Lengnau
Dorfgesindel sorgt für Action und Gerechtigkeit

Derzeit herrscht reges Markttreiben in Lengnau: Die Freilicht-Bühne Surbtal spielt «Die Surbtalbandi». Am Wochenende wurde die gelungene Premiere gefeiert.

Tabea Baumgartner
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Pfarrer und Meyer
11 Bilder
Polizist und Johann
Surbtalbande (v. l.): Käthi (Leila Bieler), Fritz (André Frauchiger), Anna (Jonna Gimmi), Werni (Mischa Hirschi)
Beck und seine Frau
Käthi und Polizist
Dorfgemeinschaft, Polizist, Walti
Regisseur und Autor Gallus Ottiger
Lina und Magdalena
Markttreiben: Der Schein des idyllischen Dorflebens trügt.
Surbtalbandenversteck
Theater Die Surbtalbandi

Pfarrer und Meyer

Tabea Baumgartner

«Frische Kartoffel, frisch geerntet aus dem Himmelreich», ruft eine helle Stimme – die junge Dame in Schürze bietet ihre Waren auf dem Markt feil. Es herrscht «bi Lehrer’s» auf dem Suter-Hof in Unterlengnau reges Markttreiben: Bäuerinnen, Bauern und ihre Dorfgenossen verkaufen Brot, Würste, Eier und Wäsche. So stellt man sichs vor, das Leben im Bauerndorf in den 1950er Jahren – im schönen Lengnau, wo Hase und Fuchs sich «Gute Nacht» sagen, wo die Welt noch in Ordnung scheint.

Aus dem Vollen geschöpft

Aber halt! Nicht umsonst sitzt ein Publikum gespannt da und beobachtet das Treiben auf dem Dorfplatz. Der Schein einer heilen Welt trügt: Das Dorfgeschwätz bedient sich jedes Gerüchtes. Regisseur und Autor Gallus Ottiger schöpft aus dem Vollen: Machenschaften, Ungerechtigkeiten, Erpressungen treiben ihr Unwesen in der Dorfgemeinschaft. Gleichzeitig ereignet sich Merkwürdiges: Im Hühnerhof verschwinden die Eier, die Wahlplakate sind verschmiert, ein Hühnerstall fliegt in die Luft. Damit nicht genug: Im Wald wird ein Mädchen gefunden – tot.

Währenddessen plätschert der Dorfbrunnen unaufhörlich. Hie und da meckert die Ziege und scheint ihre Zustimmung zu geben. Das Geschehen auf der Bühne wird musikalisch vom Pianisten Christian Antonius Müller live mitgestaltet – er zaubert Stimmungen von fröhlichem Geplauder bis zum Herzensbrecher. Selbst die Zuschauer können es nicht lassen, das Geschehen laufend zu kommentieren – sie applaudieren spontan oder schmunzeln wortlos. Kommt einem nicht doch die eine oder andere Situation bekannt vor?

«Obwohl ich schon in manchen Theatern gespielt habe – draussen bin ich noch nie aufgetreten», sagt Stefan Kloter alias Dorfpfarrer. «Zudem ist es toll, im eigenen Dorf spielen zu dürfen.» Gallus Ottiger und die Regieassistentin Pat Bieler proben seit März mit 16 Erwachsenen und 10 Jugendlichen – umso grösser die Freude nach der gelungenen Premiere und Uraufführung am Freitag: «Es ist unglaublich, was sie gezeigt haben, nach diesen strengen Monaten», sagt Ottiger. Insgesamt sind rund 90 Personen ins Projekt der Freilicht-Bühne Surbtal involviert.

In die 1950er-Jahre zurückversetzt

Die liebevoll und authentisch gestaltete Kulisse mit Kirche, Beiz und Bäckerei lässt die Zuschauer sofort ins Dorfleben der 1950er-Jahre eintauchen. Über den Dächern thront der Jägerhochsitz, das Versteck der «Surbtalbandi», die dem Stück seinen Namen verliehen hat. Als «elendes Gesindel» verschrien, möchten die Kinder gegen die zwischenmenschlichen Ungerechtigkeiten ankämpfen, mittels Streichen und halblegalen Aktionen, wie könnte es auch anders sein. Der 14-jährige Mischa Hirschi spielt das Bandenmitglied Werni: «Als ich zum Mitspielen angefragt wurde, wusste ich nicht, dass es so etwas Grosses wird», verrät er. Doch der Bezirksschüler ist in seinem Element: «Das Spielen macht mir total Spass, besonders die Sprengung des Hühnerstalls.»

Um die Freilichtbühne ist es dunkel geworden, die Mondsichel leuchtet über den Feldern – ein Ambiente, das kein Theatersaal bieten kann.

Aufführungen: 7., 9.–11., 15.–17. 9., 20 Uhr. Tickets Fr. 35.– / 59.– mit Abendessen unter ticketville.ch oder 079 600 30 13.

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