Traurige Gewissheit
Die vermisste Mutter von Marco Hauenstein ist tot

Der 19-jährige Marco Hauenstein wurde in den letzten Wochen mit seinem Facebook-Aufruf bekannt. Er suchte seine im Februar 2000 als vermisst gemeldete Mutter. Nun teilt die Kantonspolizei mit, dass diese verstorben ist.

Philipp Zimmermann
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Marco Hauenstein suchte über Facebook nach seiner vermissten Mutter. Nun die Gewissheit: Die Kantonspolizei meldete, dass sie tot ist.

Marco Hauenstein suchte über Facebook nach seiner vermissten Mutter. Nun die Gewissheit: Die Kantonspolizei meldete, dass sie tot ist.

Tele M1

«Ich bitte darum, teilt diesen Beitrag, denn ich möchte nun endlich wissen, woher ich komme und ich habe Sehnsucht nach einer Familie.» Mit diesen Worten suchte der 19-jährige Marco Hauenstein, der bei einer Pflegefamilie aufgewachsen war, am 6. Januar auf Facebook nach seiner Mutter und weiteren Familienangehörigen.

Auf Nachfrage der az teilte die Kantonspolizei Aargau wenige Tage später mit, dass Gina Hauenstein (geb. 1970) nach wie vor als Langzeitvermisste registriert sei. Sie war am 19. Februar 2000 in Kleindöttingen als vermisst gemeldet worden.

Am Donnerstag hat die Kantonspolizei diese Information in einer Medienmitteilung korrigiert. Gina Hauenstein ist tot. Ein Knochenfund im Landkreis Waldshut (D), das in der Nähe von Kleindöttingen liegt, habe ihr zugeordnet werden können.

Knochenfund im Jahr 2013

Konkret handelt es sich um einen Oberschenkelknochenfund aus dem Jahr 2013. Die Kantonspolizei veranlasste damals rechtsmedizinische Abklärungen beim Institut für Rechtsmedizin in Bern für den Fall, dass der Knochenfund Gina Hauenstein zugeordnet werden kann. Anfang 2015 ging von dort tatsächlich die Rückmeldung ein, dass der Knochen der Vermissten aus dem Aargau zugeordnet werden kann.

"Diese Information wurde aber nicht an die für den Fund zuständigen deutschen Strafverfolgungsbehörden in Baden-Württemberg weitergeleitet", sagt Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei. "Wir bedauern unseren Fehler." Wie es dazu kommen konnte, lasse sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Nach dem Facebook-Aufruf von Marco Hauenstein, über den die az zuerst berichtete und bei der Kantonspolizei in dieser Sache nachfragte, unternahm die Kantonspolizei interne Abklärungen und wurde auf die Übereinstimmung mit dem Knochenfund aufmerksam. Sie leitete die Information an die für den Knochenfund zuständige Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei weiter.

Heute Donnerstag hat die Kantonspolizei die Angehörigen, sprich Sohn Marco und die Mutter, persönlich informiert. "Das war uns wichtig", sagt Pfister. "Wir haben ihnen auch den Kontakt zu den deutschen Behörden vermittelt und bleiben für sie Ansprechpartner."

Pfister sagt auch, dass ohne den Facebook-Aufruf und die Berichterstattung wohl noch Jahre ins Land gezogen wären, ohne dass sich in diesem Fall etwas getan hätte.

Gina Hauenstein war zur Zeit ihres Verschwindens drogensüchtig. Marco Hauenstein wuchs nach einem drei- bis sechsmonatigen Drogenentzug als Kleinkind bei einer Pflegefamilie auf. Er lebt heute im Kanton Zug. Dank der Facebook-Suche hat er seine Grossmutter und eine Tante gefunden. Die Grossmutter hat er bereits einmal getroffen. Nach wie vor sucht er zudem nach seinem leiblichen Vater.

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