Lengnau
Ein poppiges Loblied aufs Zurzibiet

Mit einem Song und einer CD rüstet sich die Gemeinde Lengnau für ein grosses Musik-, Dorf- und Jugendfest.

Rosmarie Mehlin
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Die Ü50-Örgeler hatten sichtlich Spass bei den Aufnahmen für die neue CD.

Die Ü50-Örgeler hatten sichtlich Spass bei den Aufnahmen für die neue CD.

Rosmarie Mehlin

«Vell Wasser, en Strom esch das, wo dor eusi Heimat ziet. Rebberge rond om, ghöret zom Bild vom Zurzibiet.»

So fängt der «Zurzibieter Song» an. Wie bitte, «Zurzibieter Song»? Nie davon gehört! Ein paar Wochen Geduld noch – am 6. Juni wird sich das gründlich ändern. Im Rahmen der Aargauer Musiktage in Lengnau werden zwei ganz besondere Highlights den Galaabend krönen: Die Uraufführung des «Zurzibieter Songs» und eine CD Taufe. «Die Region verfügt über viele musikalische Formationen. Mit dieser CD haben wir ein Zeitdokument der musikalischen Vielfältigkeit des Zurzibiets geschaffen», so der stolze Musiktag-OK-Präsident Kurt Schmid.

Im Juni letzten Jahres hatte eine sechsköpfige CD-Projektgruppe mit einer Umfrage unter den verschiedensten Musikschaffenden begonnen. Mitgemacht haben nun 18 Formationen. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Vom Opernsänger und «Sonne»-Wirt Michael Hauenstein aus Leuggern bis zur Guggenmusik Seifesüder Leibstadt, vom Jugendspiel Surbtal bis zu den Ü50-Örgelern, von verschiedenen Brass Bands bis zum Jodelclub haben kleine Gruppen und grosse Formationen auf dem Tonträger verewigt, was es, besonders auch stilistisch, mit «Music made in Zurzibiet» alles auf sich hat... bis hin zum Bezirks-Song.

«Stausee met Vögel drin, macht för d’ Natur scho Sinn. Schön warmi Quelle ha, tuet guet em Körper a. D’ Chraft os Wasser, os Atom, das bringt en Huffe Strom, All das fendsch’s be eus.»

Den Text hat Peter Fischer verfasst, ein Ur-Zurzibieter, den es beruflich vor geraumer Zeit ins Baselbiet verschlagen hat. Als Mitglied des inzwischen aufgelösten «Francy-Pancy’s»-Chores hatte er fürs letzte Konzert die Texte für den Moderator geschrieben, «alles in Versform. Sam, der uns mit seiner Band begleitete, hat sich offenbar gedacht, wenn einer das kann, kann er auch einen Songtext schreiben», so Fischer.

«Überall wo’s Bier gibt»

Sam – das ist Samuel Huwyler. Der Endinger mit E-Bass-Konzertdiplom der Jazzschule Luzern und einem «Master of Arts in Music, Performance» hat die Musik zum «Zurzibieter Song» geschrieben. «Die Initianten hatten mir freie Hand gelassen. Ich habe schon viel komponiert, aber noch nie für eine Brass Band. Immerhin habe ich die Nostalgic Brass bereits gekannt.»

Markus Strittmatter von den «Nostalgics» bezeichnet die Band als «bunt gemischter Haufen Gleichgesinnter, die überall zu hören ist, wo’s Bier gibt.» Die Formation ist auf der CD nicht nur mit dem «Zurzibieter Song» als Begleitung des Jugendchors Surbtal und der Solistin Tanja Schmid zu hören, sondern auch mit einem Stück, das sie extra von einem englischen Komponisten hat schreiben lassen: Der 34-jährige Simon Dobson war 2012 und 2014 «British Composer of the Year» in der Kategorie Brass Band/Blasorchester. «Wir hatten einen gesucht, der vom musikalischen Lebensstil und Aussehen so verrückt ist wie wir», sagt Strittmatter.

«Ganz a de Gränze sii – jo mängisch freut’s e chli, ganz a der Gränze sii – doch mängisch stört’s e chli»; ganz a dr Gränze sii – das mag ned eifach sii. Doch es esch e Chance!»

Nach einem genauen Plan haben die 18 Formationen an zwei Wochenenden zwischen 8 Uhr und 20 Uhr zu den CD-Aufnahmen entweder in der Lengnauer Kirche oder einem Raum in der Rietwiese bereit sein müssen. Als Projektleiter hat Yves Jordi die Abläufe koordiniert. Der 42-jährige Endinger hat diesbezüglich viel Erfahrung. Als gelernter Elektroniker mit Tontechniker-Diplom ist er seit vielen Jahren hauptberuflich als Projektleiter und Format-Entwickler beim internationalen Fernsehproduzenten Endemol tätig.

Für die Aufnahmetechnik, das Mischen und die Nachbearbeitung bis zum CD-Unikat war der Kleindöttinger Tontechniker Roli Bucher verantwortlich: «Aufnahmen von grossen Formationen sind nicht unbedingt technisch schwieriger, aber aufwendiger, weil es mehr Mikros braucht. Andererseits ist es mitunter schwieriger, kleinere Formationen zum Klingen zu bringen.» Knapp 15 Mikros installierte er im Kirchenraum beispielsweise für die Aufnahmen der Nostalgic Brass. In seinem Tonstudio mischte Bucher sie später mit den Aufnahmen von Chor und Solistin, also auch mit dem Refrain des «Zurzibieter Songs»:

«Säg was wotsch no meh? Alls was bruchsch fendsch du do i eusem Zurzibiet. Do besch jederziit willkomme.»

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