Bezirk Zurzach
«Eine Zusätzliche Fluglärmbelastung lehnen wir ab»

Planungsverbandspräsident Felix Binder will weiter für eine faire Verteilung kämpfen. Nicht akzeptabel sind für Binder zusätzliche An- oder Abflüge an Abend- und an Morgenstunden über dem Zurzibiet.

Angelo zambelli
Merken
Drucken
Teilen
Anflug auf den Flughafen Zürich: Die Frage, wer wie viel Fluglärm zu tragen hat, wird die Schweiz noch einige Zeit beschäftigen. LAT

Anflug auf den Flughafen Zürich: Die Frage, wer wie viel Fluglärm zu tragen hat, wird die Schweiz noch einige Zeit beschäftigen. LAT

Die von Verkehrsministerin Doris Leuthard und ihrem deutschen Amtskollegen Peter Ramsauer am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos unterzeichnete Vereinbarung zu den Anflügen auf den Flughafen Zürich beschäftigt die Bevölkerung im Zurzibiet. Vorgeschlagen wird, dass Süddeutschland aufgrund des neuen Staatsvertrags weniger Anflüge zu ertragen hat, im Gegenzug aber mehr Anflüge am Morgen und am Abend zulässt.

Auf den ersten Blick sieht dieser Lösungsansatz für das Zurzibiet vielversprechend aus. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass mehr Anflüge über dem Südschwarzwald am Morgen und am Abend automatisch auch mehr Anflüge in den empfindlichen Randstunden für die ohnehin gebeutelten Rheintalgemeinden Rekingen, Mellikon, Rümikon und vor allem Kaiserstuhl und Fisibach bedeuten. Mit anderen Worten: In der Frage der An- und Abflüge im Norden sitzen die Gemeinden im Südschwarzwald und im Rheintal im selben Boot.

«Neue Regelung ohne Verordnung»

Die Ankündigung der Fluglärmvereinbarung hat bei Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet, wenig Freude ausgelöst. Er beurteilt die neue Situation pragmatisch: «Verbindliche Zahlen habe ich bisher nicht gehört oder gelesen. Deshalb ist es schwierig, eine Stellungnahme abzugeben. Fest steht, dass eine klare und endgültige Regelung der An- und Abflüge gefunden werden muss, die nicht mehr auf einer einseitigen Verordnung beruht.» Notwendig sei vor allem eine saubere und für alle beteiligten Parteien rund um den Flughafen akzeptable Strategie, wie die insgesamt 300000 Flüge abgewickelt werden. Von grösserer Bedeutung als der Staatsvertrag sei die Frage, wie viele Flugzeuge insgesamt künftig zu welcher Zeit in welche Richtung starten und landen.

Keine Zusatzbelastungen

Nicht akzeptabel sind für Binder zusätzliche An- oder Abflüge an Abend- und an Morgenstunden über dem Zurzibiet. «Wenn der Bezirk Zurzach als Folge eines neuen Staatsvertrags tagsüber etwas mehr Flüge als bisher übernehmen muss, ist das tolerierbar», sagt Binder. «Nicht infrage kommen hingegen zusätzliche Flüge an den Randstunden. Der Planungsverband wird weiter dafür kämpfen, dass der Bezirk Zurzach diese Lasten nicht auch noch tragen muss.»

Binder pocht darauf, dass der Süden und der Osten des Flughafens weiterhin einen angemessenen Teil des Fluglärms übernehmen, so wie dies vom Aargauer Regierungsrat seit langer Zeit gefordert wird. Aber: «Es ist zu befürchten, dass der Süden erneut versucht, sich im Sog eines neuen Staatsvertrages aus der Verantwortung zu stehlen.»

Binder würde es begrüssen, wenn ein neuer Staatsvertrag zustande käme. «Scheitern hingegen die Verhandlungen, bleibt alles beim Alten. Die Planungsunsicherheit der Gemeinden würde bleiben, ebenso die Unsicherheit der Bevölkerung, was in den kommenden Monaten und Jahren über ihren Köpfen geschieht.»

Binder setzt seine Hoffnungen eher auf den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) als auf einen neuen Staatsvertrag mit Deutschland. «Im SIL-Prozess werden neben den raumrelevanten Fragen auch die Zeitfenster der An- und Abflüge sowie die Obergrenze aller Flüge vom und zum Flughafen Zürich geregelt, wobei auch da berücksichtigt werden muss, dass das Zurzibiet bereits jetzt einen beträchtlichen Anteil des Fluglärms trägt.»