Döttingen
«Einen Mann würden Sie das nicht fragen»: Mit FDP-Grossrätin Claudia Hauser steigt ein Politprofi in den Kampf um die Gemeinderatssitze

Sie war Wahlkampfleiterin an den eidgenössischen Wahlen, ist Vorstandsmitglied im Forum Aargau, bei den Zurzibieter Frauen sowie beim Winzerfest Döttingen und sitzt für die FDP im Grossen Rat. Nun will Claudia Hauser in den Gemeinderat Döttingen.

Daniel Weissenbrunner
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Claudia Hauser hoch über Döttingen auf einer Baustelle, die sie als Leiterin der Geschäftsstelle der Raiffeisenbank im Dorf betreute.

Claudia Hauser hoch über Döttingen auf einer Baustelle, die sie als Leiterin der Geschäftsstelle der Raiffeisenbank im Dorf betreute.

Sandra Ardizzone / BAD

In einem Monat wird im Aargau gewählt. Bei den Gesamterneuerungswahlen am 26. September werden die Gemeinderäte für die neue Legislatur bestellt. In insgesamt sieben Zurzibieter Gemeinden kommt es zu Kampfwahlen, darunter auch in Döttingen.

Sieben Personen kandidieren hier für die fünf Sitze. Ein Name sticht dabei besonders ins Auge: Claudia Hauser. Während in vielen Orten die meisten neuen Kandidatinnen und Kandidaten politische Nobodys sind, steigt mit der 53-Jährigen ein Politprofi ins Rennen.

Claudia Hauser sitzt für die FDP seit vier Jahren im Grossen Rat und bekleidet innerhalb der Partei weitere Funktionen. Sie war Wahlkampfleiterin an den eidgenössischen Wahlen, und unterstützte Philipp Müller auf seinem erfolgreichen Weg in den Ständerat. Claudia Hauser ist ausserdem Vorstandsmitglied im Forum Aargau, bei den Zurzibieter Frauen und beim Winzerfest in Döttingen. Und: Sie leitet die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank in ihrer Wohngemeinde.

Sie würde Arbeitspensum reduzieren

Nebst ihrer politischen Vita drängt sich ganz pragmatisch die Frage auf: Wie bekommt sie alle Aufgaben unter einen Hut? Im Fall einer Wahl in den Gemeinderat kämen gut und gerne nochmals zehn Stunden wöchentlich dazu. «Einen Mann würden Sie so etwas nicht fragen», sagt Claudia Hauser. Bei ihm würde die Anzahl an Ämtern Bewunderung auslösen, «bei einer Frau wird das in Frage gestellt».

Claudia Hauser an der Grossratssitzung in der Umweltarena in Spreitenbach im vergangenen Frühling.

Claudia Hauser an der Grossratssitzung in der Umweltarena in Spreitenbach im vergangenen Frühling.

Britta Gut

Ihr Zurzibieter Ratskollege beispielsweise von der SVP, Patrick Gosteli, wurde bei seiner Wahl zum Präsidenten der Gemeindeammänner-Vereinigung im vergangenen Herbst damit nicht konfrontiert. Gosteli ist Ammann von Böttstein, TCS-Präsident der Sektion Aargau und bekleidet noch weitere Funktionen.

Gleichwohl hat Claudia Hauser beim Entschluss, für den Döttinger Gemeinderat zu kandidieren, eine Bestandesaufnahme vorgenommen. «Ich habe mit meinem Arbeitgeber, meiner Familie und meinem Umfeld die Situation diskutiert, was eine Wahl in den Döttinger Gemeinderat bedeuten würde», sagt sie. Das Ergebnis: Sie würde ihr aktuelles Pensum anpassen. Bei der Bank um zwanzig auf neu achtzig Prozent. «Solche Überlegungen sollte man vorher machen, nicht dass es plötzlich zu einer Überlastung führt.»

Ihr Credo: «Über den Tellerrand hinausschauen»

Dennoch stellt sich auch die Frage: Wie steht es um die Gemeinde Döttingen, dass ihre Erfahrung im Winzerdorf benötigt wird? Claudia Hauser entgegnet: «Döttingen kämpft mit denselben Problemen, wie alle anderen Aargauer Gemeinden auch. So gesehen bräuchte es mich nicht.» Dass sie sich mit einer Kandidatur beschäftigt habe, sei im Übrigen nicht neu.

«Ich wurde in der Vergangenheit schon mehrmals angefragt», sagt sie. Die zahlreichen Gespräche und Rückmeldungen hätten sie schliesslich bestärkt, den Schritt nun zu wagen. Auch im Wissen, dass sie mit ihrem Background über die Gemeindegrenze etwas bewegen könnte. Oder wie sie es nennt: «Über den Tellerrand hinauszuschauen.»

Was das bei ihr bedeutet, zeigte sich beim gescheiterten Fusionsprojekt zwischen Döttingen und Klingnau 2013, als sie dem Befürworter-Komitee angehörte. Dass das Thema früher oder später wieder aufs Tapet kommen wird, wäre für Claudia Hauser nicht eine Zwängerei, sondern den Zeichen der Zeit geschuldet. «Letztlich geht es darum, für die Gemeinde Döttingen, aber auch für das untere Aaretal und für das ganze Zurzibiet die besten Lösungen zu finden.» Mit ihrem politischen Rucksack will Claudia Hauser ihren Beitrag dazu leisten.

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