Tierschutz
Die Todesursache ist geklärt, doch die Schuldfrage ist noch offen

Der Tierschutz beschäftigt sich in Klingnau mit den toten Wasserbüffelkälbern der Pro Natura. Der Bäuerin Maria Camenzind Jordi ist im November 2012 der sehr schlechte Zustand der Tiere aufgefallen und wandte sich an die az.

Britta Gfeller
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In den kalten Monaten war das Futter der Büffel nicht reichhaltig.

In den kalten Monaten war das Futter der Büffel nicht reichhaltig.

Archiv

«Ich habe die Pro Natura am 10. November darauf aufmerksam gemacht, dass es den Wasserbüffeln im Auengebiet Machme in Klingnau nicht gut geht», sagt Maria Camenzind Jordi aus Fischbach-Göslikon. «Doch anscheinend ist nichts passiert.»

Die Bäuerin meldete sich bei der Aargauer Zeitung, nachdem sie aus dem Artikel vom 21. Dezember vom Tod von vier Kälbern erfahren hatte. Eines wurde von der Herde zertrampelt, bei den anderen drei war die Todesursache laut Pro Natura Aargau zunächst unklar. Die Wasserbüffel werden von der Pro Natura zur Landschaftspflege eingesetzt.

Tierschutz: «Ein trauriger Fall»

«Der Tod der Wasserbüffelkälber ist ein trauriger Fall», sagt Astrid Becker, Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins ATs. Am 13. Dezember ging beim Aargauischen Tierschutzverein von einer Privatperson die Meldung ein, dass die Büffel nicht gut gehalten werden. Daraufhin wurden die Polizei und der Veterinärdienst verständigt. Die Tiere wurden am 14. Dezember abtransportiert. Auf Fotos sei gut sichtbar gewesen, dass nicht genügend Futter für so viele Tiere vorhanden war. Auch ein Unterstand fehlte. Dieser wird vom Tierschutzgesetz verlangt. «Dass zu wenig Futter und eine schlechte Witterung besonders für Jungtiere zu einem grossen Problem werden kann, sollte allen Tierhaltern klar sein», sagt Becker. Der Fall wurde an den Veterinärdienst Aargau weitergeleitet. Laut dem Leiter Olivier Freiburghaus werden zurzeit die Fakten zusammengetragen, um danach entsprechende Schlüsse zu ziehen. (bgf)

«Nie so magere Kühe gesehen»

Am 9.November brachte Camenzind Jordi einen ihrer Büffel nach Klingnau, nachdem sie von der Pro Natura angefragt worden war, ob sie ihr Tier als Zuchtbulle zur Verfügung stellen würde. Als sie die Tiere in Klingnau gesehen habe, sei sie sehr erschrocken.

«Ich habe noch nie so magere Kühe gesehen», sagt sie. «Die Weide war komplett abgefressen. Die Tiere hatten nur zwei Ballen Heu. Das reicht nicht für so viele Büffel.» Am nächsten Tag habe sie die Pro Natura Aargau verständigt, die ihr versichert habe, dass sofort etwas unternommen würde. Doch Ende November, rund zwei Wochen nach Camenzind Jordis Anruf, starb ein Kalb, kurz darauf zwei weitere.

«Die Pro Natura hat offensichtlich nichts unternommen», sagt Camenzind Jordi. «Es stimmt, dass ich am 10. November einen Anruf bekam. Darauf habe ich einen Vertreter der Pro Natura und den Tierhalter zu den Büffeln geschickt, um nachzusehen», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau. Man habe mehr gefüttert und besser kontrolliert.

Jenny bestreitet Hungertod

Jetzt liegt der Untersuchungsbericht des letzten toten Kalbs vom Institut für Veterinärpathologie vor. Darin steht, dass der «Nährzustand des Kalbs reduziert» sei. Todesursache sei ein Mangel gewisser Stoffe und ein akutes Herz-Kreislauf-Versagen unklaren Ursprungs. Das Kalb hatte Parasiten, was ebenfalls zum Tod beigetragen habe.

«Die Tiere sind nicht verhungert; das Futter war nicht reichhaltig genug. Die Mutterkühe konnten nicht genug gute Milch für die Kälber produzieren», sagt Jenny. In der nächsten Vorstandssitzung der Pro Natura Aargau werde der Tod der Kälber besprochen. Es müsse sichergestellt werden, dass Winterquartiere vorhanden sind. Normalerweise würden die Büffel nur in der Vegetationszeit in den Schutzgebieten weiden. Im Gebiet Machme sei es durch Halterwechsel zu Verzögerungen gekommen. Jenny hofft, dass Lösungen gefunden werden. «Ansonsten bin ich für den Abbruch des Projekts. Wiederholen darf sich so etwas unter keinen Umständen.»