Bad Zurzach
Dieser Skatepark wird immer wieder zur Müllhalde – Gemeinderat ist überrascht

Ein demoliertes Auto, leere Flaschen, überall Abfall – der Platz bei der Skateanlage wird regelmässig zugemüllt. Diese sollte längst saniert werden. Der Gemeinderat will nun handeln – und die alte Halfpipe entsorgen lassen.

Nadja Rohner
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Das Auto wurde völlig demoliert
12 Bilder
Das Auto wurde verbeult
Bei den Türen ist der Lack abgewetzt
Zwei Sitze eines weiteren Fahrzeuges liegen ebenfalls herum
Das Betriebsreglement des Skateparks
Überall liegt Abfall herum
Im Gras liegt Abfall
Vier Säcke Abfall und ein Velo haben die Arbeiter eingesammelt
Im Auto wurden Kabel herausgerissen
Die Scheiben des Autos sind zertrümmert
Im Auto liegen Scherben, Betonklötze und Abfall
Der verwüstete Skatepark von Bad Zurzach

Das Auto wurde völlig demoliert

Nadja Rohner

«Die Anlage ist sauber zu halten, der Abfall gehört in den Kübel. Konsum von Alkohol und Drogen ist nicht gestattet.» Das steht auf der grossen, gelben Tafel bei der Skateanlage in Bad Zurzach, gleich beim Tunnelausgang Richtung Rietheim.

Quer über das Schild steht in grüner Sprayfarbe: «Gangstaz» (Gangsters). Es klingt höhnisch in Anbetracht der Umstände: Vor kurzem wurde die Anlage massiv verwüstet, wie ein Augenschein zeigt.

Kaputtes Auto, überall Müll

Zwei Mitarbeiter des kantonalen Strassenunterhalts sind gerade mit Aufräumen beschäftigt. Das Grundstück ist Teil der sogenannten «Tunnelparzelle» und gehört deshalb dem Kanton. Normalerweise mähen die Männer das Gras und lesen Abfall zusammen.

«So schlimm wie dieses Mal war es aber noch nie», sagt einer kopfschüttelnd. Er zeigt auf vier volle schwarze Abfallsäcke. Daneben steht ein rotes Velo mit Plattfuss. Die Männer haben es aus dem Gebüsch gezogen.

Neben der Halfpipe steht ein völlig demoliertes blaues Auto. Die Scheiben sind zersplittert, der Lack an den Türen abgeschürft, die Fronthaube verbeult. Im Innenraum wurden sämtliche Kabel herausgerissen, zwischen Scherben und Müll liegen Bruchstücke eines Betonklotzes.

Kein Zweifel: Hier hat sich jemand einen Spass draus gemacht, das Fahrzeug zu zerstören und es anschliessend einfach stehen zu lassen. Zwei herausgerissene Sitze von einem weiteren Fahrzeug liegen herum.

Nein, das hier ist nicht die New Yorker Bronx, das ist Bad Zurzach. «Eine Sauerei», sagt der Mitarbeiter des Strassenunterhalts, während er den Abfall einsammelt. «Und eine Sisyphusarbeit für uns.»

Der Regionalpolizei Zurzibiet fährt bei ihren Patrouillen immer wieder beim Skatepark vorbei. Laut Repol-Chef René Lippuner hat sich die Problematik deutlich verschärft: «In den letzten drei Jahren wurde wir drei Mal dorthin gerufen. Leider hat sich die Situation kürzlich verschlechtert – die Region hat sich immer mehr zu einem Hotspot entwickelt.»

Die Repol ergreift nun Massnahmen: «Wir werden die Kontrollen verstärken und verschärfen», sagt Lippuner.

Mittlerweile hat sich auch die Kantonspolizei eingeschaltet, um die Herkunft des demolierten Autos zu klären. «Der Eigentümer des Fahrzeuges ist unbekannt; ebenso die Umstände, wie es dorthin gelangte», sagt Mediensprecher Bernhard Graser. Die Ermittlungen der Kantonspolizei seien noch im Gange.

Niemand kümmert sich

«Die Abfallsituation beim Skateplatz ist ein Elend», findet Diego Petraccini, Stellenleiter des Vereins Offene Jugendarbeit Zurzach (VJAZ). Der Verein wäre zuständig für den Unterhalt und den Betrieb der Skateanlage, die primär aus einer Halfpipe besteht – aber niemand kümmert sich darum.

Petraccini: «2011 sind ein paar Jugendliche mit der Bitte an den Gemeinderat herangetreten, er möge doch die baufällige Anlage sanieren lassen.» Der Gemeinderat beauftragte Petraccini mit den nötigen Abklärungen. Dieser wandte sich an eine Spezialfirma für Skateanlagen.

«Diese sagte mir, eine Sanierung wäre hinausgeworfenes Geld. Man müsse eine neue Anlage bauen, die aber erst ab 150 000 Franken zu haben sei.» Zu viel, fanden sowohl Petraccini als auch der Gemeinderat.

Man suche nach günstigeren Möglichkeiten, sagt Petraccini. Dafür wolle man gelegentlich bei der Nachbargemeinde, dem deutschen Küssaberg, Informationen zur dortigen Skateanlage einholen.

Bis dahin überlassen der VJAZ und die Gemeinde die kleine Bad Zurzacher Anlage sich selber. Sie liegt am Ortsrand – eigentlich ein Vorteil, weil sich kein Anwohner an lärmenden Jugendlichen stört.

Damit fehlt es aber auch an Kontrolle: «Das Areal ist unbeaufsichtigtes Niemandsland», sagt Petraccini. «Keiner sieht etwas, keiner hört etwas.»

Jüngere Jugendliche würden sich nicht mehr gerne dort aufhalten, weil sie von älteren vertrieben werden. Es sei für den VJAZ aber unmöglich, die Anlage zu beaufsichtigen, besonders nachts. «Der Jugendtreff im Flecken ist unser Hauptangebot. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, weshalb wir auch für die Skateanlage zuständig sind – zumal sie abgelegen ist.»

Der für das Ressort «Jugend» zuständige Gemeinderat, Peter Lude, zeigt sich überrascht von den Vorfällen: «Ich habe noch nie davon gehört, dass es beim Skatepark Probleme gibt – zumal der Gemeinderat davon ausgegangen ist, dass die Anlage unbrauchbar ist und sich niemand dort aufhält.»

Er werde das Thema aber im Gemeinderat aufgreifen. «Vor allem muss die alte Halfpipe entsorgt werden, bevor ein Unfall geschieht.» Man habe aber den Wunsch der Jugendlichen nach einer neuen Skatemöglichkeit ernst genommen und kläre den Bedarf im Rahmen der Schulraumplanung. «Geprüft wird auch, ob die Möglichkeit bestünde, eine kleine Anlage auf dem Schulgelände zu bauen», so Lude.

Nicht wegschauen – Lösung finden

Ein Kommentar von Nadja Rohner

Da schütteln nicht nur ältere Semester verständnislos den Kopf: In Bad Zurzach haben Unbekannte die Skateanlage verwüstet. Die Umstände deuten auf jugendliche Übeltäter hin. Die Verwüstung geht klar über das übliche «Littering» hinaus - sogar ein Auto wurde dort abgestellt und demoliert. Aufräumen müssen Kantonsangestellte, zahlen die Steuerzahler.

Das ist unschön, kommt aber nicht überraschend. Ein Jugendarbeiter bezeichnet die in die Jahre gekommene Anlage als «unbeaufsichtigtes Niemandsland». Geskatet wird dort kaum mehr, die Halfpipe ist in einem schlechten Zustand. Bereits 2011 haben Schüler die Gemeinde gebeten, die Anlage wieder herzurichten - vergeblich. Eine Sanierung lohne sich nicht, ein Neubau sei zu teuer, hiess es.

Seither verlottert der Skatepark. Jüngere Jugendliche trauen sich aus Angst vor den älteren nicht mehr hin, die Erwachsenen schauen weg. Seit über zwei Jahren herrscht Planungsstillstand. Es ist höchste Zeit, dass der Gemeinderat und der Verein Jugendarbeit eine Lösung für den Skatepark finden - am besten gemeinsam mit den Jugendlichen.