Forstwirtschaft
Ein Förster feiert Jubiläum: «Ich wollte nie etwas anderes machen»

«Nur wenn ein Förster lange an einem Ort arbeitet, kann er die Ergebnisse seiner Arbeit betrachten», sagt Franz Suter. Der Lengnauer arbeitet schon seit 25 Jahren in seinem Heimatdorf.

Nadja Rohner
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Förster

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Aargauer Zeitung

Wenn er vom Schaffen im Wald erzählt, gerät er ins Schwärmen - man merkt, er hat den Beruf nicht zufällig gewählt: «Mein Vater war mein Vorgänger hier im Dorf. Schon als kleiner Bub durfte ich immer mit ihm in den Wald und ich konnte mir nie vorstellen, etwas anderes zu machen.» Nach der Lehre arbeitete Suter elf Jahre in Gebenstorf, dann wurde sein Vater pensioniert. Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, an seines Vaters Stelle zu treten, sagt er. Er kennt Lengnau, hier kennt man ihn, hier ist er zu Hause. «Eigentlich», meint Suter scherzend, «feiern wir insgesamt schon 45 Jahre Förster Suter.»

Er gibt sein Wissen gerne weiter

«Mein Beruf bedeutet für mich ein grosses Mass an Freiheit und Selbstständigkeit», erzählt Suter. «Man kann sich draussen bewegen und entfalten. Immer im Büro sitzen - das könnte ich nicht.» Jetzt, im Herbst, beginnt seine liebste Arbeit: «Beim Markieren der Bäume für den Holzschlag stellt man die Weichen für die Zukunft. Die schönen, standortgerechten Bäume werden begünstigt, die schlechten werden gefällt.

So hat man irgendwann nur noch Schöne und die nächste Generation kann diese dann ernten.» Die Bäume, die er pflanzt, werden einst andere schlagen. «Das stört mich nicht», sagt er. «Jeder, der in der Forstwirtschaft tätig ist, weiss das.» Unter Suters Regie wurden in den Wäldern Lengnaus rund 110000 Kubikmeter Holz geschlagen - das entspricht einer 1 Meter hohen Holzbeige von Lengnau bis Airolo.

Früher war Unfallgefahr höher

Grössere Unfälle hat er bei seiner Arbeit nicht erleben müssen. Aber: «Ich habe schon mal grosses Glück gehabt. Ein grosser, schwerer Ast ist nur einen halben Meter von mit entfernt auf den Boden aufgeschlagen. Hätte er mich getroffen, wäre ich erledigt gewesen.» Vor 25 Jahren war die Unfallgefahr noch erheblich grösser, heute herrschen strenge Vorschriften.

Das ist aber nicht die einzige Veränderung in Suters Arbeitswelt: «Die Betriebskosten sind wesentlich gestiegen, die Holzpreise stagnieren. Überleben kann man nur noch mit einem topmodernen Maschinenpark.» Suter spürt den wirtschaftlichen Druck. Heute müsse alles schnell gehen, erzählt er. Auch der bürokratische Aufwand sei wesentlich grösser. «Das mag ich nicht besonders. Ich bin lieber draussen», sagt er - und man glaubt es ihm sofort.

Franz Suter wirkt so, wie man sich einen Förster vorstellt: kariertes Hemd, grosse, kräftige Hände, Schnauzer. Ein Mann, der bestimmt auch einmal auf den Tisch hauen kann. Aber auch einer, der sein Wissen gerne weitergibt: «Die schönsten Momente erlebe ich, wenn ich mit Schulklassen im Wald bin.» Besonders die Viert- und Fünftklässler seien sehr aufmerksam und interessiert, erzählt Suter. Er geniesst die Arbeit mit den Schülern, stellt ihnen jeweils einen Parcours mit präparierten Tieren auf. «Ob Kitz, Fuchs oder Dachs - die Kinder kennen die Namen der Tiere und sogar der Bäume.» Mit ihnen im Wald zu sein sei wirklich «en gfroiti Sach», ergänzt Förster Suter.

Ein leidenschaftlicher Jäger

Fragt man ihn nach seinen Freizeitbeschäftigungen, werden sämtliche Förster-Klischees bedient. «Ich fische ab und zu. Aber meine Leidenschaft ist das Jagen.» Besonders die nächtliche Jagd auf die Wildschweine hat es ihm angetan. «Lange hatte es hier keine Wildschweine. Doch vor 25 Jahren - just, als ich als Förster anfing - tauchten fünf Bachen in den Wäldern um Lengnau auf.»

Das Jagen wird ihn sicherlich auch nach seiner Pension in rund zehn Jahren beschäftigen. «Dann möchte ich endlich wieder reisen», sinniert Suter und gerät erneut ins Schwärmen - diesmal aber nicht von den Lengnauer Wäldern, sondern von den Weiten der USA und Finnlands. Zwei Länder, die er vor Jahren schon einmal bereist hat. «Finnland mit seinen riesigen Wäldern hat mir sehr gut gefallen. Wenn ich je ausgewandert wäre, dann dorthin.» Aber eigentlich, meint der Förster schmunzelnd, habe es ihm in Lengnau immer viel zu gut gefallen.

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