Bad-Zurzach
Ein Zurzacher fliegt alleine mit einer Cessna in 80 Tagen um die Welt

Als kleiner Bub ist Carlo Schmid (22) von der Leidenschaft für die Fliegerei gepackt worden - sie hat ihn nie mehr losgelassen. Jetzt möchte Schmid jüngster Pilot werden, der alleine um die Welt geflogen ist. Schmid im Gespräch mit der az.

Pirmin Kramer
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Den Rekord hält ein Amerikaner, der beim Soloflug 23 Jahre alt war. Im Flughafen Kloten spricht Schmid über sein Abenteuer, das aus mehreren Etappen besteht und 80 Tage dauern wird.

Herr Schmid, Sie haben Ihren Job in einer Bank an den Nagel gehängt für diesen Weltrekordversuch. Was ist Ihre Motivation?

Carlo Schmid: Am 25. August 2010 starb meine Mutter an Krebs, sie war erst 45. Ich habe eine zwei Monate lange Auszeit genommen und mich gefragt: Was will ich machen in Zukunft? Die Idee mit dem Soloflug hatte ich schon als 16-Jähriger. Ich habe mich während der Pause entschlossen, diesen Traum zu realisieren. Und den Flug meiner Mutter zu widmen.

Worin liegt die Herausforderung Ihres Rekordfluges?

Eigentlich fehlt mir die Erfahrung für ein solches Abenteuer. Damit man sich in Indien, Singapur oder den USA zurechtfindet, braucht man viele Flugstunden. Linienpiloten fliegen normalerweise erst mit 27 Jahren Flughäfen auf anderen Kontinente an, vorher müssen sie in Europa Erfahrungen sammeln. Europa ist wie ein geschützter Zoo, meistens herrscht problemloses Wetter. Wo ich landen werde, ist der Dschungel: Es drohen Hagel, Sturm, Taifun. Ich habe jetzt noch 70 Flugstunden vor mir. In dieser Zeit muss ich den Erfahrungswert von 500 Flugstunden erreichen.

Wie wollen Sie so schnell lernen?

Momentan gleicht mein Alltag einem militärischen Drill. Ich mache Trainingsflüge, übe am Flugsimulator, trainiere. Wenn es hagelt, blitzt und donnert und sich kein Mensch mehr getraut zu fliegen, dann gehe ich in die Luft. Bei diesen Bedingungen kann ich enorm viel lernen. Mein Fluglehrer zählt zu den besten in Europa. Er ist 45 und hat schon 19 000 Flugstunden absolviert. Andere Piloten gehen mit 11 000 Luftstunden in Rente. Mein Lehrer fliegt sowohl Jumbos als auch Propellerflieger und weiss einfach alles.

Werden Sie den Flug geniessen können?

Ich hoffe es. Ich freue mich besonders, in Grönland über die Eisberge zu fliegen und in Ägypten über die Pyramiden. Amerika wird auch toll. Dort ist die Navigation nicht so anspruchsvoll, und man hört den Flugfunk gut. In Asien wird es mir schwerer fallen, mich zu verständigen.

Was für eine Maschine fliegen Sie?

Eine Cessna 210 Turbine.

Warum gerade eine Cessna?

Der Flieger ist perfekt für eine Weltumrundung. Er hat wenig bewegliche Teile, es kann also wenig kaputt gehen. Und die Cessna hat mächtig Power, 510 PS, andere Flieger haben 180 PS.

Haben Sie den Flieger im Griff?

Total.

Erwarten sie dennoch Schwierigkeiten?

Gefährlich wird es, wenn das Wetter verrückt spielt, wenn viel Seitenwind da ist oder ein Sturm aufkommt. Und ich möchte den Punkt Korruption ansprechen. Stellen sie sich vor, ich lande mit einem frischlackierten Flugzeug, 1,2 Millionen wert, in einem Land, wo Korruption an der Tagesordnung ist. Dann denken die Leute vielleicht: Da ist Geld vorhanden, den können wir ausnehmen. Und mehr verlangen für eine Bewilligung.

Wer würde dann helfen?

Mein Team besteht aus 15 Leuten.

15 Leute? Wie bezahlen Sie die alle?

Die meisten arbeiten ehrenamtlich, wobei wir einfach die Spesen zu decken versuchen. Die Motivation ist nicht Geld, sondern die Challenge. Das Projekt selber finanzieren wir durch Sponsorengelder sowie mit der «100-Stutz-Aktion». Privatleute können Geld beisteuern, ihr Name steht dann auf dem Flugzeug, so können sie symbolisch mit um die Welt fliegen. Und dann gibt es noch einen Song des Künstlers Fraui «Zämä um d Wält», der am 11. Mai 2012 erscheinen wird.

Was machen Ihre Mitarbeiter?

Finanzen, Marketing, Kommunikation, Homepage, Mentaltrainer - ich habe ein grosses Team.

Sie haben einen Mentaltrainer?

Ja, ich werde abschalten müssen zwischen den Flügen. Ich werde am Morgen und am Abend meditieren. Und ich eigne mir Atemtechniken an, die mich runterholen, wenn ich im Cockpit sitze und es brenzlig wird. Dazu schlage mir zum Beispiel auf die Brust und atme tief durch.

Hat das Flugzeug eigentlich einen Namen?

Wir haben noch keinen ausgewählt.

Warum benennen Sie es nicht einfach nach Ihrer Mutter?

Das ist eine Option, aber das ganze Team muss einverstanden sein. Jetzt möchte ich was ganz anderes sagen.

Bitte?

Viele glauben, mir ginge es in erster Linie um den Weltrekord. Genau so wichtig ist mir aber der Charity-Gedanke hinter dem ganzen Projekt. Ich fliege zugunsten von Unicef. Wir sammeln mit dem Flug Geld für diese Organisation. Ich mache Zwischenstopps in Ländern, wo sie tätig ist, zum Beispiel in Indien, wo ein Mädchenbildungsprojekt gemacht wird.

Sie sind von Kloten nach Bad Zurzach gezogen. Ziemlich speziell für einen Piloten.

Bad Zurzach gefällt mir gut, mit dem Thermalbad und der Ruhe. Und ich möchte gar nicht Linienpilot werden.

Pilot ist nicht Ihr Traumberuf?

Am Projekt Round the World 2012 begeistert mich so vieles, aber nicht nur das Fliegen. Das Projektmanagement fasziniert mich, und ich arbeite sehr gerne in so einem jungen Team.

Ist das nicht vergeudetes Talent, wenn Sie nicht Pilot werden?

Ich werde sicher hobbymässig weiterfliegen. Arbeiten würde ich später sehr gerne für eine Non-Profit-Organisation. Meine Devise aber ist: Tun, was mir Freude macht. Das wäre sicher im Sinn meiner Mutter.

Projekt: www.rtw2012.ch
Musik: www.fraui.ch
Sponsoring: www.100stutz.ch