Bad Zurzach
Ein Opfer der Künstlerin für die Tsunami-Opfer

Erst zum zweiten Mal hat Galerist Alois Hauser die Türen zum Garten des Mauritiushofs geöffnet, diesmal zu Ehren von Akiko Sato.Die Künstlerin liess eines ihrerLieblingswerke versteigern.

Tirza Gautschi
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Akiko Sato mit ihrem versteigerten Werk «Verhüllte Erinnerung». TGA

Akiko Sato mit ihrem versteigerten Werk «Verhüllte Erinnerung». TGA

Das Innere nach aussen holen, Stein zu fliessendem Stoff formen, die Zeit in Marmor wiedergeben: Es war eine neue Dimension, die man am Sams-tag im Mauritiushof in Bad Zurzach betrat – fernab von allem Möglichen. «Steine in ihrer destillierten Form», so beschreibt die japanische Künstlerin Akiko Sato ihre Arbeiten. Warme Eleganz strahlt jedes ihrer Werke aus, und dort, wo die Materie normalerweise Grenzen setzt, überwindet Sato diese, indem sie das Gestein schleift und Marmor fliessen lässt.

«Ich möchte meine Skulpturen die Schwerkraft überwinden lassen und sie in einen Zustand des Schwebens versetzen», formuliert Sato ihr Ziel. Mächtige Themen wie die Zeit und die Grundelemente inspirierten die Japanerin zu ihren Arbeiten. Unzählige Hände über die Steinwerke der Künstlerin, welche das Anfassen ihrer Arbeiten nicht nur toleriert, sondern wünscht. Kaum jemand wollte dieser Aufforderung widerstehen, die kühlen Rundungen mit allen Sinnen zu ertasten und sich an diesem Inbegriff der Ästhetik zu erfreuen. Die Werke, meist aus Marmor oder Onyx pulsierten voller Leben und Kraft – und doch schienen sie in ihrer Transparenz flüchtig.

Solidarität mit Tsunami-Opfern

«Man kann Geld nicht falsch ausgeben.» Mit diesen Worten erinnerte Roy Oppenheim die Gäste daran, dass die Vernissage am Wochenende in der Gunst der Tsunamiopfer stand. «Wir möchten ein kleines Zeichen der Anteilnahme und der Solidarität setzen. Ein Zeichen der Solidarität mit Akiko Sato und ihrer schwer geprüften Heimat», sagte Oppenheim. Der Publizist eröffnete die Ausstellung und leitete die anschliessende Auktion, in der neben vier Bildern ein Stück aus den Werken von Sato versteigert wurde. Unter dem Namen «Verhüllte Erinnerung» präsentierte sich eine Pyramide unter einem Mantel, die sich nach den Wünschen und Gefühlen des Betrachters zu formen schien. 5500 Franken brachte die Skulptur ein. Dieser Betrag wird ohne Abzüge dem Ort Natori-City gespendet.

Wiederaufbau kostet Zeit und Geld

«Ich musste ein Opfer bringen», so die schlichten Worte Satos zur Versteigerung der Skulptur. Mit diesem Werk hat die Künstlerin eine ihrer liebsten Arbeiten zum Verkauf angeboten. «Ich bin in der Nähe dieser Stadt aufgewachsen. Meine Cousine lebt jetzt noch dort und sieht die Katastrophe, die der Tsunami angerichtet hat, jeden Tag. Der Wiederaufbau kostet viel Geld und Zeit. Wir müssen irgendwie helfen und diese Auktion ist ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein.» Deshalb war es in Satos Augen auch wichtig, etwas herzugeben, was ihr persönlich wertvoll ist. «Es muss mich ein wenig schmerzen.»

Als Besucher verlässt man die Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach mit dem Eindruck, einnehmender Kunst und einer nicht minder beeindruckenden Frau begegnet zu sein. Zurück bleiben verhüllte Erinnerungen und Steinstaub an den Fingern.

Die Ausstellung dauert bis 16. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag
14 bis 17 Uhr; Sonntag 10 bis 12 sowie
14 bis 17 Uhr. Die Künstlerin führt
am Samstag, 25. September, um 11 Uhr durch die Ausstellung.

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