Lengnau
Ein Kulturdenkmal steht unter Druck

Das Kleinkraftwerk der Mühle ist ein Kulturdenkmal in Lengnau. Doch seine Zukunft ist ungewiss, denn die Konzession ist ausgelaufen. Eine Interessengemeinschaft setzt sich seither für den Erhalt des Kleinkraftwerks ein.

Louis Probst
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Die Mühle und das Kleinkraftwerk gehören zum Ortsbild von Lengnau. lp

Die Mühle und das Kleinkraftwerk gehören zum Ortsbild von Lengnau. lp

«Mehl hat es noch», meint die Dame, offensichtlich beruhigt, angesichts der Holzgestelle, in denen schön geordnet Papiersäcke mit den verschiedensten Backmehlsorten stehen. Aber schliesslich verarbeiten Lienhard und Othmar Suter in ihrer Mühle in Lengnau jährlich zwischen 1000 und 1500 Tonnen Brotgetreide. Die Mühle Lengnau ist aber nicht nur ein Ort, an dem ein uraltes Gewerbe betrieben wird. Sie ist mit ihrem kleinen Wasserkraftwerk ein Energieproduzent – wenn auch bescheidener.

«Wir erzeugen rund zehn Prozent der für den Betrieb der Mühle erforderlichen Energie selber», erklärt Lienhard Suter. «Wenn die Mühle nicht in Betrieb steht, wird der Strom ins Netz eingespeist.» Bandenergie also gewissermassen, erzeugt durch die Wasserkraft der Surb. Die Produktion -- jährlich zwischen 30000 und 40000 kWh -- entspricht in etwa dem Bedarf von acht Haushaltungen.

Kein Kraftwerk ohne Wehr

Der Mühle und ihrem Kleinkraftwerk galt kürzlich eine Exkursion des Natur- und Vogelschutzvereins Lengnau. Schliesslich ist spätestens angesichts der Diskussion um den Ausstieg aus der Atomenergie das Interesse an Klein- und Kleinstkraftwerken stark gewachsen. Zudem ist die Zukunft des Kleinkraftwerkes an der Surb -- im Gefolge der Konzessionserneuerung -- etwas ungewiss geworden. Auch von daher stösst die Anlage auf Interesse. Schliesslich trägt Lengnau das Label «Energiestadt». Willi Müller vom Natur- und Vogelschutzverein konnte jedenfalls eine beachtliche Schar Interessierter begrüssen.

Auf der Surbbrücke erklärt Lienhard Suter die Funktion des Wehrs, über das der Zufluss des Wassers zum kurzen Oberwasserkanal und damit auf die Turbine geregelt wird. An diesem Wehr – und an der Restwassermenge, die nach Ansicht des Kantons von bisher 50 Liter pro Sekunde auf 130 Liter erhöht werden soll -- scheiden sich sozusagen nicht bloss die Wasser, sondern auch die Geister. 2007 lief die Konzession für das Kleinkraftwerk aus. Das Gesuch für die Erneuerung stiess beim Kanton auf Widerstand. 2009 verfügte der Kanton den Abbruch des Wehrs. Das hätte dem Kraftwerk den Todesstoss gegeben. In Lengnau formierte sich eine Interessengemeinschaft für den Erhalt des Kleinkraftwerks. Diese Interessengemeinschaft erhob Einsprache gegen die Verfügung des Kantons. Zurzeit liegt ein überarbeitetes Gesuch für das Kleinkraftwerk beim Kanton. Dieses Gesuch sieht unter anderem einen Ersatz des Wehrs durch eine halbautomatische Anlage vor.

«Mit dem halbautomatischen Wehr ist der Hochwasserschutz gewährleistet», betont Bruno Jeggli von der Interessengemeinschaft. «Aber auch das bestehende Wehr weist bei Hochwasser genügend Schluckvermögen auf. Das Problem ist das Schwemmholz, das sich am Mittelpfeiler der Brücke ansammelt. Daher soll es ja auch eine neue Brücke ohne Mittelpfeiler geben.» Im Gegensatz zum halbautomatischen Wehr erfordert die bestehende Anlage eine stetige Präsenz. «Das hat aber immer funktioniert», stellt Lienhard Suter fest. «Wir haben die nötige Erfahrung und Routine. Wir wissen, dass eine bis anderthalb Stunden nach einem starken Niederschlag an der Lägern das Wasser kommt.»

Teil des Dorfbilds

«Die Mühle und ihr Kraftwerk haben einen wichtigen Stellenwert, wenn es um den Erhalt des Ortsbildes geht», erklärt Bruno Jeggli. «Das Ensemble steht denn auch unter Ortsbildschutz.» Das soll so bleiben. «Wir wollen uns für den Erhalt des Kleinkraftwerkes unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes einsetzen», betont Bruno Jeggli. Nicht nur bei der IG hat man sich daher gewundert, dass das Ensemble plötzlich nicht mehr unter Schutz stehen soll.

Seit Kurzem befasst sich eine Arbeitsgruppe, der Gemeindeammann Kurt Schmid, Mario Schönenberger von der IG Erhalt des Kleinkraftwerks, Fischereiaufseher Adolf Bolliger und ein Vertreter des Kantons angehören, mit der Zukunft des kleinen Wasserkraftwerks. «Ziel ist der Erhalt der Anlage», erklärt Lienhard Suter. «Es gibt dazu verschiedene Varianten.» Und Othmar Suter sagt: «Man sucht einen Konsens.»