Lengnau Theater
Dramatiker William Shakespeare und Humorist Loriot lassen grüssen

Im Theater «Mord on Backstage» sind herzhaftes Lachen und beste Unterhaltung angesagt. Das Stück, geschrieben von Claudia Gysel und inszeniert von Marcel Schlegel, ist ein Drama, das sich in adligen englischen Kreisen abspielt.

Rosmarie Mehlin
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Theater in Schwarz-Weiss: «Mord on Backstage» auf der Bühne der Lengnauer Mehrzweckhalle.

Theater in Schwarz-Weiss: «Mord on Backstage» auf der Bühne der Lengnauer Mehrzweckhalle.

Aargauer Zeitung

Die Welt ist bunt. Filme, Fernsehen, Fotos sind es auch. Doch das ist längst Nostalgie – ausser gerade jetzt in Lengnau: Da wird (fast) ganz in Schwarz-Weiss Theater gespielt. Ungewöhnlich ist auch, dass Regisseur Marcel Schlegel diesmal kein von ihm selbst geschriebenes Stück inszeniert hat. «Mord on Backstage» stammt aus der Feder von Claudia Gysel. Sie ist vor allem in ihrer Heimat, der Ostschweiz, bestens bekannt. Sie hatte selbst viele Jahre lang Theater gespielt und daneben Sketche, ein Kinderbuch, Kolumnen und vor allem Theaterstücke geschrieben; 45 in 15 Jahren.

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Mathias Marx

Gysels Erfolg kommt nicht von ungefähr, wie diese neue Produktion vom Theater Lengnau mitreissend beweist: «Mord on Backstage» ist ein Knüller; eine gelungene Mischung aus Komödie, Krimi und Klamauk. Schlegels Idee, das Ganze in Schwarz-Weiss umzusetzen, ist in Bühnenbild, Masken und Kostümen trefflich umgesetzt. Dennoch fehlt der «rote Faden» nicht: ein langes, rotes Ballkleid. Darin steckt die zwölfjährige Jasmin Schlegel, die sich zwischen den Szenen immer wieder mit Nonchalance und Können ans Klavier setzt und mit kurzen klassischen Etüden, wie mit der «Derrick»-Titelmelodie, verblüfft und begeistert.

Schräge Sprache und Zungenbrecher

Geboten wird Theater im Theater. Die Bühne in der Mehrzweckhalle ist zweigeteilt: Hinten ist die Künstlergarderobe, vorne probt eine Theatergruppe ein neues Stück. Heini (Andi Glück), Regisseur und identisch mit dem Autor, ist ein Chaot. Sein Stück ist ein Drama, das sich an Shakespeare orientiert und sich in adligen englischen Kreisen abspielt. Deren Namen und Wohnsitze «Lady und Lord Reginals (Barbara Lüscher und Matthias Haag) und Marylinn Hatherstone-Forthescew auf Fotheringhax Castle in Northhamptonshier» hat Heini sich bei Loriot ausgeliehen und bei ihm tönt Shakespeare so: «Ein ungewohntes Unwohlsein mich beschleichen tut bei dem Gedanken an unsere Gedanken . . .»

Vollends vergnüglich wird das Stück durch die Verquickung des zu probenden Dramas mit den privaten Befindlichkeiten seiner Darstellerinnen und Darsteller. Sind sie am Proben, kämpfen sie mit der Tücke von Heinis aufgeblasenem Text, mit der Dramaturgie, die hinten und vorne nicht aufgeht und Heinis Versagen (auch) als Regisseur. Zwischendurch fallen die Akteure immer wieder aus den Rollen, motzen und werfen sich gegenseitig «Schlötterli» an den Kopf, dass es fürs Publikum eine wahre Wonne ist. Und auch in der Garderobe wird nicht nur gelesen, gegessen, gestrickt, sondern gestichelt und gestritten.

Spleenig und witzig

Daraus ergeben sich Situationskomik und Pointen, die im Publikum für herzhafte Lacher sorgen und somit beste Unterhaltung bieten. Mit grossem komödiantischem Flair und sprühender Spiellust tragen natürlich auch die Akteure dazu bei. Nebst den bereits erwähnten sind das auch Rita Keller, Stefan Meier, Diana Patrizio, Yvonne Ihringer, Stefan Hubmann, Angela Pletscher und Markus Meier. Jede(r) für sich ist eine Type – spleenig und witzig, die Regisseur Schlegel gekonnt zu einem überzeugenden Ensemble zusammengefügt hat.