Erfindung
Dieses Gerät rettet Leben - und sieht erst noch gut aus

Der Industrial Designer Marc Binder aus Baldingen und Lars Imhof aus Wädenswil setzten sich mit einem lebensrettenden Gerät auseinander. Jetzt wurden sie dafür ausgezeichnet.

Corinne Rufli
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Thoraxpumpmechanismus. Ein Wort, mit dem Marc Binder und Lars Imhof bis vor kurzem noch nichts anfangen konnten. Die frisch graduierten Industrial Designer der FHNW Aarau stellten in ihrer Diplomarbeit ein Reanimationsgerät her. «Wir wählten als Thema Schutz und Rettung», sagt Marc Binder aus Baldingen. «Mich interessiert die Spannung zwischen Funktion und Design», so der 27-Jährige. «Wir wollten in unserer Diplomarbeit etwas Spezielles machen, mehr als nur einen Stuhl designen.» Für die Vorbereitung schauten sie bei der Rega, in Spitälern, bei der Ambulanz und bei den Samaritern rein.

Jede Sekunde zählt

Die ehemaligen Studenten begannen sich mit der Reanimation auseinanderzusetzen. Sie besuchten Reanimationskurse, büffelten Anatomie und redeten mit Spezialisten. «Dass unser Thema so komplex wird, haben wir zu Beginn nicht gedacht», sagt Binder.

Bei der Reanimation zählt jede Sekunde – es ist ein Kampf zwischen Leben und Tod. «Das primäre Ziel einer Reanimation ist die Erhaltung der Hirnfunktionen, und dafür muss das Gehirn mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden», erklärt Binder, der mittlerweile zum Experten in Sachen Wiederbelebung geworden ist. «Unser Ziel war, ein Gerät zu entwickeln, das der Entlastung der Sanitäter dient.»

Brustkorbmassage mit Weste

Herausgekommen ist ein Gerät, das nicht wie herkömmliche Reanimationsgeräte nur der Herzmassage dient, sondern auch den ganzen Thorax massiert. Reax heisst das Gerät und basiert auf dem Thoraxpumpmechanismus. Westenartig wird es über den Körper gelegt und presst gleichmässig den ganzen Brustkorb. «Inspiriert haben uns Schwimmwesten. Das Design spielt auch beim Thema Rettung eine Rolle», sagt Binder. «Es soll beruhigen und Sicherheit vermitteln.»

Für das mit grossem Aufwand entwickelte Gerät wurden Binder und Imhof nun mit dem dritten Platz
für den Dyson Award ausgezeichnet. «Wir sind stolz und freuen uns sehr. Die Auszeichnung gibt uns Selbstvertrauen.» Nicht nur von medizinischer Seite kommt Interesse – Imhof musste schon für ein japanisches Design-Heft Fragen beantworten. Er hofft, dass es durch die Aufmerksamkeit einfacher wird, eine Stelle als Industrial Designer zu finden. Doch vorerst macht er ein Praktikum als Sport-Designer.