Leuggern
Erne-Metallbau-Konkurs: Migrosbank verliert bei Liegenschafts-Verkauf einen Millionen-Betrag

Nicht nur Mitarbeiter und Subunternehmer haben durch den Konkurs der H. Erne Metallbau AG Geld abschreiben müssen. Auch die Migrosbank hat beim Verkauf der Firmenliegenschaft einen herben Verlust eingesteckt.

Philipp Zimmermann
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Die H Erne Metallbau AG aus Leuggern.

Die H Erne Metallbau AG aus Leuggern.

Chris Iseli

Wenige Tage vor dem Konkurs der H. Erne Metallbau AG Ende September verkauften die Glarner Besitzer Andreas und Melchior Lütschg die Firmenliegenschaft. 4,5 Millionen Franken zahlte die J&W Verwaltungs AG mit Sitz in Glarus von Werner Marti. Der ehemalige Glarner Nationalrat und Ex-Preisüberwacher amtete auch als Verwaltungsratspräsident der Metallbau-Firma aus Leuggern und ist in derselben Funktion seit Jahren für die Billag tätig.

Die Brüder Lütschg planten, mit einer Auffanggesellschaft einen Teil der Firma mit 20 bis 25 der 70 Mitarbeiter weiterzuführen. Für diesen Zweck habe er die Liegenschaft erworben, sagte Marti der az. Doch der Plan scheiterte. Einen Tag nach dem Konkurs wurden sich Andreas Lütschg und das zuständige Konkursamt Brugg nicht über den Preis für das Inventar einig. Die finanziellen Vorstellungen lag "viel zu weit" auseinander, sagte Konkursamtleiter Christoph Fuhrer. Es ging um einen sechsstelligen Betrag.

Marti wehrt sich gegen Vorwurf

Zu reden gab daraufhin, dass eine Schätzung von 2008 für die Firmen-Liegenschaft noch einen Wert von 6,165 Millionen Franken ausgewiesen hatte. Gegenüber der az verwies Werner Marti auf die aktuelle Schätzung einer Badener Immobilienfirma, welche 4,5 Millionen Franken ausgewiesen habe.

Gegenüber der «Südostschweiz» wehrt er sich nun gegen den Vorwurf, die Liegenschaft zu billig gekauft zu haben: Die Liegenschaft sei mit 5,9 Millionen Franken an Bankkrediten belehnt gewesen, führt er aus. Die Bank, die an einem möglichst hohen Kaufpreis interessiert sei, habe die aktuelle Schätzung der Liegenschaft selbst in Auftrag gegeben.

Recherchen der az zeigen: Es handelt sich um die Migrosbank. Sie gab die Kredite ab dem 1. April 2015, also ab dem Tag, als die Brüder Lütschg die in der Krise steckende H. Erne Metallbau AG vom langjährigen Patron Hans Erne übernahmen.

Mit dem Verkauf hat die Migrosbank also einen Verlust von 1,4 Millionen Franken verbuchen müssen. Doch wie lässt sich dieser markante Verlust innerhalb von 18 Monaten erklären? Bei der Bank will man sich zu dieser und weiteren Fragen nicht äussern. "Aufgrund des Bankkundengeheimnisses können wir grundsätzlich keine Fragen zu möglichen oder tatsächlichen Kunden beantworten", heisst es in der knappen Antwort.

Mehrere Faktoren spielen beim Marktpreis und damit der Bewertung von Firmenliegenschaften eine grosse Rolle. "Der Immobilienmarkt im Kanton Aargau hat seit 2008 generell einen Boom erlebt, der Werterhöhungen mit sich gebracht hat. Das gilt auch für die Region Brugg-Zurzach", sagt Robert Weinert, Analyst des Immobilienberatungs-Unternehmens Wüest & Partner.

Gewerbe-Liegenschaften seien dagegen ein spezielles Segment. Sie würden nicht immer von einem Immobilienboom profitieren. "Für die Werterhaltung kommt es sehr auf die Art der Nutzung und den Unterhalt an. Generelle Aussagen zu derartigen Firmenliegenschaften sind nicht möglich."

Noch befinden sich Firmenfahrzeuge, Maschinen und Waren auf der Liegenschaft der konkursiten H. Erne Metallbau AG – ab Freitag ändert sich das.
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70 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Das Unternehmen war überschuldet.
H. Erne Metallbau AG ist Konkurs
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Chris Iseli

Auch Martin Meili, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Aargau, verweist darauf, dass der Wert einer Firmenliegenschaft von Lage, Umbau- und anderen Nutzungsmöglichkeiten sowie von der Substanz der Liegenschaft abhängt.

Mehrere vertrauliche Quellen versichern der az unabhängig voneinander, dass auch in den letzten Jahren in die Erne-Liegenschaft investiert und sie sehr gut unterhalten worden ist. Sie befinde sich in einem sehr guten Zustand. Ein Substanzverlust als Grund für den Minderwert erscheint somit nicht plausibel. Ebenso ein Umbau, weil die Auffanggesellschaft die Liegenschaft für die Weiterführung des Kerngeschäfts nutzen wollte.

Neuer Investor in weiter Ferne

Hat womöglich ein drohender Konkurs generell einen negativen Einfluss auf den Wert einer Gewerbeliegenschaft? "Nein", antwortet Daniel Hengartner, Präsident des Schweizer Immobilienschätzer-Verbandes. Wie er ausführt, liegt der Richtwert für den Anteil des Grundpfands am Wert einer Gewerbeliegenschaft bei 65 Prozent, so dass das Eigenkapital bei 35 Prozent liegt. Bei einem 5,9-Millionen-Bankkredit wie in Leuggern wären das 9,1 Millionen Franken. Dieser Wert liegt allerdings so deutlich über dem der Schätzung von 2008, dass dies nicht allzu plausibel erscheint. Wahrscheinlicher ist, dass die Bank bei der Belehnung ein grosses Risiko eingegangen ist. Warum auch immer.

"Die Liegenschaft wird auch jedem anderen Investor zu den genau gleichen Bedingungen zur Verfügung gestellt, der bereit ist, diese zu übernehmen und Teile des Betriebes weiterzuführen", sagte Werner Marti der az. Nach dem Scheitern der Auffanggesellschaft ist auch ein neuer Investor in weiter Ferne. Beim Konkursamt hat sich zumindest niemand mehr gemeldet, der an der Übernahme des Inventars ein ernsthaftes Interesse hätte.