Rekingen
Einblicke in eine fremde Welt: Die Asylunterkunft öffnet ihre Pforten

Die Bevölkerung zeigte reges Interesse an der kantonalen Asylunterkunft und stellte zahlreiche Fragen. Eine Bewohnerin zeigte sich besorgt über den Zustand des Hauses.

Louis Probst
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Asylbewerber in Rekingen freuen sich über den Besuch am Tag der offenen Tür.

Asylbewerber in Rekingen freuen sich über den Besuch am Tag der offenen Tür.

«Oh», fragt die Dame, angesichts der zwei Betten und des Kajütenbettes mit den akkurat gefalteten Wolldecken, erstaunt. «In diesem Raum schlafen vier Personen?» – «Es können durchaus auch mehr sein», entgegnet Barbara Caderas, Betreuerin in der kantonalen Asylunterkunft Rekingen. Am Tag der offenen Türen führt sie Besucherinnen und Besucher durch die Unterkunft.

In der Unterkunft in Rekingen leben gegenwärtig 104 Asylbewerber. Sie stammen vor allem aus Eritrea, Sri Lanka und Afghanistan. Die meisten von ihnen haben den sogenannten Status N. Damit sind sie, unter gewissen Auflagen, für die Dauer des Asylverfahrens zur Anwesenheit in der Schweiz berechtigt. Weitere zehn Personen werden im Laufe der Woche erwartet. Insgesamt bietet die Unterkunft Platz für rund 140 Personen.

Anlass wird begrüsst

In einem Raum neben dem Büro der Asylunterkunft beantwortet Andreas Hodel, Gruppenleiter beim Fachbereich Unterbringung und Betreuung im Departement Gesundheit und Soziales des Kantons, Fragen von Besucherinnen und Besuchern. Unter ihnen befinden sich auch der Rekinger Gemeindeammann Werner Schumacher und Gemeinderat Marc Bamberger.

«Ich bin aus Neugierde gekommen», erklärt Werner Schumacher. «Ich besuche die Asylunterkunft aber hin und wieder. Grundsätzlich ist die Unterkunft sehr gut organisiert. Bei so vielen Leuten braucht es gewisse Strukturen. Ich denke auch, dass wir mit den Ethnien, die gegenwärtig in der Unterkunft vertreten sind, keine schlechte Situation haben. Es geht gut. Den Tag der offenen Tür finde ich sehr gut. Dass die Asylunterkunft in der Bevölkerung auf Interesse stösst, zeigt sich an den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern aus Rekingen. Man sollte häufiger solche Anlässe durchführen, um einander besser kennen lernen zu können.»

«Ich möchte so nicht leben»

Sie sei zum ersten Mal in der Asylunterkunft, erklärt eine Besucherin. «Ich wollte mir das mal ansehen. Die Asylbewerber machen ja rund zehn Prozent der Bevölkerung des Dorfes aus.» Eine andere Besucherin entgegnet auf die Frage nach dem Grund für ihr Interesse: «Ich wollte sehen, wie die Asylbewerber wohnen. Es sieht zwar relativ ordentlich aus. Aber ich möchte so nicht leben.»

Das positive Bild trübt sich übrigens beim Blick in eines der kleinen Bäder. An der Wand breitet sich ein riesiger Fleck hässlichen Schimmels aus. So etwas dürfte eigentlich nicht toleriert werden. Schliesslich zahlt der Kanton für die Miete der Gebäude, die ihr Lebensalter längst erreicht haben, gutes Geld.

Während sich in der Besuchergruppe unter der Führung von Barbara Caderas, die sich inzwischen in einer der kleinen Küchen versammelt hat, eine lebhafte Diskussion entwickelt, scheinen die Bewohner der Unterkunft – mehrheitlich junge Männer – dem Interesse an ihren gegenwärtigen Lebensumständen ihrerseits freundliche Neugier entgegenzubringen.

Leider stehen Sprachbarrieren der gegenseitigen Kontaktnahme im Wege. Aber Abdul Daiem, der aus Syrien stammt und mit seinen 67 Jahren so etwas wie der Doyen in der Unterkunft in Rekingen ist, versichert: «Ich bin zufrieden hier in der Schweiz. Ich bin der Bevölkerung und den Behörden dankbar.» Seine Mitbewohner lächeln dazu freundlich.

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