Lengnau
Ein Häufchen für 2000 Franken: Dieses Hundeverbot sorgt für Wirbel

Hundefreunde wehren sich gegen das richterliche Verbot nahe der Agility-Halle. Wer sich nicht daran hält, wird künftig mit einer Busse bis 2000 Franken belangt. Das erstaunt und schockiert so manchen Lengnauer.

Andreas Fretz
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2000 Franken für ein Häufchen. Lou hats gut, er weiss nichts davon.

2000 Franken für ein Häufchen. Lou hats gut, er weiss nichts davon.

KEYSTONE

In der Surbtaler Gemeinde Lengnau sorgt ein richterliches Hundeverbot für Gesprächsstoff. Drei Tafeln stehen seit Juli in der Nähe der Agility-Halle. Demnach wird «das Mitführen, Laufenlassen und Versäubern von Hunden» auf zwei Parzellen verboten.

Wer sich nicht daran hält, wird mit einer Busse von bis zu 2000 Franken bestraft. «Die offenbar unhaltbaren Zustände bei der Hundesporthalle im Gewerbegebiet nimmt die Gemeinde zum Anlass, ein generelles Hundeverbot auf der Wiese angrenzend an die Surb und auf der Parzelle der Kadaverstelle zu erlassen», schreibt Kurt Huber in einem Leserbrief (az vom 17.08.).

Richterliches Hundeverbot in Lengnau.

Richterliches Hundeverbot in Lengnau.

Lengnaus Gemeindeammann Franz Bertschi bestätigt, dass die Agility-Veranstaltungen in der ehemaligen Tennishalle Auslöser für das Verbot sind. «Verschiedene Leute und Gruppierungen sind auf die Gemeinde zugekommen. Offenbar findet die Versäuberung der Hunde nicht wie gewünscht statt», sagt er. Auch nutze die Waldspielgruppe des Kindergartens das Areal, gibt Bertschi zu bedenken.

Fredy Surber, Betreiber der Agility-Halle Lengnau, fühlt sich vom Entscheid der Gemeinde vor den Kopf gestossen. «Als ich die Verbotstafeln gesehen habe, bin ich richtig erschrocken», sagt er. Er rätselt, wer sich dafür stark gemacht hat.

Der 66-Jährige betreibt mit seiner Frau die Halle seit sieben Jahren. Er widerspricht, dass die Hundehalter Kot liegenlassen. «Die Agility-Szene ist es sich gewohnt, hinter sich sauber zu machen», versichert er. Auch schaue er höchstpersönlich, dass Ordnung herrscht.

Zweimal pro Monat finden in der Halle Wettkämpfe statt. Huber stellt überall Container auf, die genutzt werden und macht Rundgänge in der Umgebung. Auch hat er von sich aus einen Teil des Gewerbegebiets als «verbotene Zone für Hunde» markiert. «Wenn es nicht sauber ist, soll man sich bei mir melden», bittet er. Und mit Blick auf die Gemeinde sagt er: «Es ist schade, dass vor dem Aufstellen der Verbotstafeln nicht miteinander gesprochen wurde.»

Leserbriefschreiber Huber betont, dass er die Agility-Szene nicht angreifen will. Auch die Notwendigkeit des richterlichen Verbots mag er nicht anzweifeln. Viel mehr stört ihn die Höhe der potenziellen Busse. «Da wurde komplett das Augenmass verloren», findet er.

Nicht mehr erwünscht: Hunde auf dem Spazierweg entlang der Surb. zvg

Nicht mehr erwünscht: Hunde auf dem Spazierweg entlang der Surb. zvg

Seit 20 Jahren nutzt er den Weg für Spaziergänge mit seinem Hund und versichert, dass er immer sauber macht. «Dass nun alle für das Fehlverhalten von Einzelnen bestraft werden», kann Huber nicht nachvollziehen. Er findet das Verbot unverhältnismässig.

Die Höhe der Busse erstaunt auch Fredy Surber. Allerdings habe er den erwähnten Artikel auf seine Richtigkeit geprüft. Dort steht: «Wer an einem Grundstück dinglich berechtigt ist, kann beim Gericht beantragen, dass jede Besitzesstörung zu unterlassen ist und eine Widerhandlung auf Antrag mit einer Busse bis zu 2000 Franken bestraft wird.»

Keine Polizisten aufbieten

Ammann Franz Bertschi ist kein Freund von Verboten. Dass die Situation für Leute mit Hunden nun nicht ideal ist, kann er nachvollziehen. Er hoffe aber, dass es genügend andere Spazierwege gibt. «Wir werden sicher keine Polizisten hinstellen, die die Einhaltung des Verbots überprüfen», sagt Bertschi.

Er setzt auf den gesunden Menschenverstand und hofft, dass alleine die Tafeln Abschreckung genug sind. Er stellt auch in Aussicht, dass die Situation auf den beiden Parzellen in nicht allzu ferner Zukunft überprüft und neu beurteilt wird.

Hallenbetreiber Fredy Surber ist überzeugt, dass der Weg entlang der Surb passierbar sein muss, egal ob für Leute mit oder ohne Hund. «Das ist eine Vorschrift, die Tafeln sind nicht haltbar.» Er will nun abklären, was er gegen das richterliche Verbot tun kann.