Bad Zurzach
Ein neues Team betreut Sozialhilfebezüger in Bad Zurzach

Zehn Gemeinden haben sich zu einem regionalen Sozialdienst zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss, so heisst es, bringe grosse Vorteile: Jetzt sei die Gleichbehandlung in der Region gewährleistet.

Pirmin Kramer
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Das neue Team: Ruth Keller (links), Carola Binder, Roger Schneider, Hund Csini

Das neue Team: Ruth Keller (links), Carola Binder, Roger Schneider, Hund Csini

Chris Iseli

Wer erhält Sozialhilfe? Diese Frage hat im Gebiet Rheintal-Studenland bis vor kurzem jede Gemeinde alleine entschieden. Seit dem 1. Juli kümmert sich nun ein neu geschaffenes Team um alle Sozialfälle in der Region. Gemäss Vertrag, den zehn Gemeinden unterschrieben haben, soll der Zusammenschluss «einheitliche und straffe Richtlinien im Bereich Sozialdienst» ermöglichen, Ziel ist eine «Kostensenkung pro Fall».

Damit vor lauter Vorschriften die Menschlichkeit nicht verloren geht, betreue ein Team mit guter Menschenkenntnis die Sozialhilfebezüger, sagt Leiterin Ruth Keller. Dazu gehören Roger Schneider und Carola Binder, die zuvor bei einem RAV im Kanton Zürich Glarus gearbeitet hat. «Sie bringt viel Erfahrung in der Integration von Arbeitslosen mit», so Keller. Zum Team gehört auch Hündin Csini (5), die ruhig auf dem Büroboden sitzt. «Sie verbreitet gute Laune, das freut uns und auch viele unserer Besucher.»

Gleichbehandlung gewährleistet

Der Zusammenschluss der Gemeinden zu den zentralen «Sozialen Diensten Bad Zurzach» bringe grosse Vorteile, sagt Ruth Keller. Jetzt sei die Gleichbehandlung in der Region gewährleistet. «Es ist wichtig, dass Sozialhilfeempfänger in Böbikon genauso behandelt werden wie in Bad Zurzach, und dass die ausbezahlte Summe nach denselben Regeln berechnet wird.»

84 Sozialhilfeempfänger leben in Bad Zurzach, 50 weitere in den neun anderen Vertragsgemeinden. Eine grosse Zahl, wie Keller sagt. Das Problem sei, dass die Fälle immer komplizierter würden – die Kombination Patchworkfamilie, psychische Probleme und Arbeitslosigkeit sei immer häufiger anzutreffen. Es genüge nicht, einfach Geld auszubezahlen. «Es braucht ein grosses Know-how für diesen Job. Die Komplexität erfordert eine professionelle Betreuung, man kann das nicht mehr nebenbei machen.» Früher hätten sich die Gemeindeschreiber um die Sozialfälle gekümmert, was eine grosse Mehrbelastung gewesen sei.

Eher selten seien hier im Vergleich zu städtischen Gegenden jugendliche Sozialhilfebezüger, recht gross hingegen sei die Zahl der älteren Bezüger, die im Alters- und Pflegeheim lebten. «Viele konnten finanziell nicht für die Zeit im Alter vorsorgen und haben nicht in die dritte Säule einbezahlt.»

Keller lässt sich nicht so schnell aus der Fassung bringen. «Es gibt aber Fälle, die gehen mir nah und beschäftigen mich.» Immer mehr Menschen ab 55 Jahren müssten Sozialhilfe beziehen, weil sie in der Arbeitswelt keinen Platz mehr fänden. «Nischenplätze für Menschen ohne Ausbildung gibt es keine mehr, das nagt an ihrer Psyche und beschäftigt auch mich als Betreuerin.»

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