Döttingen
Ernst oder reine PR? Bühler fordert als wilder Kandidat Gemeindeammann Hirt heraus

Alfred Bühler greift als wilder Kandidat den amtierenden Gemeindeammann Peter Hirt an.

Daniel Weissenbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Lange war es in Döttingen ruhig. Jetzt deutet sich im letzten Moment ein Mini-Wahlkampf an.

Lange war es in Döttingen ruhig. Jetzt deutet sich im letzten Moment ein Mini-Wahlkampf an.

Sandra Ardizzone/zvg

Seinen Namen sucht man unter den offiziellen Kandidaten vergebens. Alfred Bühler (parteilos) steht nicht auf dem Wahlzettel zu den Gesamterneuerungswahlen in Döttingen von kommendem Sonntag. Aber: Der 50-Jährige will in den Gemeinderat und – er will vor allem Ammann werden.

Wer ist dieser Alfred Bühler? Und wie ernst meint er es mit seiner Kandidatur? In Döttingen stellt man sich die Fragen ebenfalls. Der gebürtige Bündner ist in der Gemeinde weitgehend ein Unbekannter. Verwunderlich ist das nicht: Bühler lebt erst seit vier Jahren im Aaretal-Ort. Grund für seinen Umzug vom Kanton Zürich ins Zurzibiet war damals eine Anstellung als Primarlehrer. Nach gesundheitlichen Problemen musste Bühler seinen Job aufgeben. Inzwischen betreibt er ein Internetportal für Schlager- und Volksmusik. Daneben arbeitet er für die Zürcher Kirchenzeitung.

Soweit so gut: Warum sich Bühler in die Döttinger Exekutive wählen lassen will und ausserdem gleich den Thron als Ammann besteigen möchte, begründet er wie folgt: «Ich bin mit der Arbeit des Gemeinderats und jener von Herrn Hirt nicht einverstanden.» Die Kommunikation sei in vieler Hinsicht mangelhaft und es fehle an Weitblick. Ein Dorn im Auge war ihm die erteilte Bewilligung für den Bau einer Pilotanlage eines Bio-Energiewerkes. Bühler nennt es eine Zeitbombe. Die Bevölkerung sei über die möglichen Folgen zu wenig genau informiert worden.

Verwunderung bei Ortsparteien

Weshalb Bühler nicht früher mit seinen Vorstellungen und seinem Unmut an die Bevölkerung herangetreten ist, bleibt sein Geheimnis. Die Aussagen sind teils irritierend und widersprüchlich. Mit dem «Last-Minute»-Wahlkampf hofft er auf einen Überraschungscoup. Auf eine Flugblatt-Aktion habe er daher bewusst verzichtet. Einzig via Mail und in Leserbriefen machte Bühler seine Ambitionen bisher publik. Darin steht: hohe Sozialkompetenz, wenn es sein muss unbeugsam, unabhängig (von aussen), rasche Auffassungsgabe. Und zu guter Letzt: Politik mit Kopf und Herz.

Im Übrigen sei er an die Ortsparteien herangetreten, um sich mit seinen Anliegen Gehör zu verschaffen und auf diesem Weg mögliche Wählerstimmen zu gewinnen. Dort wundert man sich: Von Bühlers angeblichen Treffen habe man keine Kenntnis. «Ich habe mit ihm nie gesprochen und ich müsste es eigentlich wissen», sagt der Präsident der SVP Döttingen, Manuel Tinner. Der Grossrat hat von Bühlers Absichten auch erst aus den Medien erfahren. Gleich tönt es bei der CVP. «Zwischen ihm und der Partei hat es nie einen Kontakt gegeben», sagt Leo Erne von der Parteileitung. «Von uns hätte er keine Unterstützung erhalten. Wir haben uns für die offiziellen Kandidaten ausgesprochen.» Erne hält Bühlers Vorgehen für nicht mehr als «ein demokratisches Geplänkel». Andere vermuten dahinter eine reine PR-Aktion.

Diese Woche auf «Klinkentour»

Der angegriffene Ammann Peter Hirt (BDP) nimmt Alfred Bühlers Vorstoss gelassen entgegen. «Jeder darf bei uns seine Meinung frei äussern. Es ist sein gutes Recht, sich für das Amt zu bewerben.» Er würde es allerdings begrüssen, wenn man seinen Ärger beispielsweise an einer Gemeindeversammlung äussern würde. Für Hirt, der zusammen mit dem Siglistorfer Stefan Schuhmacher der dienstälteste Ammann im Bezirk ist, sind solche Anwürfe nicht neu. Vor vier Jahren, bei den letzten Gesamterneuerungswahlen, wurde er wenige Tage vor dem Urnengang mit einem anonymen Flugblatt verunglimpft. Für seine Gegner ging die Aktion nach hinten los. Hirt, der seit 15 Jahren im Amt ist, überstand den Angriff schadlos und wurde überzeugend wieder gewählt.

Alfred Bühler bleiben noch wenige Tage Zeit, um seine Kernthemen Umweltschutz, Finanzen und Bildung den Döttingern schmackhaft zu machen. Geplant ist eine, wie er es nennt, «Klinkentour» von Haus zu Haus. Ob er damit die Gunst der Bevölkerung gewinnt, wird sich am Sonntag zeigen. Eines ist ihm zweifellos gelungen: Im letzten Moment findet in der Gemeinde doch noch so etwas wie ein Mini-Wahlkampf statt.