Tiefenlager
«Dieser Standort ist nicht geeignet»

Die Kontroverse um das Tiefenlager nördlich der Lägern ist noch nicht ausgestanden. . Nun melden sich die Anwohner zu Wort.

Lukas Bertschi
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Der Verein Lägern ohne Tiefenlager (Loti), beurteilt im Gegensatz zur eidgenössischen nuklearen Sicherheitsbehörde (Ensi) den Standort Nördlich Lägern als «nicht geeignet». Problematisch seien neben der Sicherheit für Mensch und Umwelt die mangelnde Vergleichbarkeit zwischen den Standorten sowie die Auswirkungen auf die Gesellschaft in der Region.

«Es braucht mehr Zeit»

«Es wird zu schnell geschossen, es braucht mehr Zeit», so Astrid Andermatt, Co-Präsidentin des Vereins Loti und Grossrätin des Kantons Aargau. Heute gebe es noch keinen vergleichbaren Wissensstand über die drei vorgeschlagenen Gebiete. «Zurzeit ist es bei den Standorten ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen», sagt Andermatt.

Im Gebiet Nördlich Lägern seien noch Bohrungen nötig, da dieses Gebiet tektonisch instabil sei und starke Verformungen und Zergliederungen aufweise.

Des Weiteren fordert Loti, dass die Auswirkungen auf die Gesellschaft in der Region untersucht werden. Zum Beispiel wären der Gesundheitsbereich in Bad Zurzach sowie der Tourismus im grenznahen Schwarzwald sensible Sektoren. «Wer will sich noch im Thermalbad entspannen, wenn direkt nebenan Atommüll vergraben ist?», fragt Andermatt. Die Region sei schon jetzt stark durch die Atomkraftwerke belastet.

Loti will Mitspracherecht

«Man spricht oft von einer Scheinpartizipation», so die Grossrätin. Es sei aber wichtig, dass der Verein bei den Gesprächen mitwirken könne.

Insbesondere sei ein Mitspracherecht bei der Vergebung von Aufträgen für «neutrale» Studien unerlässlich. «Wir sind ein wenig das Gewissen der Nagra», so Andermatt.

Expertise notwendig?

Dafür sei es notwendig, unabhängige Expertisen zu erhalten und dass die Wissenschaft ihre Interessenvertretungen klar deklariert. Dem Verein Loti ist es ein Anliegen, dass, wenn es schon ein Tiefenlager geben muss, es zumindest am sichersten Ort erstellt wird.

Aus der vor einem halben Jahr gegründeten Gruppe solle eine breite Bewegung entstehen. «Man muss nicht gegen Kernkraft sein, um im Verein mitzumachen», so Andermatt.

Das Ziel von Loti ist ein überparteiliches Komitee, das über die Debatte informiert und das Unbehagen in der Bevölkerung in konkrete Forderungen umsetzt. «Nur auf Widerstand aus der Bevölkerung reagiert die Politik», sagt Loti-Vorstandsmitglied Ambros Ehrensperger.