St. Moritz/Leibstadt
«Edy» wird bis auf Kopf zu Kleinholz – Pro Natura gewinnt Kampf gegen das WM-Maskottchen

Edy, das Maskottchen der Ski-WM von St. Moritz, wurde in Leibstadt AG produziert und sollte noch jahrelang in St. Moritz weiterleben. Doch mittlerweile ist von der 19 Meter hohen und 18 Tonnen schweren Holzfigur nicht mehr viel übrig.

Philipp Zimmermann
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So wird man ihn nie mehr sehen: Skifahrer Edy beim Aufbau vor der Ski-WM St. Moritz.

So wird man ihn nie mehr sehen: Skifahrer Edy beim Aufbau vor der Ski-WM St. Moritz.

Aus Edy ist zum grossen Teil Kleinholz geworden. Nur noch sein Kopf ist übrig. Auch ihm droht ein unschönes Ende.

Dabei hatte der hölzerne Skifahrerriese so viele positive Emotionen ausgelöst. 19 Meter hoch und 18 Tonnen schwer, mit zwei Balkon-Plattformen für Konzerte, war Edy das Maskottchen der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz von 2017. Erstellt worden war die Holzskulptur im Aargau, von der Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG, die dem Familienunternehmen Kuratle Group in Leibstadt angehört.

St. Moritz hatte sich Edy 320'000 Franken kosten lassen. Nach der Ski-WM sollte die Gemeinde den Publikumsliebling behalten und auf das Bahnhofareal zügeln. 320'000 Franken hätte das die Gemeinde gekostet, hinzugekommen wäre der Unterhalt. Dem Gemeindeparlament war dies aber zu teuer.

Skifahrer Edy, Maskottchen der Ski-WM
10 Bilder
Die Figur ist angelehnt an den ehemaligen St. Moritzer Rennskifahrer Edy Reinalter.
Der Skifahrer Edy kurz vor seiner Fertigstellung.
Edys Bestandteile kommen im Kulm Park an.
Edy nach der Vormontage.
Edy nach der Vormontage.
In Samedan fügen die Arbeiter Edy langsam zusammen.
So sehen die Dreiecke nach der Herstellung in Leibstadt aus.
Nach der Produktion in Leibstadt sind die Dreiecke versandbereit.
Nach der Produktion in Leibstadt sind die Dreiecke versandbereit.

Skifahrer Edy, Maskottchen der Ski-WM

KEYSTONE

Schliesslich sollte Edy im Skigebiet von Corviglia auf Salastreins aufgestellt werden. Ein Verein sammelte Geld. Skistars wie Michelle Gisin oder Wendy Holdener unterstützten die Idee per Videobotschaft. St. Moritz sagte zu, der Verein beantragte die Baubewilligung vom Kanton. Das zuständige Amt für Raumentwicklung segnete das Vorhaben auch ab. Damit hätte Skyfahrer Edy bis zu seinem Lebensende etwa 2030 oberhalb des WM-Zielgeländes bewundert werden können. Doch Naturschützer hatten etwas dagegen, wie die "Sonntagszeitung" berichtete. Pro Natura legte einen Rekurs ein, weil Edy das Landschaftsbild sowie die alpine Landschaft beeinträchtigen würde.

Das Bündner Verwaltungsgericht hätte entscheiden sollen. Doch mittlerweile spielt es keine Rolle mehr, wie die Richter entscheiden werden. Vor wenigen Wochen lief die kommunale Bewilligung für den Lagerplatz der Holzskulptur ab.

«Obschon sich die Gemeinde anfänglich hinter unser Projekt stellte, haben wir nun vergeblich versucht, die Bewilligung zu verlängern und zumindest Edys Kopf im Skigebiet Salastrains über den kommenden Winter erneut gut sichtbar zu platzieren», sagt Daniel Schaltegger, der WM-Medienchef und Vorstandsmitglied des Vereins Save Edy, zur "Sonntagszeitung".

Pro Natura wäre bei einer Niederlage im Rechtsstreit mit einer Beschwerde bis vor das Bundesgericht gezogen. "Dafür reichen unsere Mittel nicht aus", sagt Schaltegger. Deshalb sei aus Edy nun buchstäblich Kleinholz geworden. Einzig sein Kopf ist noch übrig.

Der Verein sucht nun nach einem Platz, um wenigstens das letzte Überbleibsel retten zu können. Ansonsten dürfte auch aus dem Holzkopf Kleinholz werden.

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