Unterendingen
Ein Liebes-Aus gab dem Dorf seinen Namen

Das «Episoden-Karussell», gespielt von der Freilichtbühne Surbtal, bildet einen Mittelpunkt des diesjährigen Sommerfestes in Unterendingen. 25 Mitwirkende, ein origineller Einfall und zwei talentierte Musiker begeistern die Zuschauer.

Rosmarie Mehlin
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Theatralik: Die Mitwirkenden verkörpern ihre Rollen mit Temperament.

Theatralik: Die Mitwirkenden verkörpern ihre Rollen mit Temperament.

Eine Discokugel wirft seit Donnerstagabend kleine Blitze hinunter auf die Surbtalstrasse und lässt keine Zweifel offen, dass in Unterendingen das Sommerfest gefeiert wird. Die Kugel dreht sich zuoberst auf einem riesigen, runden Militärzelt, lockt hinein in die Disko (mit K) Partizani.

Drinnen schenken die Mitglieder der Sündenmeile Endingen sündig verführerisches Gesöff wie «Graswässerli» aus, zu dem ein Gummifröschli serviert wird. Wird ein «Set», bestehend aus Bier und Schnaps bestellt, gibt’s obendrein einen Hut, der den Träger oder die Trägerin fortan – logo – als nicht mehr 0,0-Promille-rein kennzeichnet.

Neben der «Traube» und der «Sonne» laden insgesamt neun ad hoc Beizli zum geselligen Verweilen, Trinken und Essen. Im Zelt von Fish and CH!CKs beispielsweise bietet ein erweiterter Müller’scher Familienclan unter anderem Fischknusperli mit Country Fries an.

Im hübsch dekorierten «Grillgade» der Männerriege werden, der Name sagt’s, Grilladen aufgetischt, im «Notenstübli» vom Männerchor kann man Raclette geniessen und im «Kafi Melange» vom Frauenturnverein lässt einem allein schon der Anblick der Kuchenvitrine das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Auf alten Bürostühlen

Von dort fällt der Blick aber auch auf den Spielplatz der Freilichtbühne Surbtal, seitlich unterhalb der Kirche. Als Bühnenbild bilden drei riesige Fernsehapparate einen Kreis, in dessen Zentrum das Publikum auf alten Bürostühlen Platz nimmt.

Diese verhindern ebenso schmerzliche Nackenstarre bei den Zuschauern wie störendes Sesselrücken während der Vorstellung. Denn wie der Titel des Stücks – «Episoden-Karussell» – schon sagt, werden die Szenen Kreis um gespielt, und zwar abwechselnd auf «Tele M1», «SRF1» und «RTL» . Dieser Einfall von Autor und Regisseur Gallus Ottiger ist nicht nur sehr originell, er macht dem Publikum auch sichtlich grossen Spass.

Die Episoden schildern die Geschichte von Endingen, wie sie war oder auch nur, wie sie hätte sein können. So etwa, dass anno 45 v. Chr. das Ende der Beziehung zwischen Cäsar und Kleopatra zur Geburtsstunde der Ortsbezeichnung «Endingen» geworden sei. Oder dass der Pfarrer Schüepp 1939 in der Metzgerei Wettstein zwischen Kutteln und Wursträdli von Ende des Surbtalbahn-Projekts erfahren habe ... Se non è vero, è ben trovato – wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden!

34 köstliche Figuren

Vor allem in den vier Episoden aus früheren Zeiten hat Ottiger seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Das macht denn auch diese Szenen besonders erfrischend und vergnüglich, während die aktuelle Episode – die Geschichte rund um die Fusion – etwas trocken und untheatralisch daherkommt.

Apropos Theatralik: Alle 25 Mitwirkenden – vom Binggis bis zum gestandenen Mannsbild – verkörpern mit Inbrunst und Temperament insgesamt 34 Rollen, verwandeln sich in immer wieder neue köstliche Figuren. Durch alle sechs Episoden werden sie begleitet vom «Endingerli» und vom «Unterendingerli» – zwei Figuren mit magischen Kräften, die von TV-Apparat zu TV-Apparat durch die Luft sausen und immer wieder für Ordnung und gewisse Klarstellungen sorgen.

Musikalisch wird das Episoden-Karussell vom Spiel der beiden jungen, überaus talentierten Hornisten Sandro Hutter und Elias Mühlebach angetrieben. Originelle Kostüme und Masken, eine tadellos funktionierende Technik lassen, zusammen mit der grossen Spiellust der Darstellerinnen und Darsteller, die Funken direkt in die Herzen der Zuschauer stieben.

Das «Episoden-Karussell» dreht sich noch heute um 19.30 und 21 Uhr sowie morgen um 19.30 Uhr.

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