit Klingnau seinerzeit zu forsch ans Werk gegangen ist und die Leute überrumpelt hat. Peter Hirt ist der Meinung, dass damals genügend Zeit eingeplant wurde. Im Allgemeinen genügen laut Hirt zweieinhalb bis drei Jahre, um einen Zusammenschluss zu realisieren. Diese Ansicht vertreten auch die Befragten der Umfrage. Die Mehrheit schätzt, dass in eine Fusion dieser Grösse rund zwei Jahre investiert werden sollten.

Klingnauer fühlen sich am wohlsten

Scheinbar im Widerspruch dazu stehen die Antworten nach der Verbundenheit zur Wohngemeinde. Die Angst vor einem Identitätsverlust spiegelt sich in der Frage, wie stark man sich mit dem Dorf verankert fühlt. In Klingnau sind die Teilnehmenden auf einer Skala von 1 bis 10 mit 7,5 von 10 Punkten emotional am stärksten mit ihrer Gemeinde verwurzelt. In Döttingen sieht es mit durchschnittlich 7,3 Punkten ähnlich aus. Etwas tiefer liegt der Wert in Koblenz mit 7 Punkten.

In ihrer Prognose gehen die Projektleiter abschliessend davon aus, dass es in absehbarer Zeit einen oder mehrere Zusammenschlüsse von Gemeinden im Unteren Aaretal geben werde. «Denken Sie für die Zukunft unserer Region und nicht nur für Ihre Gemeinde, denn gemeinsam sind wir stark», lautet die Botschaft der beiden Schüler.