Leuggern
Ein Reglement hält Trauernde auf Abstand zum Grab

Ein Mensch stirbt – für Angehörige und Freunde ein schmerzlicher Verlust. Ist der Tag der Beerdigung da, wollen Vertraute dem Verstorbenen ganz nahe sein – am Grab, wo der letzte Gruss erfolgt. In Leuggern ist dies nicht immer möglich.

Elisabeth Feller
Drucken
Teilen
Das Spritzen von Weihwasser erfolgt nicht am Grab, sondern vom Kiesweg aus. Angelo Zambelli

Das Spritzen von Weihwasser erfolgt nicht am Grab, sondern vom Kiesweg aus. Angelo Zambelli

Handelt es sich nicht um ein Urnenreihen-, sondern um ein Gemeinschaftsgrab muss Abstand gewahrt werden, wie das Beispiel Leuggern zeigt.

Dort hält das Reglement nämlich fest: Das Gemeinschaftsgrab darf bei einer Abdankung lediglich von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin sowie einer Person des Bauamtes betreten werden. Letztere senkt die Urne ins Grab.

Das bei Katholiken übliche Spritzen von Weihwasser erfolgt indessen nicht am Grab, sondern vom rund mehrere Meter entfernten Kiesweg aus, wo Pfarrer, Angehörige und Freunde stehen. Diese Distanz beschäftigte an der letzten Kirchgemeindeversammlung einen Besucher so sehr, dass er fragte: «Lässt sich der Abschied beim Gemeinschaftsgrab nicht anders gestalten?»

Emotionaler Abschied

Mit «anders» meinte der Fragesteller eine Abdankung, an der alle Anwesenden im Beisein des Pfarrers sich direkt am Grab verabschieden können. Die Frage bewog den katholischen Pfarrer Stefan Essig, beim Gemeinderat Leuggern vorstellig zu werden.

Essig weiss, wie emotional das endgültige Adieu ist; er weiss aus langjähriger Berufserfahrung, wie verletzlich die Hinterbliebenen sind, und er erkennt ihren Wunsch nach Nähe zum Verstorbenen.

Urs Zeder, der für das Bestattungswesen zuständige Gemeinderat, bringt diesem Wunsch und dem damit verbundenen Betreten der Wiese Verständnis entgegen, aber: «Die Wiese ist eine Grabstätte. Hier sind Urnen versenkt; hier sollen die Beigesetzten in ihrer Grabesruhe nicht gestört werden.»

«Wir können darüber reden»

Zeder verweist auf eine Sitzung des Gemeinderates im Januar. Damals habe man Pfarrer Essigs Begehren nicht zuletzt auch deswegen abgelehnt, «weil der Rasen geschützt werden soll. Sollte sich aber erweisen, dass ein Grossteil der Bevölkerung eine andere Regelung als die bisherige wünscht, können wir darüber reden; der Gemeinderat hat damit sicher kein Problem», betont Zeder.

Diskutiert wird schon heute Abend – an der Pfarreirats-Sitzung. Pfarrer Essig ist darauf sehr gespannt. «Spüre ich, dass der Wunsch nach der Anwesenheit am Grab gross ist, werde ich ihn mit meinen reformierten Kolleginnen und Kollegen besprechen und erneut an den Gemeinderat gelangen.»