Bad Zurzach
Eine Vision gewinnt an Konturen

In Bad Zurzach wurde das Modellvorhaben «Vision Zurzibiet» präsentiert. Es soll der Region zu einem unverkennbaren Profil und neuem Aufschwung verhelfen.

Angelo Zambelli
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«Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und sagen: Warum? Ich träume von Dingen, die es nie gab, und sage: Warum nicht?» Diesen Satz von John F. Kennedy stellten die Organisatoren an den Anfang der Projektpräsentation «Vision Zurzibiet» im Vortragssaal der Reha-Clinic Bad Zurzach.

Und tatsächlich zog sich die Frage «Warum nicht?» wie ein roter Faden durch die Informationsveranstaltung. Warum nicht die Gemeindegrenzen überwinden und regional denken und handeln? Warum nicht gemeinsam aufbrechen zu neuen Ufern und etwas wagen? Warum nicht Kultur pflegen und vermarkten, und warum nicht die Stärken der Region erkennen und besser vermarkten?

Ungenügendes Wachstum

Vorerst allerdings galt es für die Teilnehmer der Veranstaltung, unangenehmen Tatsachen ins Auge zu schauen: Während die Nachbarregionen boomen und sich über ein jährliches Wachstum zwischen 1,3 und 1,6 Prozent freuen, verzeichnet das Zurzibiet einen Zuwachs von lediglich 0,3 Prozent – Tendenz sinkend. Der Schülerschwund hat zur Folge, dass eine Bezirksschule bereits geschlossen werden musste (Kaiserstuhl) und andere hochgradig gefährdet sind (Klingnau, Leuggern). Ein weiteres Problem des Bezirks Zurzach offenbart sich bei den Steuerfüssen. Nur drei Gemeinden liegen unter dem kantonalen Mittel, alle anderen liegen höher. «Das Zurzibiet ist nicht gut unterwegs, was die Steuerfüsse betrifft», sagte Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes, der in Zusammenarbeit mit Bund, Kanton, Wirtschaftsforum Zurzibiet und den Gemeinden Bad Zurzach, Böttstein, Döttingen und Klingnau für die Erarbeitung der «Vision Zurzibiet» verantwortlich zeichnet. Sorgen bereitet dem Bezirk auch die Besetzung von Kaderpositionen in den Gemeinden. Auf öffentliche Stellenausschreibungen gehen jeweils nur ganz wenige Bewerbungen ein.

Gemeindegrenzen überwinden

Um zu Kennedy zurückzukommen: Das Zurzibiet kommt nicht darum herum, die Probleme in diesen Bereichen so zu sehen, wie sie sind. Da ist aber auch noch der zweite Teil des Satzes: Von Dingen zu träumen, die es nie gab, eine Vision als Chance zu sehen und Träume zu verwirklichen. Mit der «Vision Zurzibiet» sollen Gemeindegrenzen überwunden und regionales Handeln in den Vordergrund gestellt werden. «Das Zurzibiet hat viele Qualitäten. Sie sind bisher aber nicht oder zu wenig genutzt worden», sagte Regionalplanerin Dunja Kovari-Binggeli, die an der Ausarbeitung der Vision entscheidend mitgewirkt hat.

Gefragt ist laut Kovari-Binggeli ein unverkennbares Profil für das Zurzibiet. Erreicht werden soll dies, indem Schwerpunkte gesetzt und die Kräfte gebündelt werden. Konkret heisst dies: den Subregionen Rheintal, Aaretal und Surbtal ein unverkennbares Gesicht geben. Das Rheintal soll künftig seine Stärken als Gesundheits- und Tourismusregion ausspielen, das Aaretal seine Qualitäten als Energie- und Wirtschaftsstandort und das Surbtal seine Vorzüge als Naherholungs- und Wohngebiet.

Weitere Ziele, die mit der «Vision Zurzibiet» gesetzt werden sollen, sind ein hochwertiges Bildungsangebot sowie eine bessere Anbindung des Individualverkehrs an das Nationalstrassennetz.

Mit den vorgeschlagenen Massnahmen soll erreicht werden, dass das Zurzibiet näher zusammenrückt und über die Region hinaus kommuniziert, welche Qualitäten im Aaretal, im Rheintal und im Surbtal vorhanden sind. «Nur so können wir uns dem Wettbewerb der Regionen stellen», waren sich alle an der Präsentation der «Vision Zurzibiet» beteiligten Personen einig. Den Schluss der Veranstaltung machte ein Zitat von Dom Hélder Camara, Erzbischof von Olinda und Recife (Brasilien): «Wenn einer allein träumt, bleibt es ein Traum. Träumen wir alle gemeinsam, wird es Wirklichkeit.»