Lengnau
Er könnte als erster SPler den Sprung in den Gemeinderat schaffen

Steht in Lengnau eine historische Wahl an? Marcel Elsässer könnte als erster Sozialdemokrat den Sprung in den Gemeinderat von Lengnau schaffen. Nur ein Überraschungskandidat scheint die Premiere noch verhindern zu können.

Pirmin Kramer
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Marcel Elsässer will für die SP den freien Sitz im Gemeinderat erobern.

Marcel Elsässer will für die SP den freien Sitz im Gemeinderat erobern.

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Bei den Wahlen am 22. September könnte es zu einer Premiere kommen: Marcel Elsässer (36) will als erster Sozialdemokrat den Sprung in den Lengnauer Gemeinderat schaffen. Dorfhistoriker Franz Laube bestätigt: «Noch nie sass in unserem Gemeinderat ein Politiker der SP.»

Rein theoretisch könnte ein Überraschungskandidat Elsässers Wahl noch verhindern, doch seine Chancen stehen sehr gut, weil er einziger offizieller Kandidat für den frei werdenden Sitz im Gemeinderat ist. Angesprochen auf die mögliche historische Wahl sagt Elsässer bloss: «Da die Gemeinderatswahlen eher Personenwahlen sind, spielt die Parteizugehörigkeit nur eine untergeordnete Rolle.»

«Noch vor 10 Jahren undenkbar»

Ausführlicher äussert sich Astrid Andermatt, Grossrätin und Vorstandsmitglied der SP Surbtal, zur möglichen Wahl. «Die Zeit ist reif für einen Sozialdemokraten in Lengnaus Gemeinderat», sagt sie.

«Jahrzehntelang haben Familienclans der CVP und SVP den Gemeinderat dominiert.» Es wäre noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen, ein Mitglied aus dem Gemeinderat verdrängen zu können.

«Nun ist der Zeitpunkt sehr günstig, weil die CVP keinen Nachfolger für Ammann Kurt Schmid gefunden hat.» Die SP wäre aber auch zu einer Kampfwahl angetreten, denn ihr Kandidat finde bei den Wählern breite Abstützung, sagt Andermatt. Zudem habe die SP in Lengnau in den letzten Jahren kontinuierlich Wähleranteile gewonnen.

Stärkste politische Kraft in Lengnau sei traditionell die katholisch-konservative Partei gewesen, die heutige CVP, erklärt Dorfhistoriker Franz Laube, gefolgt von der Bauern-, Gewerbe und Bürgerpartei (BGB), der heutigen SVP. In den letzten 30 Jahren sei die SVP zur stärksten Partei geworden.

Juden hatten Recht auf einen Sitz

Dem Lengnauer Gemeinderat gehören derzeit zwei Politiker der CVP und zwei Politiker der SVP an; mit einem Sitz ist die FDP vertreten. Nun wird ein Platz frei, weil sich Gemeindeammann Kurt Schmid (CVP) nach 28 Jahren an der Spitze Lengnaus aus der Kommunalpolitik zurückzieht. Als Nachfolger kandidiert sein bisheriger Stellvertreter Franz Bertschi (SVP).

Wofür will sich Sozialdemokrat Elsässer im Gemeinderat einsetzen? «Die Gemeinde sollte ihren eingeschlagenen Weg mit dem Energiestadtlabel, Wohnen im Alter und der Familienfreundlichkeit weiterverfolgen und sich so als attraktive Gemeinde für die Bewohner präsentieren», sagt er.

Übrigens: Vor hundert Jahren war der Lengnauer Gemeinderat für eine Eigenheit bekannt. Die Juden hatten nach der Bildung der jüdischen Ortsbürgergemeinde Neu-Lengnau im Jahr 1879 das Recht auf mindestens einen Sitz im Gemeinderat. «Mitte der zwanziger Jahre war die jüdische Bevölkerung dermassen zusammengeschmolzen, dass es ihnen nicht mehr möglich war, diesen Sitz zu besetzen», erklärt Laube. Dieses Recht sei danach stillschweigend aufgehoben worden.

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