Klingnau
Dilettantisch waren weder der Komponist geschweige denn die Musiker

Das Hochrheinische Kammerorchester wusste in Klingnau und Bad Zurzach mit zwei Konzerten seine zahlreichen Gäste zu begeistern.

Alfred Lins
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Mit einem Konzert auf hohem Niveau wartete das Hochrheinische Kammerorchester bei seinen Konzerten auf.

Mit einem Konzert auf hohem Niveau wartete das Hochrheinische Kammerorchester bei seinen Konzerten auf.

Einmal mehr eine Kostprobe exzellenten Musizierens zeigte das grenzüberschreitend besetzte Hochrheinische Kammerorchester bei seinem Konzert am Samstagabend in der katholischen Pfarrkirche in Klingnau und einen Tag später in der reformierten Kirche in Bad Zurzach. Die intensive Vorbereitung durch den Dirigenten Leonardo Muzzi, der seine Musikerinnen und Musiker von Mal zu Mal zu Höchstleistungen anspornt, schlug sich in einem beeindruckenden Konzert nieder, das seine Höhepunkte in Auftritten des Oboisten Kurt Maier hatte. Die sehr zahlreich anwesenden Besucher waren begeistert.

Der Auftakt erfolgte mit dem «Concerto Nr. 3 in D-Dur» des aus der Nähe von Venedig stammenden italienischen Komponisten Baldassare Galuppi. Dieser gilt als Wegbereiter der «opera buffa» (musikalische Komödie). Beschwingte Leichtigkeit prägt das Werk, die von den 20 Musikerinnen und Musikern ohne fehl und Tadel umgesetzt wurde.

Aus der Feder des ältesten Bachsohnes Wilhelm Friedemann Bach stammt die «Sinfonia in d-moll», die anschliessend zu Gehör kam. Zwischen 1746 und 1764 arbeitete er als Musikdirektor und Organist in Halle, weshalb er auch der «Hallesche Bach» genannt wird. Anschliessend verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als freischaffender Künstler. Da die sozialen Voraussetzungen für ein freies Künstlertum jedoch erst im Entstehen waren, geriet er zusehends in Verarmung. Die in Klingnau aufgeführte Sinfonie entstand in Dresden für eine Aufführung in der Hofkirche. Die feierlich ernsthafte Grundintension erfuhr eine eindrucksvolle Wiedergabe. Von ihrer besten Seite zeigten sich die beiden Flötistinnen Kathi Spitteler und Karin Altermatt, wie später auch Thomas Hofer und Werner Schenger auf dem Horn.

Masslose Selbstunterschätzung

Es folgte das dreiteilige Oboenkonzert des Italieners Tomaso Albinioni, der als Sohn eines Papierwaren- und Spielkartenherstellers zur Welt kam. Nach dem Tod des Vaters übernahm er dessen Betrieb und gelangte später zu einem beträchtlichen Reichtum. Parallel zur Berufsausbildung nahm er Gesangs- und Kompositionsunterricht. Von seinen musikalischen Fähigkeiten allerdings schien er wenig überzeugt zu sein, er bezeichnete sie einmal als dilettantisch.

Dass diese Selbsteinschätzung trog, zeigte sich in Klingnau. Allen voran war es Kurt Maier, der mit seiner Oboe Akzente setzte. Er ist der älteste Sohn des Orchestergründers Alfons Maier und begeisterte in seiner alten Heimat durch virtuoses, auf diesem Instrument selten gehörtes brillantes Spiel. Scheinbar spielerisch meisterte er auch schwierigste Passagen. Sein meisterliches Können stellte er auch in einem zweiten Auftritt («Oboenkonzert Nr 1 in d-moll» des Mannheimers Ludwig August Lebrun) unter Beweis. So war es nicht verwunderlich, dass er erst nach einer Zugabe die Bühne verlassen durfte. Es erklang die Komposition «Gabriel’s Oboe» aus dem Film «The Mission» des Komponisten Ennio Morricone, bekannt aus dem Film «Spiel mir das Lied vom «Tod».

Einen weiteren Beweis für ihr Musikzieren auf sehr hohem Niveau lieferten die Musiker in der abschliessenden «Sinfonie Nr. 27 in G-Dur», die Wolfgang Amadeus Mozart mit 17 Jahren schrieb. Mit einem lang anhaltenden Beifall erwirkten die Besucher schliesslich eine Zugabe.