Klingnau/Bad Zurzach
Ein Oboist des Zürcher Kammerorchesters kehrt zu seinen Wurzeln zurück

«Sinfonia» statt Korintherbrief, «Concerto a quattro» in D-Dur statt Markusevangelium: Wo sonst Pfarrer ihre Predigten halten, spielt am Wochenende das Hochrheinische Kammerorchester. Mit dabei ist Kurt Meier, dessen Vater es vor Jahren zum Leben erweckte.

Nadja Rohner
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Kurt Meier ist an den Konzerten als Solist dabei.

Kurt Meier ist an den Konzerten als Solist dabei.

ZVG

Als Solist mit dabei ist dieses Mal der Oboist Kurt Meier. Den Klingnauern dürfte die Musikerdynastie Meier noch gut in Erinnerung sein: Vater Alfons Meier gründete vor fast 50 Jahren das Kammerorchester und dirigierte es bis 2000.

Alle fünf Meier-Kinder spielten damals im Orchester mit. Kurt Meier, der älteste Sohn, machte seine ersten musikalischen Versuche mit der Blockflöte, daheim in der elterlichen Stube. «Mit 11 Jahren erhielt ich erstmals Oboen-Unterricht», erzählt er.

Heute ist Meier Solo-Oboist des Zürcher Kammerorchesters, hat zahlreiche CD- und Radioaufnahmen eingespielt und tourte schon durch die halbe Welt. Dabei wollte er anfangs gar nicht ganz auf die Musik setzen – Meier schloss ein Studium in Experimentalphysik an der Universität Zürich ab.

In Klingnau zu spielen ist für Meier, der heute in Ammerswil wohnt, «so etwas wie Heimkommen, eine Rückkehr zu den Wurzeln».

Als er vor fünf Jahren das letzte Mal mit dem Hochrheinischen Kammerorchester spielte, sei die Kirche Klingnau «fast aus allen Nähten geplatzt» – nicht nur mit Fans klassischer Musik, sondern auch mit alten Bekannten, die Meier spielen hören wollten.

Auch für die diesjährigen Konzerte wünscht sich Meier ein volles Haus. Aber wie lockt man Publikum an, das noch nie an einem Orchesterkonzert war? «Mir ist klar, dass die klassische Musik ein Nischenprodukt ist», sagt er.

«Ich wünsche mir trotzdem, dass auch junge Leute kommen – und solche, die sonst keinen Bezug zur klassischen Musik haben.» Dieser Musikstil werde zu Unrecht als «elitär» und «unverständlich» abgestempelt, findet Meier. Deshalb herrsche bei klassischen Konzerten eine gewisse Schwellenangst.

Dabei wäre diese völlig bei einem so populären Programm völlig unnötig: «Mozart braucht man nicht zu erklären: Wer sich dem Zuhören hingibt, versteht die Musik ganz leicht.»

Konzerte: Samstag, 24. Mai, 20 Uhr, kath. Kirche Klingnau; Sonntag, 25. Mai, 19.15 Uhr, ref. Kirche Bad Zurzach