Döttingen
Döttiger Wy ladt zum Jodle i

Ein farbenprächtiges Defilee mit viel Musik hat viele tausend Zuschauer begeistert. Neben neun Musikformationen waren 44 weitere Gruppen mit von der Partie.

Rosmarie Mehlin
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Winzerumzug Döttingen
11 Bilder
 Schmuckstück: Schellenbaum der Stadtmusik Klingnau aus dem 19. Jahrhundert.
 Eine Rebberg-Schönheit von Turnverein und Damenriege Döttingen.
 Ob sie in ihren Fässchen auch Schnaps aufbewahren? «Wullebärli» aus Benken.
 Trainierte Schultermuskeln des Schwingklubs Bezirk Zurzach.
 Auch der Fahnenschwinger des Schwinklubs Bezirk Zurzach fehlte nicht.
 Dieses Original gehört zur Dreschgruppe Obermumpf.
 Das Majorettenkorps Wauwil gibt sich beschwingt.
 Auch die Aaregeischter sorgten für Stimmung.
 Natürlich fehlte die Musikgesellschaft Döttingen auch nicht.
 Die Reitermusik Gunzwil spielt nicht nur gut, sie trägt auch prächtige Hauben.

Winzerumzug Döttingen

Unter den Uniformhüten hervor rannen kleine Schweissbäche über die Gesichter der Musikantinnen und Musikanten, die, mit der Sonne um die Wette strahlend, Bacchus den Marsch bliesen. Wie jedes Jahr hatten Sponsoren Blasmusikformationen aus nah und fern an den Winzerumzug eingeladen.

Von den neun Vereinen stellte beispielsweise die Stadtmusik Klingnau beim «Flieger-Marsch» auch ihr gesangliches Können unter Beweis. Besonders viele Frauen sind beim Musikverein Urberg, heimisch in der Nähe von St. Blasien, aktiv und ihre Schwarzwälder Tracht ist eine Augenweide. Ob Fähnrich, Paukist, Trompeter, Hornist: Bei der Reitermusik aus dem luzernischen Gunzwil sind – nomen est omen – alle Mitglieder hoch zu Ross unterwegs.

Bernhardiner und ein Seehund

Viele Pferde marschierten auch sonst mit, Zurzacher Kavalleristen auf ihren Rücken tragend oder verschiedene Wagen ziehend. Die Bollen, die sie mitunter fallen liessen, wurden von jungen Damen flugs mit Schaufel und Besen zusammengewischt. Gäng wie gäng sorgten Berner Sennenhunde für viele «Jöös» und fast noch mehr taten dies «öisi Bernhardiner», vorab zwei vier Monate alte «Wullebärli». Weitere Tiere waren, obwohl nicht aus Fleisch und Blut, Schmuck auf den Wagen: ein Fuchs als Traubendieb, ein Seehund als Weinjongleur, ein strammer Hecht als grosser Fang der Jungfischer und eine Kuh als Trauben-Vorkosterin.

Geöffnete Herzen

Nebst den neun Musikformationen waren 44 Gruppen am Umzug beteiligt. Grosse Treicheln läuteten kräftige Uznacher wie auch Zürcher Unterländer Mannsbilder. Tanzend zogen junge Türken und portugiesische Paare vorbei. «Döttiger Wy ladt zum Jodle i!», befand die Sängerrunde Zürich und trat – wie auch das Echo vom Surbtal – juchzend den Beweis an. Die Dreschgruppe Obermumpf ihrerseits drosch auf Ähren los, was das Zeug hielt.

Doch die Säulen des Umzugs waren auch dieses Jahr Reben, Trauben und Blumen. Mit viel Liebe waren sie zu hübschen Sujets gefügt: ganze Weinstöcke zusammen mit Fässern, Bottichen und allerlei Rebbau-Werkzeug. Besonders aber die Dahlien, Sonnenblumen, Rosen, Chrysanthemen, Gerbera, Lilien – auf dem einen oder anderen Wagen angereichert durch eine schmucke junge Dame – waren eine wahre Pracht und öffneten die Herzen. Wobei... dazu trugen auch die im Vorbeigehen ausgeschenkten roten und weissen, klaren und trüben Versuecherli bei.