Erziehung
Diese Schulklasse aus Klingnau ist jetzt ein Orchester

Seit den Sommerferien erlernen alle Schüler der 4. Klasse im Musikunterricht ein Blasinstrument. Das gemeinsame Musizieren soll die Integration fremdsprachiger Kinder und den Klassengeist fördern. Jetzt ist aber erst einmal Üben angesagt.

Britta Gfeller
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Die Viertklässler freuen sich mit Jonas Märki und Eveline Iten (hinten) auf das gemeinsame Musizieren. zvg

Die Viertklässler freuen sich mit Jonas Märki und Eveline Iten (hinten) auf das gemeinsame Musizieren. zvg

«Gemeinsames Musizieren fördert die Integration fremdsprachiger Kinder und den Klassengeist», sagt Martina Hasler, Schulleiterin der Primarschule und des Kindergartens Klingnau. Dies sind nur zwei der Gründe, warum an der Schule das Pilotprojekt Bläserklasse lanciert wird. Im Rahmen des Projekts erlernen 20 Schüler der 4. Klasse ein Orchesterblasinstrument.

Der Unterricht findet während zweier Jahre statt. «Dies ist der Grund, warum wir eine 4. und keine 5. Klasse ausgewählt haben», sagt Hasler. Ausserdem sei diese Klasse besser geeignet, da die Klassenlehrerin Eveline Iten selbst Flötistin ist. Die Lehrerin ist im Musikunterricht jedoch nur Unterstützung. Sie lernt gemeinsam mit der Klasse ein neues Instrument. Die Leitung übernimmt der ausgebildete Bläserklassenleiter Jonas Märki.

Jedem sein Instrument

Das Projekt startete nach den Sommerferien. «Am Anfang lernten die Schüler die verschiedenen Blasinstrumente kennen und konnten sie ausprobieren», sagt Martina Hasler. Danach durfte sich jedes Kind das Instrument aussuchen, auf das es sich in den nächsten beiden Schuljahren konzentrieren will. Bei der Einteilung kam es anfangs zu einigen Komplikationen. «Ein Kind sagte, dass das Saxofon sowieso das coolste Instrument sei. Plötzlich wollten alle Saxofon spielen», erzählt Hasler. Durch das gute Zureden des Leiters konnten schliesslich alle Schüler zufriedengestellt werden. «Ein Kind musste das Instrument jedoch wechseln, da sich herausstellte, dass der Koffer für den weiten Schulweg zu schwer war.»

Schüler fühlen sich privilegiert

Nun geht es ans Üben. «Wichtig ist, dass die Klasse als Orchester musiziert und nicht jeder für sich», sagt Hasler. Bis zur Weihnachtsfeier soll das erste Lied sitzen. Ein obligatorischer Instrumentalunterricht – stösst das nicht auf Widerstand? «Alle Kinder kommen gerne in die Stunden. Sie fühlen sich privilegiert, da sie die Einzigen sind, die am Projekt teilnehmen dürfen», sagt Hasler. Auch bei den Eltern stosse das Projekt auf Begeisterung. Da die Gemeinde die Bläserklasse unterstützt, ist der Unterricht für die Schüler kostenlos. «So können auch Kinder ein Instrument lernen, deren Familie sich die Musikstunden sonst nicht leisten könnten», sagt Martina Hasler.

Die Projektidee Bläserklasse stammt von der Jugendblasmusikförderung Klingnau. In Deutschland gibt es solche Klassen seit mehr als zehn Jahren.