Würenlingen
Ein 278-Millionen-Projekt nimmt Konturen an

Es geht vorwärts mit der Planung der 700 Meter langen Elektronenlaser-Anlage SwissFEL im Unterwald.

Angelo Zambelli
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Ein 278-Millionen-Projekt nimmt Konturen an

Ein 278-Millionen-Projekt nimmt Konturen an

Am 24. August hat Bundesrat Didier Burkhalter die erste Stufe der SwissFEL-Anlage in Würenlingen eingeweiht. «Forschung von höchster Exzellenz braucht Infrastrukturen von höchster Exzellenz», sagte der hohe Magistrat damals.

Wie Gemeindeammann André Zoppi an der Informationsveranstaltung vom Montagabend in der Aula des Schulhauses Dorf ausführte, ist das Projekt seit der Einweihung ein paar wichtige Schritte vorangekommen. Die vom Paul-Scherrer-Institut (PSI) eingereichten Unterlagen sind vom Gemeinderat als ausreichend beurteilt und an die Abteilung Raumentwicklung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt geschickt worden.

Die Anträge umfassen die Anpassung des kantonalen Richtplans sowie die Anpassung des kantonalen Nutzungsplanes. Die Abteilung Raumentwicklung wird die Unterlagen in den nächsten Wochen prüfen und – falls nötig – zur Überarbeitung an die Gemeinde Würenlingen respektive an das PSI zurücksenden.

«Es ist nach wie vor unser Ziel, die Anpassungen des Richtplans und des Nutzungsplans der Sommer-Gemeindeversammlung 2011 zur Beschlussfassung vorzulegen», sagte Ammann Zoppi an der Infoveranstaltung.

Der Gemeinderat habe erkannt, dass das Projekt sehr umfangreich sei und deshalb eine sensible Behandlung aller Interessen verlange, sagte Zoppi. Dazu gehöre, die Emissionen während der Bauzeit und während des Betriebs möglichst tief zu halten und dem Wald so viel wie möglich von dem zurückzugeben, was ihm mit der Rodung genommen werde. Weiter gelte es, einen annehmbaren Baurechtsvertrag zwischen dem PSI und der Ortsbürgergemeinde als Besitzerin des Unterwaldes für das benötigte Waldareal auszuarbeiten.

Teils im Tunnel, teils oberirdisch

«Wir schaffen Wissen – heute für morgen». Diesen Slogan hat sich das Paul-Scherrer-Institut auf die Fahne geschrieben. Tatsächlich weiss ein Teil der Würenlinger Bevölkerung seit Montagabend besser Bescheid über den Fortgang des Mega-Projekts im Würenlinger Unterwald. Nachdem vier Varianten auf Villiger Seite geprüft und verworfen worden waren, entschied man sich für die Anordnung der 700 Meter langen Anlage parallel zum Priorhölzliweg respektive parallel zur Aare auf Würenlinger Seite (PSI Ost). Das Areal weist die für die Anlage erforderliche geologische Stabilität auf und verfügt über genügend Grundwasser, um die Betriebstemperatur der Anlage konstant zu halten. Die Beschleunigerkomponenten werden unterirdisch in einem Tunnel angelegt, die Versorgungseinrichtungen oberirdisch.

Bei der Ausgestaltung der Anlage, für die mit Kosten von 278 Millionen Franken gerechnet wird, hat sich das PSI unter Beizug einer Arbeitsgruppe «Wald» für eine dammartige Anschüttung und Überdeckung des 700 Meter langen und 5 bis 6 Meter hohen Gebäudes entlang des oberen Priorhölzliweges entschieden. Zwei Stellen, an denen keine oberirdischen Gebäude stehen, werden so gestaltet, dass sie für Waldbenützer und Wildtiere frei begehbar sind.

Eichen, Gehölz und Weiher

Für den Bau der Anlage, die 2016 fertiggestellt sein soll, müssen 5 Hektaren Wald gerodet werden. Als Ersatzmassnahme wird an Ort und Stelle eine Fläche von 4 Hektaren mit Eichen und dichtem Gehölz bepflanzt. Eine weitere Ersatzaufforstung von 1,8 Hektaren ist in der Deponie Bärengraben möglich. Zur ökologischen Aufwertung des SwissFELAreals sind Weiher, Steinhaufen und Wurzelstöcke geplant. Die Arbeitsgruppe «Wald» ist überzeugt, dass diese Massnahmen zu einer bedeutenden Steigerung der Biodiversität beitragen. Doch jede Medaille hat zwei Seiten: Mit dem Bau von SwissFEL wird die Waldbewirtschaftung im Würenlinger Unterwald erschwert.