Klingnau
Ein Klotz in der ehemaligen Klingnauer Kiesgrube

«Aussicht so weit das Auge reicht», so wird das Neubauprojekt Panorama in Klingnau angepriesen. Ein Bauingenieur bezeichnet die Überbauung jedoch als Fremdkörper in der Landschaft.

Angelo Zambelli
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So präsentiert sich die Überbauung «Panorama» von der Koblenzerstrasse aus.

So präsentiert sich die Überbauung «Panorama» von der Koblenzerstrasse aus.

Angelo Zambelli

«Aussicht, so weit das Auge reicht. An bester Lage realisiert die Ostschweizer Immobilienentwicklerin Fortimo in Klingnau mit gradliniger Architektur und viel Glas das Neubauprojekt Panorama mit 57 modernen Mietwohnungen zum Sein und Geniessen.» Mit diesen Worten wurde Anfang Juni in einer Baureportage der az Aargauer Zeitung für die Überbauung in der ehemaligen Kiesgrube am Klingnauer Höngerrai geworben. Erwähnt wurde auch, dass die «Perle des unteren Aaretals», wie sich Klingnau selbst bezeichnet, in einer faszinierenden Landschaft liege.
Genau diese Landschaft sieht ein namentlich nicht genannt sein wollender Bauingenieur HTL des aargauischen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Name ist der Redaktion bekannt) zerstört. Bei einem Spaziergang am Klingnauer Stausee sei sein Blick über die tatsächlich faszinierende Landschaft geschweift, schreibt er im Brief an die Redaktion Zurzach der az Aargauer Zeitung. «Dabei fiel mir ein Fremdkörper auf. Die in der Baureportage hochgelobte Überbauung ist eine Bausünde, wie sie in der heutigen Zeit nicht mehr vorkommen sollte.» Er habe sich in die Hochkonjunktur-Phase des letzten Jahrhunderts zurückversetzt gefühlt, schreibt der Stauseewanderer.
Für ihn sei «nicht nachvollziehbar und völlig unverständlich, dass eine Behörde einen solchen Bau bewilligt.» Die nachhaltig geplante Bauweise im zertifizierten Minergie-Standard lobt der Mitarbeiter des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Dabei die Umgebung völlig zu vernachlässigen, sei jedoch verantwortungslos. «Die Architekten haben mit geradliniger Architektur und viel Glas ein Neubauprojekt realisiert, das die Region in den nächsten Generationen als Bausünde wahrnehmen wird. Der Klotz ist nicht gegliedert und nicht abgestuft. Vor der Kieswand wirken die Glasfassaden als Fremdkörper.»
Vorschriften wurden eingehalten
Gemeindeammann Peter Bühlmann verteidigt den Baubewilligungsentscheid der Klingnauer Exekutive: «Bei der Einzonung des Geländes vor 40 Jahren wurden Sondernutzungsvorschriften erlassen. Ein Team mit drei renommierten Architekten hat in der Folge alle eingereichten Projekte begleitet und darauf geachtet, dass die Vorschriften eingehalten werden und sich die Projekte architektonisch ins Gelände einfügen.» Das Team habe auch das nun realisierte Projekt «Panorama» entsprechend überprüft und für gut befunden. Der Klingnauer Gemeindeammann weist darauf hin, dass auch der Kanton seine Einwilligung zum Projekt erteilt hat, räumt aber auch ein, dass sich der Gemeinderat der Brisanz des Projekts stets bewusst war, «weil es weit in die Landschaft hinaus wirkt«.
Die Bauherren-Treuhandfirma Fortimo mit Sitz in St. Gallen, verantwortlich für die Realisierung und Vermietung der Wohnungen, wollte sich zu den Vorwürfen des Stausee-wanderers mit dem geschärften Blick für auffällige Bauten nicht äussern.

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