Kleindöttingen
Elterntaxis erweisen den Kindern einen Bärendienst – und gefährden die Sicherheit

Bis zu zwanzig Autos gleichzeitig: Elterntaxis gefährden die Sicherheit der Schüler. Zudem verpassen die Kinder so die Möglichkeit auf dem Schulweg wertvolle pädagogische Erfahrungen zu sammeln.

Stefanie Suter und Angelo Zambelli
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In der Gemeinde Böttstein, zu welcher der Ortsteil Kleindöttingen gehört, werden die Elterntaxis zu einem grossen Problem: Bis zu zwanzig Autos stehen vor dem Schulareal Rain Schlange, um Kinder in die Schule und in den Kindergarten zu bringen oder abzuholen.

Dies birgt eine grosse Gefahr für die Schüler: «Die Kinder laufen zwischen den Autos durch und können von den Autofahrern leicht übersehen werden», sagt René Grabe, Schulleiter der Sekundarstufe und Stellvertreter von der Schulleiterin der Primarstufe. Betroffen seien vor allem die Primarschule und die beiden Kindergärten Rain und Fahr.

So schlimm wie noch nie

Das Problem bestehe schon seit Jahren, sagt Grabe. «Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie – wir sorgen uns um die Sicherheit der Kinder. Die Eltern haben Angst, dass den Kindern auf dem Schulweg etwas zustösst», vermutet der Schulleiter.

«Sie wollen die Kinder in das Schulhaus hineingehen sehen, um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist.» Dabei habe der Schulweg einen grossen pädagogischen Wert: «Die Schüler lernen auf dem Schulweg Selbstständigkeit und Eigenverantwortung», erklärt Grabe.

Gebessert habe sich trotz einer Mitteilung in den Schulnachrichten bis jetzt noch nichts. «Mit der kalten Jahreszeit erwarten wir, dass die Anzahl der Elterntaxis weiter zunehmen wird.» Dass die Mittagszeit zu kurz bemessen sein könnte und die Eltern deshalb ihre Kinder abholen, glaubt Schulleiter Grabe nicht: «Den Kindern, die zu Fuss oder mit dem Velo nach Hause gehen, reicht die Zeit ja auch.»

Letzter Appell an die Vernunft

«Die Gemeinde hat das Problem erkannt», sagt Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein. «Wir haben in den Gemeindenachrichten einen letzten Appell an die Vernunft der Eltern gerichtet.» Falls die Anzahl der Elterntaxis nicht abnehme, müsse der Gemeinderat aktiv werden. Verschärfungen wie beispielsweise ein Halte- oder ein Fahrverbot rund um das Schulhaus könnten eine Lösung sein.

«Eltern, die ihre Kinder in die Schule fahren, erweisen ihren Sprösslingen keinen Dienst», findet Gosteli. Auf dem Schulweg könne das Kind wichtige Lebenserfahrung sammeln: «Es kann lernen, Verantwortung zu tragen, sich an Zeiten zu halten und Konflikte mit den Kameraden zu lösen.»

Polizei sind die Hände gebunden

Auch der Regionalpolizei Zurzibiet ist das Problem «Elterntaxi» bekannt. Repol-Chef René Lippuner hat nur wenige Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen: «Wenn wir beim Schulareal Lichtkontrollen an den Fahrrädern durchführen, nützen wir die Gelegenheit, mit Eltern, die ihre Kinder hin und her chauffieren, ins Gespräch zu kommen», sagt Lippuner.

Weil in den Strassen rund um das Schulareal kein Halteverbot bestehe, hätten die Beamten nur sehr beschränkten Handlungsspielraum. Der Ball, mit einer Signalisation etwas gegen die Elterntaxis zu unternehmen, liege bei der Gemeinde, sagt Lippuner.

Werde aber ein Auto gesichtet, in dem vier Kinder unangeschnallt auf dem Rücksitz sitzen, werde eine Busse verhängt. Seine Beamten würden auch diese Gelegenheit nutzen, Sinn respektive Unsinn der Elterntaxis anzusprechen.

Repol-Chef Lippuner sagt, er habe Dinge im Zusammenhang mit den Elterntaxis beobachtet, die nur schwer zu fassen seien: «Eine Mutter hat ihren Nachwuchs hin und her gefahren, obwohl ihr Zuhause nur 200 Meter entfernt liegt», erzählt Lippuner. Eine andere Mutter habe sich bei einem Polizisten beschwert, sie müsse immer sehr lange warten, bis sie den Fussgängerstreifen überqueren könne. Die gleiche Frau war aber den Beamten vorher als eine der fleissigsten Taxifahrerinnen aufgefallen.