Rekingen
Einbrüche, Diebstähle und sexuelle Anspielungen

Die Situation rund um die Asylunterkunft am Rossweg spitzt sich zu. Die Bewohner der Asylunterkunft am Rossweg in Rekingen sorgen sowohl in der Standortgemeinde Rekingen als auch im Nachbarort Bad Zurzach für Empörung.

Angelo Zambelli und Pirmin Kramer
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Die Bewohner der Asylunterkunft in Rekingen sorgen für Ärger bei der Bevölkerung.

Die Bewohner der Asylunterkunft in Rekingen sorgen für Ärger bei der Bevölkerung.

Angelo Zambelli

«Die Situation rund um die Asylantenunterkunft hat sich in den letzten Wochen sehr negativ entwickelt», schreibt die Exekutive von Bad Zurzach in den neusten Gemeinderatsnachrichten. «Die Einbrüche, Hausfriedensbrüche, Diebstähle und Belästigungen haben ein nicht mehr akzeptables Ausmass angenommen.» Leider habe die Gemeinde rechtlich keine Möglichkeit, direkte Handlungen vorzunehmen. Deshalb habe er bereits zum zweiten Mal schriftlich beim Regierungsrat interveniert und die Umsetzung von Sofortmassnahmen gefordert.

Auch in Rekingen regt sich Unmut im Zusammenhang mit der Situation rund um die Asylunterkunft: «Wir haben Regierungsrätin Susanne Hochuli als Vorsteherin des zuständigen Departements am 25. Mai 2012 einen Brief geschickt und sie auf die schwierige Situation hingewiesen», sagt Jürg Fischer, Gemeindeammann von Rekingen. «Mit den Asylbewerbern aus Nordafrika, die seit einem halben Jahr bei uns leben, haben wir viel mehr Probleme als mit ihren Vorgängern aus Westafrika», sagt Fischer. «Früher hatten wir kaum Probleme mit den Asylsuchenden, nachdem wir gefordert haben, dass sie ihr Verhalten an unsere Lebensweise anpassen müssen, um ein konfliktfreies Nebeneinander zu ermöglichen.» Die Betreuung mit einer Person während der Bürostunden reiche für die 70 bis 90 Personen klar nicht aus.

Fakten zur Asylunterkunft

Die Asylunterkunft in Rekingen wurde im Januar 2009 in Betrieb genommen. In den beiden Häusern ist Platz für 60 bis 90 Personen. Die zwei Mehrfamilienhäuser, in denen die Asylsuchenden untergebracht sind, wurden früher von Angestellten der Solvay AG bewohnt. Aktuell befinden sich 75 Asylbewerber in der Unterkunft. Sie werden von 8 bis 17 Uhr von einem Angestellten des Kantonalen Sozialdienstes betreut. (ZA)

Gestohlen worden seien hauptsächlich Velos, Bargeld und elektronische Geräte. «Aus der Bevölkerung haben wir laufend Meldungen über neue Vorkommnisse mit den Asylbewerbern», sagt Fischer.

Bad Zurzach fordert Massnahmen

«Wir fordern vom Regierungsrat Sofortmassnahmen, damit sich unsere Bürger wieder sicher fühlen und auf ihrem Grundstück frei und ohne Angst bewegen können», sagt René Huber, Gemeindeschreiber von Bad Zurzach. «Der Kanton muss sich umgehend etwas einfallen lassen.»

«Einwohner haben uns mitgeteilt, dass Wäsche von der Leine geklaut wird, dass Handys aus den Autos gestohlen werden und dass sich Asylanten einfach Zugang ins Haus über die Terrassentüre verschaffen. Zudem sollen Asylbewerber mit Worten sexuelle Anspielungen gegenüber Jugendlichen gemacht haben», sagt Huber.

In ihrem Brief an Regierungsrätin Susanne Hochuli stellt die Gemeinde Rekingen unter anderem auch finanzielle Forderungen: «Der Kanton soll die Kosten der Regionalpolizei übernehmen, die wegen der Asylanten entstehen. Denn die Regionalpolizei und deren Einsätze werden momentan von den Gemeinden des Zurzibiets finanziert.» Der Gemeinderat Rekingen möchte vom Kanton auch über die aktuellen Mietverträge der beiden Liegenschaften am Rossweg und deren Ausrichtung aus Sicht des Kantons informiert werden. «Ausserdem fordern wir eine Überwachung der Asylantenunterkunft rund um die Uhr», sagt Fischer.

Regierungsrätin begrüsst Razzien

Mit Brief vom 25. Juni hat Regierungsrätin Susanne Hochuli das Schreiben aus Rekingen beantwortet. «Gemäss meinen Abklärungen werden die Kosten der Regionalpolizei Zurzibiet einerseits aufgrund der Einwohnerzahl und andererseits aufgrund der bei der Einführung der Regionalpolizeien durch die Kantonspolizei vorgenommenen Gewichtung (...) berechnet. Aufgrund dieser Konstellation ist davon auszugehen, dass der Gemeinde Rekingen keine zusätzlichen Kosten aus allfälligen polizeilichen Mehreinsätzen entstehen», schreibt die Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales. Was die Forderung nach einer 24-Stunden-Bewachung und Überwachung betreffe, sei anzumerken, dass eine solche Form der Überwachung grundsätzlich nur für Ruhe und Ordnung innerhalb und im engsten Umfeld der Unterkunft sorgen könne, nicht aber in einem weiteren Umkreis.

Dass die Kantonspolizei unangekündigte Razzien in den Unterkünften durchführt, wird von der Regierungsrätin hingegen begrüsst. Hochuli schliesst ihre Stellungnahme mit der Bitte um Verständnis für die Sorgen und Nöte des Kantons, wenn es um die Unterbringung von Asylsuchenden gehe: «Die Rekrutierung geeigneter grösserer Unterkünfte gestaltet sich äusserst schwierig. Der kantonale Sozialdienst ist daher dringend auf die Unterkünfte am Rossweg in Rekingen angewiesen und beabsichtigt, die Mietverträge zu verlängern. Wir können die Herausforderungen nur gemeinsam meistern.» Hochuli ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und den kantonalen Stellen weiterhin lösungsorientiert und sachlich stattfinden kann und dass insbesondere in der Frage nach dem richtigen Mass an Informationen ein gangbarer Weg gefunden wird.