Kreis Waldshut (D)
Er verkaufte Playmobil für den heiligen Krieg: Bewährungsstrafe für IS-Kämpfer

Ein junger Einzelgänger aus dem Kreis Waldshut geht nach Syrien und lässt sich dort von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Kämpfer ausbilden. Dafür ist Sami W. nun zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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Mi März 2015 schloss sich Sami W. dem IS an – im Oktober floh er bereits wieder.

Mi März 2015 schloss sich Sami W. dem IS an – im Oktober floh er bereits wieder.

Samuel Buchmann

Wie der 5. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Stuttgart feststellte, schloss sich der 20-Jährige im März 2015 einer Terrorgruppe in Nordsyrien an. Er ließ sich an Waffen ausbilden, trug den Kampfnamen „Abu Ismail al-Almani“, bekam 100 Dollar Sold pro Monat und wurde einer Einheit zugeordnet. Dann floh er und wurde im Oktober 2015 an Deutschland ausgeliefert.

Das Oberlandesgericht verurteilte Sami W. wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Dem jungen Mann wurde zugute gehalten, dass er sich recht rasch von dem Terrorregime abgewandt habe, dass er unter großer Gefahr geflohen sei, vieles gestanden habe und dass er Infos zum IS preisgegeben habe. Dennoch sei er mit immenser krimineller Energie nach Syrien aufgebrochen und habe sich mit dem IS und all seinen Grausamkeiten samt Tötungen, Anschlägen und Hinrichtungen identifiziert. Zudem habe er auch seine Mutter nach Syrien lotsen wollen.

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"Wofür er sterben wollte"

"Wofür er kämpfen und sterben wollte, war dem Angeklagten durchaus bewusst", hatte Oberstaatsanwalt Steffen Haidinger in seinem Plädoyer gesagt. Laut Gericht fasste der mit 1,60 Meter große, vergleichsweise schmächtige und schüchtern wirkende Angeklagte, der aus einem beschaulichen Waldshuter Ortsteil stammt, 2014 den Entschluss, für den IS in den Krieg zu ziehen. Dabei wurde er offenbar angestachelt durch seine marokkanische Mutter, die Muslime generell in der Opferrolle sehe und ihrem Sohn auch entsprechende Propagandavideos gezeigt habe.

Ihr Sohn – ein Einzelgänger – sprach von einer psychischen Hölle in Deutschland, der er habe entkommen wollen. Um seine Reise nach Syrien zu finanzieren, hat er unter anderem sein Playmobil-Spielzeug verkauft. Die Schuld für alles habe Sami W. in der Gesellschaft gesucht, letztendlich aber nie bei sich selbst, sagen heute Mitschüler. Bekannte sagten gegenüber dieser Zeitung, dass Sami W. in der Schule gemobbt wurde, vor allem von Mädchen. Er habe alles in sich hineingefressen und nicht auf Beleidigungen reagiert.

Islamistisches Gedankengut

Bereits zu Schulzeiten 2013 soll sich der junge Mann mit islamistischem Gedankengut befasst haben, hieß es. Sowohl mit der Ideologie als auch mit der Handlungsweise des IS habe er sich identifiziert. Lehrer und Klassenkameraden hätten dies nicht erkannt oder den Heranwachsenden nicht ernst genommen. Eine Bekannte sagte gegenüber dieser Zeitung dennoch vor einiger Zeit: „Wenn sich einer dem Islamischen Staat anschließt, dann er.“

Noch während seiner Schulzeit auf dem technischen Gymnasium in Waldshut habe sich der heute 20-Jährige auch einen Bart wachsen lassen. „Im Nachhinein war es eigentlich ein typischer Bart, den Islamisten tragen“, sagen Bekannte. Vor Gericht sagte der Angeklagte jetzt über seinen Entschluss, in den Heiligen Krieg zu ziehen: „Einen größeren Fehler kann man nicht machen.“