Döttingen
Bei ihr gingen Tausende Spielsachen und Kleider über den Ladentisch – jetzt sind die Tage des Secondhand-Geschäfts gezählt

Die Kinderkleiderbörse in Döttingen ist Geschäft und sozialer Treffpunkt zugleich. Damit ist bald Schluss. Inhaberin Hildi Ogi hört auf.

Daniel Weissenbrunner
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Ein Leben für Gebrauchtwaren: Hildi Ogi führte über 30 Jahre Kinderkleiderbörsen, die letzten acht in Döttingen.

Ein Leben für Gebrauchtwaren: Hildi Ogi führte über 30 Jahre Kinderkleiderbörsen, die letzten acht in Döttingen.

Valentin Hehli

Bis zur endgültigen Schliessung dauert es zwar noch einige Monate. Doch die Bekanntgabe von Hildi Ogi verbreitete sich über die sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Viele Kundinnen und Kunden bedauern das Ende der Kinderkleiderbörse und wünschen ihr das Beste. Leicht gefallen ist Ogi der Entscheid nicht. Sie habe ihn sich reiflich überlegt, sagt die 65-Jährige. «Nach langem Abwägen habe ich mich aber zu diesem Schritt entschlossen.»

Die Gründe waren vielfältig. «Auf der einen Seite tut es mir sehr leid, nicht mehr für einen sinnvollen Umgang mit Secondhandartikeln zur Verfügung zu stehen», sagt Ogi. Auf der anderen Seite sei es Zeit, nach insgesamt 33 Geschäftsjahren nun einen Schlussstrich zu ziehen.

«Die letzten Jahre waren auch auf Grund der Coronasituation sehr anstrengend und hätten Substanz gekostet.»

Um das Geschäft am Laufen zu lassen, hat Ogi während der Pandemie einen Onlineshop eröffnet, obwohl sie von sich selber sagt, mit den neuen Technologien nicht besonders vertraut zu sein. Sie lud täglich unzählige Bilder auf ihre Seite. Die Leute bestellten, holten die gewünschte Ware an der Rampe hinter dem Geschäft ab und schoben das Geld in einem Couvert unter der Türe durch. «Das es hat erfreulicherweise gut geklappt.»

Verkäuferin und wenn nötig auch Psychologin

Riesiges Angebot: In der Kleiderbörse ist für Jung und Alt etwas dabei.

Riesiges Angebot: In der Kleiderbörse ist für Jung und Alt etwas dabei.

Valentin Hehli

Das Ende des Ladens an der Rebbergstrasse 1 erfolgt nun schrittweise. Bis Ende Januar ändert sich nichts am üblichen Ablauf des Börsengeschäftes, sagt Ogi. Danach werde das Sortiment nach und nach reduziert. Im Februar beginnt ein Teilausverkauf. Im März findet schliesslich der Räumungsverkauf statt. «Der letzte offizielle Geschäftstag ist der 23. März», sagt Hildi Ogi.

Döttingen verliert mit der Schliessung nicht nur einen beliebten Gebrauchtwarenladen, sondern auch einen sozialen Treffpunkt. Die Börse im früheren Volg-Gebäude ist mehr als nur ein Ort für Schnäppchenjäger. Tausende von Artikel gingen über den Ladentisch. Wie viel es genau sind, hat Ogi nicht gezählt. Besonders beliebt waren Kinderkleider, Spielsachen und Damentextilien. Das ist die eine Seite. «Leute kommen hier aber auch in Kontakt, sie tauschen sich aus und teilten sich mit», sagt Hildi Ogi. Sie habe ein feines Gespür und jeweils rasch gemerkt, wem es gut geht, oder wen jemanden Sorgen plagen. Sie war nicht nur Verkäuferin, sondern auch Zuhörerin und – wenn es die Situation erforderte – Psychologin.

Kinderkleider, Spielsachen und Damentextilien waren besonders beliebt.

Kinderkleider, Spielsachen und Damentextilien waren besonders beliebt.

Valentin Hehli / ZUR

Eröffnet hatte Hildi Ogi die Börse in Döttingen vor acht Jahren. Davor betrieb sie ein Vierteljahrhundert ebenfalls einen Secondhandladen in Schöfflisdorf. Auch im zürcherischen Wehntal war sie eine Institution. Freundlich und zuvorkommend, aber wenn es nötig war bestimmend. «Ich musste Waren, die Leute zum Verkauf anboten oft ablehnen, weil sie nicht mehr intakt waren.» Nicht selten nahmen sie das persönlich. «Ich musste lernen nein zu sagen.

Qualität steht auch in einer Börse an oberster Stelle.»

Für Ogi war es stets Berufung. Das Ziel reich zu werden, stand bei ihr nie im Vordergrund. «Das können Sie vergessen, dann wäre man am falschen Ort. Der Sinn und die Freude sind der Lohn.»

Endlich mehr Zeit für die Familie

In den verbleibenden Monaten geht es für Hildi Ogi nun
darum, alles sauber abzuschliessen. Eine Nachfolge stand für sie nicht zur Diskussion. Bei allem Idealismus: «Die Miete ist horrend, das muss man sich gut überlegen.» Auf sie wartet ein neuer Abschnitt. Endlich einmal etwas mehr Zeit für die Familie, die in all den Jahren oftmals zu kurz kam. «Sie sind aber immer hinter mir gestanden.» Jetzt will sie etwas zurückgeben. Zusammen mit ihrem neuen Mann haben sie inzwischen acht Enkel. «Langweilig wird mir bestimmt nicht.»

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