Raumsonde «Rosetta»
Dieser Lengnauer schaffte es bis ins All

Felix Meier trug mit seiner Arbeit zum Erfolg der «Rosetta»-Mission bei. Er tüftelt bereits für die nächste Mission

Frederic Härri
Drucken
Teilen
Felix Meier
6 Bilder
Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau Besuch beim Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau, der für seine Arbeit bei der Rosetta-Weltraummission einen Preis gewonnen hat. Für die Sonde musste mikropräzise Schweissarbeiten auf die Genauigkeit von 0,08 Milimeter geleistet werden. Aufgenommen am 31. Mai 2018 in seinem Betrieb Schutzgastechnik Lengnau an der Landstrasse 5 in Lengnau.
Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau Besuch beim Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau, der für seine Arbeit bei der Rosetta-Weltraummission einen Preis gewonnen hat. Für die Sonde musste mikropräzise Schweissarbeiten auf die Genauigkeit von 0,08 Milimeter geleistet werden. Aufgenommen am 31. Mai 2018 in seinem Betrieb Schutzgastechnik Lengnau an der Landstrasse 5 in Lengnau.
Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau Besuch beim Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau, der für seine Arbeit bei der Rosetta-Weltraummission einen Preis gewonnen hat. Für die Sonde musste mikropräzise Schweissarbeiten auf die Genauigkeit von 0,08 Milimeter geleistet werden. Aufgenommen am 31. Mai 2018 in seinem Betrieb Schutzgastechnik Lengnau an der Landstrasse 5 in Lengnau.
Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau Besuch beim Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau, der für seine Arbeit bei der Rosetta-Weltraummission einen Preis gewonnen hat. Für die Sonde musste mikropräzise Schweissarbeiten auf die Genauigkeit von 0,08 Milimeter geleistet werden. Aufgenommen am 31. Mai 2018 in seinem Betrieb Schutzgastechnik Lengnau an der Landstrasse 5 in Lengnau.
Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau Besuch beim Schweisserbetrieb von Felix Meier in Lengnau, der für seine Arbeit bei der Rosetta-Weltraummission einen Preis gewonnen hat. Für die Sonde musste mikropräzise Schweissarbeiten auf die Genauigkeit von 0,08 Milimeter geleistet werden. Aufgenommen am 31. Mai 2018 in seinem Betrieb Schutzgastechnik Lengnau an der Landstrasse 5 in Lengnau.

Felix Meier

Chris Iseli

Bodenständig. Unscheinbar. Diese Adjektive gehen einem durch den Kopf, wenn man vor der kleinen Schweisserei-Werkstatt von Felix Meier in Lengnau steht. Eigentlich wären andere Umschreibungen passender. Intergalaktisch vielleicht, oder schwerelos. Denn die Arbeit des Schweissfachmannes hat es 720 Millionen Kilometer weit geschafft – und ist dabei erst noch punktgenau auf einem Kometen gelandet.

Von März 2004 bis September 2016 reiste die Raumsonde «Rosetta» durch den Weltraum und untersuchte die Oberfläche von Tschurjumow-Gerassimenko in Jupiter-Nähe. «Ein Gesteinsbrocken, der so hoch wie das Matterhorn ist», erklärt Meier. Zur Veranschaulichung zeigt er auf eine Abbildung aus einem Wissenschaftsmagazin.

Am Erfolg der «Rosetta»-Mission hatte Meier einen kleinen, aber entscheidenden Anteil: Im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und eines Projektteams der Universität Bern schweisste er die mikroskopisch kleinen Drähte und Teilchen zusammen, die für die Sensoren und Messinstrumente an der Sonde verwendet wurden. Er sei durch Referenzen an den Auftrag gekommen, sagt Meier, der von Lengnau aus am ambitionierten Projekt mitwirkte.

Mehr als einmal sei er während dieser Phase mitten in der Nacht aufgewacht, weil er gewisse Arbeitsschritte neu überdachte. «Es war eine unruhige Zeit», erinnert sich Meier. Insbesondere die unterschiedlichen Schmelzpunkte der Metalle hätten ihm zu schaffen gemacht. «Ich war rastlos und habe gebangt: Hoffentlich hält das.» Aber: «Am Ende hatte das Hand und Fuss, was ich gemacht habe», sagt er ganz ohne Bescheidenheit.

«Herausragender Beitrag»

Von der ESA erhielt Meier im Dezember des vergangenen Jahres ein Zertifikat. Sein «herausragender Beitrag» habe zu einem «viel besseren Verständnis des Ursprungs des Sonnensystems, der Erde und des Lebens» verholfen, heisst es im Begleitbrief. Auch wenn er den Auftrag primär als regulären Job verstanden habe, ist Meier stolz auf diese Auszeichnung. Für ihn sind Weltraummissionen keine Alltäglichkeit, in sporadischen Abständen erhalte er aber Anfragen. Zurzeit tüftelt er an Instrumenten für die japanisch-europäische Raumsonde «Bepi Colombo», die am 5. Oktober ihre Reise zum Merkur antreten soll.

Gut möglich, dass die kleinste Firma des Projekts Felix Meiers Werkstatt sein wird. So, wie das schon bei der «Rosetta»-Mission der Fall war. Denn die Spezial-Schweisserei ist ein Ein-Mann-Betrieb: «Meine Frau hilft im Büro aus, ansonsten führe ich die Werkstatt alleine», sagt der gebürtige Tegerfelder. Schon seit 40 Jahren arbeite er auf diese Art und Weise in seiner Werkstatt in Lengnau. Es ist sein Erfolgsrezept: «Schweissen und Schmelzen sind komplizierte Prozesse, die jeder ein wenig anders handhabt. Ich habe gewisse Vorstellungen bei der Herangehensweise.» Auch deswegen habe er einigen vielversprechenden jungen Leuten absagen müssen, die bei ihm die Lehre absolvieren wollten.

«Auch wenn der Vergleich vielleicht ein wenig hinkt: Schweissen ist wie Musizieren», findet Meier. Bei beiden spiele die Intuition eine grosse Rolle. Er weiss, wovon er spricht: In seiner Freizeit liebe er es, Musik zu machen. Auch den viel zitierten «grünen Daumen» beansprucht er für sich.

Seine wahre Leidenschaft aber gilt dem Schweissen. Meier ist im Pensionsalter, doch zur Ruhe setzen kommt für ihn nicht infrage. Firmen wie Trisa, Novartis oder die Rega zählen zu seinen Kunden. Und auch Privatpersonen scheinen Wind davon bekommen zu haben, dass es Meiers Arbeit bis in den Weltraum geschafft hat. «Einen meiner Kunden habe ich seit 15 Jahren nicht mehr gesehen. Vor einigen Monaten stand er plötzlich in meiner Werkstatt und bat mich, für ihn etwas zu machen.» Mission erfüllt.

Aktuelle Nachrichten