Wasserfilter
Ein Fass mit Kies, Kohle und Sand sorgt für sauberes Trinkwasser

Kantischülerin Thea Kalt aus Leuggern setzt sich in ihrer Maturarbeit mit indischem Trinkwasser auseinander. Das grosse Problem sei die Wasserverschmutzung. Abhilfe schafft ein einfaches Filtersystem. Doch das sei eine Notlösung.

Leonie Voelkin
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Der Unterschied ist sofort erkennbar: Rechts das Glas mit ungereinigtem Wasser, links das Glas mit gefiltertem Wasser.

Der Unterschied ist sofort erkennbar: Rechts das Glas mit ungereinigtem Wasser, links das Glas mit gefiltertem Wasser.

ZVG

Thea Kalt aus Leuggern trat vor etwas mehr als einem Jahr der Weltgruppe der katholischen Pfarrei in Leuggern bei. Die Gruppe unterstützt aktiv Hilfsprojekte, so auch die Organisation Bodhana in Indien. Vor rund einem Jahr reiste Thea Kalt mit der Gruppe nach Indien – im Hinterkopf hatte die Kantischülerin die Idee, die Reise mit ihrer Maturarbeit zu verknüpfen: Sie befasst sich in der nun vorliegenden Arbeit mit der indischen Wasserqualität und den Wasserfiltern der Organisation Bodhana.

«In Indien herrscht kein Wassermangel. Das Problem ist die Verschmutzung», erklärt die Maturandin. Abwasserinfrastruktur kennt man in Indien nicht, und auch umweltfreundliche Abfallentsorgung ist ein Fremdwort. Der ganze Dreck gelangt nicht nur in Oberflächengewässer, sondern verschmutzt auch das Grundwasser.

«Dadurch weist das Wasser einen erhöhten Gehalt von Eisen und Schwermetallen auf – es ist sauer», sagt Kalt. Das trübe, orangefarbene Wasser aus den Brunnen verursacht bei den Menschen Krankheiten. Wer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat und deshalb das ungereinigte Wasser trinkt, muss eine Cholera-Ansteckung oder sonstige Magen-Darm-Krankheiten in Kauf nehmen.

Wer wegen des knappen Trinkwassers zu wenig trinkt, erleidet oft tödliche Nierenerkrankungen. Es gibt aber eine Lösung: Mit einem banalen Filter kann man das Wasser säubern und einen beachtlichen Unterschied erzielen. «Mit dieser einfachen und ökologischen Lösung können sich Tausende von Familien vor Erkrankungen schützen», sagt Thea Kalt.

Fass mit Kies, Kohle und Sand

Die Organisation Bodhana organisiert die Herstellung und die Verteilung der Filter in den Dörfern. Diese entstehen aus einem Fass gefüllt mit Kies, Kohle und Sand. Die Schichten werden mit Vlies getrennt. Für ihre Maturarbeit baute Thea Kalt zu Hause einen solchen Wasserfilter nach und versuchte, das Wasser aus dem eigenen Gartenteich zu filtern. «Der Versuch war jedoch erfolglos, da das verwendete Wasser ziemlich sauber war», sagt sie. «Bei dem Wasser in Indien kann man den Unterschied von blossem Auge erkennen.»

In ihrer Maturarbeit kommt Kalt zur Erkenntnis, dass die Idee, das Grundwasser zu filtern, bloss eine Notlösung ist. Das Problem werde so nicht an der Wurzel gepackt: «Die Wasserfilter müssen jährlich erneuert werden. Dabei gelangt der verschmutzte Inhalt wieder in die Umwelt und der Schadstoffgehalt des Bodens und des Wassers kann so nicht vermindert werden».

Das eigentliche Problem

Ein kleiner Schritt vorwärts wäre, wenn der Inhalt der Filter chemisch gereinigt und so die Umwelt nicht wieder belastet würde. «Doch das steht in keinem Verhältnis zum eigentlichen Problem», sagt Kalt. «Da der indische Staat durch die massive Überbevölkerung, auf absehbare Zeit hinaus nicht in der Lage sein wird, ein Abwassernetz und Kläranlagen zu realisieren, wird sich der Zustand des Grundwassers nicht verbessern.»

Zur Maturarbeit gehörte, auch in der Schweiz auf die Problematik hinzuweisen. Dafür organisierte Thea Kalt im Oktober eine Infoveranstaltung, wo sie das Projekt vorstellte, um auch Spender zu finden. «Die Ressourcen für einen solchen Filter sind überall vorhanden. Man muss den Leuten nur zeigen, wie es geht», sagt Thea.

Die Kosten für eine Woche Trinkwasser würden den gesamten Monatslohn eines Inders beanspruchen und für die Beschaffung müssten teilweise längere Wegstrecken zurückgelegt werden, erklärt Kalt. «Das Schlimme ist, dass sich in Indien Reich und Arm hautnah begegnen. Auf der einen Strassenseite gibt es die prachtvollsten Villen und gegenüber lebt eine fünfköpfige Familie in einer kleinen verrotteten Hütte ohne Elektrizität und Wasseranschluss.»

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