Wislikofen
Ein vorgezogenes musikalisches Weihnachtsgeschenk

Das Hochrheinische Kammerorchester und Oboen-Solist Kurt Meier begeistern

Alfred Lins
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Aargauer Zeitung

Einmal mehr einen beeindruckenden Nachweis seines prächtigen Leistungsvermögens erbrachte das Hochrheinische Kammerorchester unter der Leitung von Daniel Polentarutti bei seinem Konzert am Samstagabend in der Propsteikirche in Wislikofen. «Adventskonzert» lautete der Titel der Veranstaltung, «vorgezogenes Weihnachtsgeschenk» wäre genauso angebracht gewesen. Nicht von ungefähr gab es am Ende einen lebhaften, langanhaltenden Beifall der rund 100 Besucher. Diesen verdienten sich die Interpreten auch am Sonntagabend bei der zweiten Aufführung in der katholischen Pfarrkirche in Klingnau.

Drei Concerti grossi

Das mit Bedacht auf die Adventszeit ausgerichtete Programm beinhaltete gleich drei Concerti grossi. Die Besonderheit dieser im 17. Jahrhundert in Italien entstandenen Konzertform besteht in einem Wechselspiel zwischen einer kleinen, solistisch auftretenden Gruppe («Concertino») und dem gesamten Orchester. Zur Reife gelangte sie unter dem italienischen Komponisten Arcangelo Corelli (1653-1713). Er schrieb, vermutlich in seiner letzten Schaffensphase zwischen 1709 und seinem Lebensende, zwölf Concerti grossi, deren Aufführungen sich vor allem in England grosser Beliebtheit erfreuten und sogar jenen der Concerti grossi Händels vorgezogen wurden. Gewidmet hat Corelli diese Konzerte dem Kurfürsten und Kunstförderer Johann Wilhelm von der Pfalz.

Feinfühlige Interpretation

In Wislikofen kamen die Concerti grossi Nummer fünf und acht von Corelli zu Gehör. Letzteres ging unter dem Namen «Weihnachtskonzert» in die Musikliteratur ein. Die gleiche Bezeichnung trägt auch das Concerto grosso Nummer zwölf von Francesco Manfredini (1684-1762), das ebenfalls zur Aufführung gelangte. Die Wiedergabe durch die 20 Musikerinnen und Musiker bestach durch eine ausgewogene, ausgesprochen feinfühlige Interpretation. Von ihrer besten Seite zeigten sich Nadja Riedl, Rebekka Neukom (beide Violine) und Neshat Charaf (Cello), die sich der solistischen Concertino-Passagen mit Bravour entledigten. Gleiches galt für Lily Scheck, der die Begleitung auf dem Cembalo oblag.

Oboen-Soli als Glanzpunkt

Ohne die vorzüglichen Leistungen der Orchestermitglieder schmälern zu wollen: Die Glanzpunkte des Abends setzte der Oboen-Solist Kurt Meier. In Klingnau als ältester Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Orchestergründers Alfons Meier aufgewachsen, ist er als Professor für Oboe an der Musikhochschule in Luzern tätig. Seine Vita ist bemerkenswert, absolvierte er doch - ehe er sich für die Musik entschied - ein Studium in Experimentalphysik und schloss dieses mit dem Diplom ab. «Zum Glück ist er nicht Physiker geworden», meinte ein Konzertbesucher.

«Perfekt und virtuos» sind gerade noch angemessene Beschreibungen dessen, was Meier in den beiden Konzerten für Oboe und Streichorchester von Alessandro Marcello (1669-1747) und Domenico Cimarosa (1749-1801) solistisch auf der Oboe präsentierte. Wohl selten haben die begeisterten Zuhörer eine solch eindrucksvolle Demonstration auf diesem Instrument erlebt. Als gerne angenommenes Geschenk empfanden sie daher die Tatsache, dass Kurt Meier bei der Zugabe erneut vor die Zuhörer trat. Mit dem «Abendlied» von Robert Schumann ging ein stimmungsvolles Konzert angemessen zu Ende. Wohl selten haben die Zuhörer eine solch eindrucksvolle Demonstration auf der Oboe erlebt.