Klingnau
Eine bezaubernde Familie kämpft um ein Erbe

Viel Applaus für das Theater Klingnau an der Premiere der Krimikomödie «Schau nicht unters Rosenbeet».

Louis Probst (Text und Foto)
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Theater Klingnau Schneewittchen lässt grüssen
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Theater Klingnau Monika Graber eröffnet das Geheimnis der Erbschaft
Theater Klingnau Die Grabers mitsamt Krankenschwester Anni
Theater-Premiere in Klingnau
Theater Klingnau Anwalt Bitterli links neben Luggi und Emmi Graber hats faustdick hinter den Ohren

Theater Klingnau Schneewittchen lässt grüssen

Badener Tagblatt

Bücher bis zur Decke – man könnte neidisch werden ob so viel Platz. Gediegene Möbel im Stile von Louis Irgendwas. Ein flackerndes Feuer im Kamin. Und ein Servicewagen mit einem beeindruckenden Sortiment an Schnäpsen: Das Ambiente könnte einem Rosamunde-Pilcher-Film entstammen. Tut es aber nicht. Die Bühne im Propsteikeller hat sich in die Bibliothek der Villa Grauenstein verwandelt. Dort wird sich die Familie Graber versammeln. Es geht um die Eröffnung des Testamentes von Septimus Graber, dem Patriarchen, der unter seltsamen Umständen zu Tode gekommen ist.

Nacheinander lernt man sie kennen: Den Dr. Samuel Bitterli (Heinz Baumgartner), den honorigen Anwalt der Familie Graber; Luggi Graber (Hansruedi Born), Sohn des Septimus und offenbar ein berühmter Wissenschaftler, der gleichzeitig an Frankenstein und Napoleon dem III. gemahnt, und seine Gattin Dori (Alice Schifferle), nicht nur Grande Dame in ihrer schwarzen Robe, sondern auch Expertin für allerhand Elixiere. Stark ist der gespenstische Auftritt der vampirhaften Tochter Emmi Graber (Bettina Geiger).

Nicht minder stark das Erscheinen von Sohn Markus Graber (Jonny Schifferle) als Shakespeare deklamierender Cäsar in der Toga. Er ist aber, wie die ihn begleitende süsse Krankenschwester Anni Frei (Mariana Born) versichert, nicht plem-plem: «Er übt fürs Döttinger Jubiläum». Den Laden im Griff hat mit eiserner Hand Agathe Hämmerli (Jutta Hauenstein) als walkürenhafte, nervenstarke Haushälterin. Nur Hermann Graber lernt man nicht kennen. Den hört man bloss. Er musste im Keller angekettet werden, weil er gerne als Werwolf sein Unwesen treibt. Man ahnt: Grauenstein – der Name hat etwas für sich.

Ansteckende Spielfreude

«Schon der Titel des Stückes ist wunderschön», meinte lächelnd Regisseurin Therese Delay -- stilvoll gewandet im eleganten, bodenlangen schwarzen Rüschenkleid – kurz vor Beginn der Premiere. «Wir müssen uns bei der Auswahl eines Stoffes auch stets überlegen, ob der uns zur Verfügung stehende Raum passt, ob wir genügend Leute haben, um alle Rollen besetzen zu können und ob ein gutes Bühnenbild möglich ist.» Im vergangenen September sei mit den Proben begonnen worden, sagte Therese Delay, und widmet ihrer Truppe ein Kränzchen: «Die Beteiligung an den 70 Proben war toll. Alle kannten auch von Beginn an ihre Texte.» Die Proben haben sich gelohnt. Die Darstellerinnen und Darsteller agieren in beachtlichem Tempo, und sie geniessen ihre Rollen sichtlich. Das Publikum ist begeistert.

In der Villa Grauenstein nimmt das Schicksal jedenfalls seinen Lauf. Der überhaupt nicht ersehnte Gast, die von Septimus als Haupterbin auserkorene berühmte Autorin Frieda Freudenberger (Nathalie Küng), taucht samt Chauffeur Peter Hafner (Jacques Fuchs) doch noch auf – und entschliesst sich, ihr Erbe anzutreten. Schliesslich erscheint auch noch Tochter Monika Graber (Alexandra Schumacher), als männerverschlingender Vamp.

Fast alle liegen auf dem Teppich

Der Kampf ums Erbe kann beginnen. Wer wird ihn gewinnen? Das muss hier offen bleiben. Erbangelegenheiten enden aber oft mit Überraschungen. Und man begreift, weshalb Regisseurin Therese Delay im Gespräch von der Herausforderung sprach, einen Bühnentod darzustellen. Nacheinander liegen sie jedenfalls auf der Walstatt, respektive dem Teppich, die potenziellen Erben. Bis am Ende – ja wer denn? – übrig bleibt.

Weitere Aufführungen: Theater Klingnau «Schau nicht unters Rosenbeet», im Propsteikeller. Vorstellungen: 26. und 27. Februar, 4., 5., 11., 12., 13., 18. und 19. März.

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