Giroflex
Ein «Weihnachtsgeschenk» für die Gemeinde: Der Grossteil der Giroflex-Mitarbeiter bleibt in Koblenz

Diese Woche kam die frohe Botschaft: Rund 100 der 130 Giroflex-Mitarbeiter können aufatmen. Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Marketing bleiben in Koblenz. Gemeindeammann Andreas Wanzenried ist erleichtert, dass die neuen Besitzer am Standort festhalten wollen.

Andreas Fretz
Merken
Drucken
Teilen
Andreas Winzenried: «Ich hoffe, dass die Produktion auch in Koblenz bleibt.»

Andreas Winzenried: «Ich hoffe, dass die Produktion auch in Koblenz bleibt.»

zim/montage az

«Giroflex ist ein Teil der Koblenzer Identität», sagte Gemeindeammann Andreas Wanzenried im Sommer. Damals wurde bekannt, dass der Zurzibieter BürostuhlPionier an den norwegischen Möbel-Riesen Flokk verkauft worden war. Politiker, Gemeindeverband und Gemeinderat äusserten in der Folge ihre Sorge um den Giroflex-Standort in Koblenz. Das Grenzdorf fürchtete um den Erhalt der 130 Arbeitsplätze im Hauptsitz und weiterer 50 Stellen bei der Tochter- und Zulieferfirma Espisa.

Giroflex solle als eigenständige Marke weiterexistieren, wurde damals versichert, aber eine Garantie für ein Festhalten am Produktionsstandort gab es nicht. Bis Ende Jahr wollte der norwegische Möbelkonzern entscheiden, wie es weitergeht.

Frohe Botschaft

Diese Woche nun die frohe Botschaft: Rund 100 der 130 Giroflex-Mitarbeiter können aufatmen. Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Marketing bleiben in Koblenz. Was mit der Produktion geschieht, soll nach einer weiteren Analyse in drei Monaten entschieden werden (AZ vom 28. 12.).

Das ist der Standort von Bürostuhl-Hersteller Giroflex Hier in Koblenz, wenige hundert Meter vom Grenzübergang zu Waldshut (D), befindet sich der Hauptsitz und Produktionsstandort von Giroflex. Im Jahr 1972 eröffnete hier Albert Stoll eine Fabrik, die im Laufe der Jahre zu einem Traditionsbetrieb wurde. 
9 Bilder
Hier befindet sich der Eingang. 200 Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen zurzeit (Juli 2017), 130 an diesem Hauptstandort, 50 weitere bei der Tochter Espisa, die sich auch in Koblenz befindet.
Im Juli 2017 hat der norwegische Möbelkonzern Flokk das Koblenzer Traditionsunternehmen übernommen.
Giroflex in Koblenz
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Die Warenannahme von Giroflex.
Werbeplakat von Giroflex neben dem Produktionsort und Hauptsitz an der Kantonsstrasse, die viel befahren wird und die zum Grenzübergang Koblenz-Waldshut führt.
Wenige hundert Meter vom Giroflex-Standort entfernt befindet sich die Grenze zu Deutschland (Waldshut-Tiengen). Ein Drittel der Belegschaft wohnt im deutschen Raum.

Das ist der Standort von Bürostuhl-Hersteller Giroflex Hier in Koblenz, wenige hundert Meter vom Grenzübergang zu Waldshut (D), befindet sich der Hauptsitz und Produktionsstandort von Giroflex. Im Jahr 1972 eröffnete hier Albert Stoll eine Fabrik, die im Laufe der Jahre zu einem Traditionsbetrieb wurde. 

Philipp Zimmermann

«Das ist eine gute Nachricht für die Gemeinde, fast wie ein Weihnachtsgeschenk», sagt Ammann Andreas Wanzenried. In den letzten Wochen hätten sich die Anzeichen verdichtet, dass Flokk an Koblenz festhalte. «Diese Meldung war nun die Bestätigung der Gerüchte», so Wanzenried. Im Hintergrund hätten verschiedene Gespräche stattgefunden, auf die er nicht näher eingehen will. Direkten Kontakt zu Giroflex oder Flokk habe der Gemeinderat nicht gehabt. «Aber indirekt haben wir klarmachen können, wie wichtig es für Koblenz ist, dass die Firma hierbleibt.»

Zurzibiet als guter Standort

«Auf unsere Steuereinnahmen hatte Giroflex in den letzten Jahren keinen grossen Einfluss», sagt der Ammann. 2016 konnte die Firma erstmals seit 2008 wieder einen Gewinn ausweisen. Aber für die Arbeitsplätze, Restaurants und Geschäfte in der Region sei der Entscheid erfreulich. «Die indirekten Steuereinnahmen sind in diesem Fall für die Gemeinde fast wichtiger», sagt Wanzenried.

Auch der Gemeindeverband Zurzibiet Regio hatte sich im Sommer in die Diskussion eingeschaltet und seine Vermittler-Dienste angeboten. «Wir schauen nicht tatenlos zu: Uns ist es wichtig, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben», sagte Geschäftsführer Bruno Hofer damals. Heute begrüsst er in einer Stellungnahme die aktuelle Entwicklung: «Wir sind erfreut zu vernehmen, dass rund 100 Arbeitsplätze gehalten werden können. Dies zeigt, dass das Zurzibiet gute Standortfaktoren aufweist. Zu wünschen bleibt, dass auch noch die Produktion in der Region bleiben kann.» Der Gemeindeverband werde weiterhin aufmerksam beobachten, was geschieht.

Wanzenried blickt ebenfalls mit Interesse auf die nächsten drei Monate: «Auch ich hoffe, dass die Produktion in Koblenz bleibt, und möchte direkten Kontakt zu den Verantwortlichen aufnehmen.» Und Zurzibiet Regio vermeldet: «Wir stehen für Gespräche und Vermittlerdienste bereit.»