Endingen
Endinger wollen ab diesem Sommer probeweise Tagesstrukturen einführen

Die reich befrachtete Traktandenliste liess nicht auf ein rasches Ende der heutigen Endinger Gmeind hoffen. Zur Überraschung des Gemeinderates ging das Mammutprogramm aber flott über die Bühne. Die Endinger sind zufrieden – nur der Verkehr stört.

Nadja Rohner
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Das Gemeindehaus in Endingen

Das Gemeindehaus in Endingen

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Wenn Endingen so weiter wächst, wird sich der Gemeinderat über ein neues Lokal für die Gemeindeversammlung Gedanken machen müssen. Obwohl nur 175 der total 1565 Stimmberechtigten anwesend waren, platzte die Turnhalle beim Gemeindehaus am Freitagabend fast aus allen Nähten. Rasch wurde die Bestuhlung aufgestockt, alle rückten näher zusammen – sinnbildlich für die erste richtige Gmeind der jetzt offiziell fusionierten Gemeinden Endingen und Unterendingen.

So viele Leute kämen normalerweise nicht, erzählte eine Dame. Auch der Altersdurchschnitt in der Halle wird wohl deutlich tiefer gewesen sein als üblich: Eine vierte Primarschulklasse war gekommen, weil sie im Unterricht gerade «Endingen» behandelt. So viel vorab: Für die Schüler dürfte dies eine denkbar langweilige Gmeind gewesen sein. Bei keinem einzigen traktandierten Geschäft gab es eine Wortmeldung aus dem Plenum.

Durchgewunken haben die Endinger die Rechnung 2013, obwohl Gemeindeammann Lukas Keller von einem «sehr schlechten Rechnungsabschluss» sprach. Man habe in den vergangenen zwei, drei Jahren viel investieren müssen, sei es in den Kindergarten oder in die neue Gemeindeverwaltung. Dementsprechend fallen laut Keller die Abschreibungen mit rund 800 000 Franken deutlich ins Gewicht.

Man habe gewusst, dass ab 2013 ein paar eher magere Jahre folgen würden – was aber ein riesiges Loch in die Kasse reisse, sei ein enormer Steuereinbruch. «Es ist nicht etwa so, dass ein paar gute Steuerzahler weggezogen sind», so Keller. «Vielmehr machen die Endinger hohe Liegenschaftsabzüge und scheinen auch sonst ihre Steuern optimiert zu haben.»

Insgesamt sind in der Rechnung 2013 alle Steuereingänge negativ gegenüber dem Budget: 5,23 Millionen Franken hat der Gemeinderat erwartet, nur 4,87 Millionen Steuern flossen in die Gemeindekasse. Bei einem Aufwand von rund 10,8 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 10,4 Millionen weist die Rechnung einen Aufwandüberschuss von 445 000 Franken auf. Man entnehme das aus dem Eigenkapital, so Keller – «Das kann man ein paar Mal mal machen, aber sicher nicht lange. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir bald wieder einen besseren Rechnungsabschluss präsentieren können.»

Positives berichtete dafür Kurt Hauenstein, der den letzten Rechenschaftsbericht und die letzte Rechnung von Unterendingen verlies. Seine Quintessenz: «Ihr Endinger habt euch eine finanziell starke Gemeinde eingekauft.»

Beim Geschäft «Einführung Tagesstrukturen für einen Probebetrieb von 3 Jahren» schien der Gemeinderat mehr Opposition zu erwarten. Ressortvorsteher Peter Keller bemühte sich, den Stimmbürgern das Geschäft vorzustellen. Es ging auf einen Überweisungsantrag aus dem Jahr 2011 zurück: Der Gemeinderat war beauftragt worden, ein fixfertiges Konzept für die Tagesstrukturen vorzulegen.

Keller betonte, dass seit einigen Jahren viele Anfragen bei der Gemeinde und der Schule eingingen: «Potenzielle Neuzuzüger wollen wissen, wie es in unserer Gemeinde um die Tagesstrukturen steht. Das ist ein wichtiges Kriterium für junge Familien.» In Würenlingen und Ehrendingen habe man diese Form der Kinderbetreuung bereits erfolgreich eingeführt, in Tegerfelden und Lengnau evaluiere man derzeit den Bedarf.

Vorgesehen ist eine Betreuung im alten Kindergarten, der zu diesem Zweck leicht umgebaut und saniert werden soll. 15 000 Franken beantragte der Gemeinderat dafür. Trägerschaft der Tagesstrukturen ist ein Verein, die Gemeinde beteiligt sich nur finanziell. Sie soll einkommensschwache Familien unterstützen, damit diese nicht den vollen Betreuungsbetrag zahlen müssen. Dafür war ein jährliches Kostendach von 115 000 Franken beantragt.

Die Stimmbürger zeigten ein Herz für Familien und genehmigten sowohl den Kredit für die Sanierung des Kindergartens als auch das Kostendach. Somit dürften die Tagesstrukturen ihren Betrieb bereits diesen Sommer aufnehmen. Vorgesehen sind 10 Betreuungsplätze und 30 Mittagstisch-Plätze.

Die Endingerinnen und Endinger bewilligten zudem einen Rahmenkredit von 600 000 Franken für ein neues Tanklöschfahrzeug für die Feuerwehr Surbtal – das alte hat bereits 27 Jahre auf dem Buckel. Der Gemeindeanteil für Endingen beträgt 234 517 Franken, den Rest übernehmen Tegerfelden und Lengnau. Die Stimmbürger bewilligten den Kredit. Ebenso hiessen sie einen Nachtragskredit von 75 000 Franken für den Umbau der Hochwasserentlastung im Gebiet Unterendingen gut.

Aufgrund der Gemeindefusion mussten zwei Satzungen – von der Kreisschule Surbtal und von der Regionalen Schiessanlage Homrig – angepasst werden. Beide Geschäfte wurden einstimmig gutgeheissen. Gleiches gilt für sieben verschiedene Kreditabrechnungen.

Diskutiert wurde erst ganz am Schluss: Schulpflegepräsidentin Lydia Spuhler und weitere Endinger äusserten Bedenken wegen des Mehrverkehrs, der durch die gesperrte Steigstrasse in Tegerfelden entstanden ist. Insbesondere im Bereich Postgarage/Weidstrasse seien die Schüler durch Schleichverkehr gefährdet. Gemeindeammann Keller betonte, man werde die Situation im Auge behalten und erwäge ein Rechtsabbiegeverbot, um den Schleichverkehr einzudämmen.