Unternehmenspreis
«Ein Patron im besten Sinn»: Der Inhaber des Gartencenters hat grosse Pläne für die Zukunft

Das Gartencenter Lengnau gewinnt den Aargauer Unternehmerpreis. Was Inhaber Paul Hediger mit der Siegprämie plant und wieso er nur noch fünf Tage die Woche arbeiten möchte.

Daniel Weissenbrunner
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Paul Hediger vom Gartencenter Lengnau gewinnt den Unternehmenspreis 2018
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Die Pläne für den nächsten Ausbauschritt sind bereits eingeleitet.
Die Gruppenbild der Unternehmenspreis-Gewinner 2018 Von links: Dr. Pascal Koradi (Direktionspräsident Aargauische Kantonalbank), Marcel Bieri (Jura-Cement), Patrick Meyer (Carbomill AG), Paul Hediger (Gartencenter Lengnau AG), Kurt Schmid (Präsident Aargauischer Gewerbeverband).
Kurt Schmid (Präsident Aargauischer Gewerbeverband) übergibt den Preis in der Kategorie «Handels- und Dienstleistungsunternehmen» an Paul Hediger.
Walter Hasler (Walter Hasler AG) gratuliert Paul Hediger zum Sieg in der Kategorie «Handels- und Dienstleistungsunternehmen».
Der Gewinner im Gespräch.
Paul Hediger mit dem Preis.

Paul Hediger vom Gartencenter Lengnau gewinnt den Unternehmenspreis 2018

Alex Spichale

«Hediger, Moment bitte». Er steckt sein Smartphone in die Tasche und verschwindet im Gewächshaus. Kurz darauf kehrt er zurück. «Entschuldigen Sie, ein Kunde.» Wir erleben Paul Hediger in seinem Element. Pausenlos in Bewegung, ständig zwei Dinge gleichzeitig erledigend, den Kopf aber stets bei der Sache, dabei immer zuvorkommend und trotz seinen mittlerweile 55 Jahren huscht ihm ein spitzbübisches Lachen über die Lippen.

Vor einer Woche blieb selbst Hediger das Lachen im Halse stecken. In Wettingen wurde seine Firma an der Verleihung des diesjährigen Aargauer Unternehmerpreises in der Kategorie Dienstleistung und Handel als Sieger ausgerufen. Er glaubte, falsch zu hören. «Ich konnte es nicht glauben», erinnert sich Hediger. Für ihn sei bereits die Nomination unter die drei Besten das Höchste der Gefühle gewesen, sagt er in der bescheidenen Art, die ihm nachgesagt wird. «Paul ist einer, der sich nie in den Mittelpunkt stellt, durch und durch Unternehmer ist und ein Patron im besten Sinn», beschreibt ihn der oberste Wirtschafter aus dem Bezirk, Markus Birchmeier, Präsident des Wirtschaftsforums Zurzibiet. «Und einer mit einer ausgesprochenen Verbundenheit zur Region.»

Die Jury würdigte Hedigers Gartencenter als das grüne Zentrum im Surbtal. Eine Oase, die der starken Konkurrenz der Grossmärkte mit innovativen Ideen die Stirn bietet. Neben dem Verkauf von Pflanzen, Gartengeräten, Geschenkartikeln oder Dekorationen überzeugte das Unternehmen die Jury mit einem ganzheitlichen Dienstleistungsangebot – vom Terrassenbepflanzungsservice über den Feriendienst bis hin zu EventDekorationen. Das engagierte Team des Familienbetriebs überrasche immer wieder mit speziellen Anlässen, hiess es in der Laudatio weiter. Hediger gibt das Lob an seine Angestellten weiter. «Ohne motivierte Mitarbeiter würden die besten Konzepte nichts bringen.»

Grosse Zukunftspläne

Seit knapp einem Vierteljahrhundert befindet sich das Geschäft an der Surbtalerstrasse im Besitz von Paul Hediger. Er übernahm das Center von seinem Mentor Ernst Bucher. Beim Gründungsmitglied des Gewerbevereins Surbtal machte Hediger bereits die Lehre zum Ziehpflanzengärtner. «Von ihm habe ich gelernt, was es heisst, ein Unternehmen zu führen.» Damals arbeiteten rund ein halbes Dutzend Leute im Betrieb, heute beschäftigt Hediger, der in Rekingen aufwuchs, 35 Mitarbeiter – verteilt auf das Gartencenter, den Bereich Gartenbau sowie die Dorfgärtnerei in Leibstadt.

Damit will es Hediger nicht bewenden lassen. Die Pläne für den nächsten Ausbauschritt sind bereits eingeleitet. In Leibstadt hat er ein Baugesuch für ein Gewächshaus eingereicht. Sollte es bewilligt werden, würde die Produktion dorthin verlagert werden und neuen Platz in Lengnau schaffen. Auf 1000 Quadratmetern sollen neue Verkaufsflächen entstehen. Die Expansion sieht zudem einen Bau von 28 Wohnungen vor. «Wir haben jedes Jahr investiert, immer mit der entsprechenden eingebauten Sicherheit», sagt Paul Hediger, der seit fünf Jahre auch Präsident des Gewerbevereins Surbtal ist. Das Projekt soll die Zukunft des Unternehmens langfristig sichern.

Ziel: Nur noch 100 Prozent arbeiten

Wer dereinst Hedigers Nachfolge antreten wird, ist noch völlig offen. Seine beiden Kinder absolvieren ihre Ausbildungen in anderen Branchen. Sohn Tobias (17) macht eine Lehre als Hochbauzeichner, Tochter Bianca (18) als Serviceangestellte in einem Restaurant in Ehrendingen. Paul Hediger und seine Ehefrau Iris setzen die beiden nicht unter Druck. «Sie sollen in dem was sie machen glücklich werden.» Klarheit will Hediger allerdings schaffen, was seine eigene Präsenz betrifft. Er arbeitet sechs bis sieben Tage die Woche und spürt mit zunehmenden Alter auch Verschleisserscheinungen. «Mein Ziel ist es, das Pensum irgendwann auf 100 Prozent zu reduzieren.»

Unmittelbar wird Hediger seinen Rhythmus beibehalten müssen. März bis Mai ist die intensivste Zeit in der Gärtnerei. In diesen Monaten wird die Hälfte des Jahresumsatzes erwirtschaftet. «Erst danach gibt es etwas Luft, um durchzuatmen.» Dann wird er sich auch Gedanken machen, wie er die 10'000 Franken Preisgeld für den Aargauer Unternehmerpreis verwenden will. Hediger weiss nur so viel: Er wird es zu hundert Prozent als Wertschätzung für seine Angestellten einsetzen. Sein Smartphone klingelt: «Hediger».

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