Stausee Klingnau
Eine Tunnelbaumaschine soll den Schlamm sortieren

Grossrat Sämi Richner (Auenstein) setzt sich für den Einsatz einer grossen Materialtrennanlage ein. Diese soll das Schlammgemisch in die Komponenten «gereinigtes Wasser», Festanteile bis 0,06 Millimeter und Grobanteile aufteilen.

Angelo Zambelli
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Stausee Klingnau (Archiv)

Stausee Klingnau (Archiv)

Aargauer Zeitung

Das Seilziehen zwischen dem Kanton und dem EVP-Grossrat Sämi Richner aus Auenstein um die Entsorgung des PCB-haltigen Sedimentschlamms aus dem Klingnauer Stausees geht in die nächste Runde: Der Regierungsrat wollte Richners Postulat, die Möglichkeit einer Entsorgung der Sedimente in einem Zementwerk zu prüfen, mit dem Hinweis abschreiben, eine vollständige Entsorgung im Zementwerk Siggenthal sei nicht realisierbar.

In seiner Begründung ging der Regierungsrat auch auf die Frage ein, wie das Projekt optimiert werden könnte: «Diverse Unternehmervorschläge liegen vor, die eine Sortierung der Sedimente in sauberen Sand, organische Stoffe und belastetes Material vorsehen und somit die zu entsorgenden Kubaturen stark vermindern.»

Richner will keine Einleitung

Mit dieser Antwort des Regierungsrates will sich Richner nicht zufrieden geben: «Das Postulat hat zum Ziel, Lösungen zu finden, die ohne Einleitung von PCB-belastetem Material in den Rhein auskommt. Dieses Ziel ist mit der Antwort noch nicht erfüllt.»

Richner hat sich in Fachkreisen umgehört, die sich in der Schlammentsorgung auskennen, und ist dabei auf den Materiallogistiker Christoph Bilger gestossen. Dessen Altdorfer Firma war am Tunnelbau der Durchmesserlinie in Zürich beteiligt. Damals stand eine Tunnelbohrmaschine im Einsatz, die in der Lage ist, Feststoffe und flüssiges Material zu trennen.

Sämi Richner ist der Meinung, dass diese Maschine bei der Ausbaggerung im Klingnauer Stausees nützlich sein könnte. «Ihr Einsatz würde verhindern, dass PCB-haltiger Schlamm in den Zusammenfluss von Aare und Rhein gepumpt und damit an die unterhalb des Klingnauer Stausees liegenden Regionen weitergereicht wird.» Richner hat einen weiteren Vorteil der Tunnelbohrmaschine erkannt: «Bei dieser Entsorgungsvariante entfallen die Kosten für den Bau einer Pumpleitung hinunter zum Zusammenfluss von Aare und Rhein.»

Das Trennverfahren

Beim von Sämi Richner favorisierten Verfahren handelt es sich um eine Anlage, die das Schlammgemisch in die Komponenten «gereinigtes Wasser», Festanteile bis 0,06 Millimeter (stichfester Schlamm) und Grobanteile aufteilt. «Anschliessend können die Materialen weitergegeben werden», erläutert Materiallogistiker Bilger. «Das Wasser in die Aare, der stichfeste Schlamm je nach Belastung in eine Inertstoff- oder Reaktordeponie. Den Sand könnte man je nach organischer Verunreinigung entweder verkaufen oder zumindest gratis entsorgen.»

Bilger geht davon aus, dass dieses Verfahren insgesamt teurer wäre als die vom Kanton vorgeschlagene Ausbaggerung und Entsorgung via Pumpleitung in den Rhein bei Felsenau. Es sei jedoch nicht anzunehmen, dass das Trennverfahren mit der Tunnelbohrmaschine Mehrkosten in der Höhe der bereits genannten 4 Millionen Franken verursache.

Der Materiallogistiker weist auf zwei Möglichkeiten hin, wie mit dem Trennverfahren die budgetierten Kosten gesenkt werden könnten: «Ein ökologischer Ausgleich wäre nicht notwendig, weil keine Einleitung von Feststoffen in den Rhein erfolgt. Zudem würden die Entsorgungskosten geringer, da kleinere Mengen hoch belasteter Materialien anfallen und stichfester Schlamm günstiger deponiert werden kann.»

Vorschläge werden geprüft

Ob die Anlage am Klingnauer Stausee zum Einsatz kommt oder nicht, steht noch nicht fest. Der Regierungsrat verspricht in seiner Antwort auf Richners Postulat, das Departement Bau, Verkehr und Umwelt kläre derzeit ab, wie das Projekt optimiert werden könne.

«Diverse Unternehmervorschläge liegen vor. Diese werden nun gewissenhaft evaluiert und auf ihre Kostenfolgen hin geprüft. Wenn die Vorschläge technisch realisierbar und finanziell tragbar sind, werden die notwendigen Projektanpassungen gemacht. Die Abklärungen hinsichtlich einer Projektanpassung sind derzeit im Gang: Die Resultate werden in 2 bis 3 Monaten vorliegen.» Diese werden von Sämi Richner und vom Aargauischen Fischereiverband, der sich mit der geplanten PCB-Einleitung in den Rhein intensiv beschäftigt, mit Spannung erwartet.

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