Zurzibiet
Drohende Überalterung: So wollen die Gemeinden mehr 20- bis 40-Jährige anlocken

Um mögliche Zuzüger anzulocken, müssen diese besser zu Informationen über Baulandreserven im Zurzibiet gelangen können.

Andreas Fretz
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Blick auf den Klingnauer Stauee mit Döttingen und Klingnau auf der vorderen sowie Kleindöttingen, Leuggern mit Gippingen auf der gegenüberliegenden Seeseite. Dazu ist im Hintergrund der Kühlturm des AKW Leibstadt erkennbar.

Blick auf den Klingnauer Stauee mit Döttingen und Klingnau auf der vorderen sowie Kleindöttingen, Leuggern mit Gippingen auf der gegenüberliegenden Seeseite. Dazu ist im Hintergrund der Kühlturm des AKW Leibstadt erkennbar.

«Wer auf dem Immobilienportal Homegate nach Bauland im Zurzibiet sucht, landet gerade mal acht Treffer», sagt Dunja Kovari. Sie ist für das Projekt Siedlungsentwicklung des Gemeindeverbands Zurzibet Regio zuständig und ist überzeugt: «Es gibt viel Potenzial, das nutzbar gemacht werden kann. Reserven, die man auf den Markt bringen kann.»

In einem strukturierten Prozess soll nun gemeindeweise erhoben werden, wo Bauland verfügbar ist. Der Bezirk hat die Chance, sich zu einer attraktiven und lebendigen Wohn- und Arbeitsregion vor den Toren Badens und Zürichs zu entwickeln, so die Überzeugung.

Das zeigen auch die Zahlen der vor kurzem veröffentlichten NAB-Studie. Erstmals seit 2001 sind mehr Personen aus der Schweiz in den Bezirk Zurzach eingewandert als ausgewandert. Doch nach wie vor hinkt man punkto Bevölkerungswachstum den anderen Regionen im Aargau hinterher. Besonders die Überalterung der Bevölkerung bereitet Sorgen. Gemäss einer Prognose von Regierungsrat Stephan Attiger wird im Jahr 2040 jeder dritte Zurzibieter über 65 Jahre alt sein. Gemeinsam mit der Region Aarau Süd führt das Zurzibiet diese Statistik mit grossem Vorsprung an. Es fehlen die 20- bis 40-Jährigen.

Um potenzielle Zuzüger anzulocken, müssen Baulandreserven aber ersichtlich sein. Zum Beispiel auf den Internetseiten der Gemeinden. Dunja Kovari macht 128 Hektaren Bauzonenreserven in Wohn- und Mischzonen und 67 Hektaren in Industrie- und Gewerbezonen aus. Zur Ermittlung konkreter Entwicklungsareale wurde in einem ersten Schritt die «Potenzialkarte Zurzibiet Regio» in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau sowie den Gemeinden erstellt. Diese Karte dient als Grundlage für die Initiierung von Planungen in den Gemeinden. Im Rahmen der Arbeiten wurde deutlich, dass eine Vielzahl baureifer Parzellen in den Gemeinden vorhanden ist, diese jedoch häufig nicht auf dem Markt zugänglich sind.

Zur Unterstützung der Gemeinden bei der Mobilisierung und Entwicklung ihrer Bauzonenreserven hat Zurzibiet Regio deshalb nun die Arbeitshilfe Baulandmobilisierung initiiert. Ziel ist es, mit der Arbeitshilfe eine Übersicht über die Verfügbarkeit der Bauzonenreserven nach Gemeinden und Baureife zu erhalten.

Eindringlicher Appell von Fuchs

Auch Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs richtete eindringliche Worte an seine Amtskollegen: «Es stellt sich die Grundsatzfrage, ob man sich entwickeln will oder nicht. Die bisher erarbeiteten Dossiers sind höchst wertvoll. Es wäre schade, wenn daraus Papiertiger werden.» Auch die Gemeindeangestellten müssten diese Dossiers kennen und mit ihnen arbeiten können; etwa wenn ein Interessent auf der Gemeinde anruft.

Bestandteil des Projekts ist ein Gemeindeporträt für jede Ortschaft. Dieses besteht aus einer Karte zur Verortung der Bauzonenreserven. Insbesondere soll die Übersichtstabelle auch Angaben zu den Eigentümern und ihren Entwicklungsabsichten beinhalten. Diese Informationen müssen nun durch die Gemeinden erhoben werden.

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