Kaiserstuhl
«Die Tierbegegnungen hier sind einfach wunderbar»: Was «Bunker-Hausi» an seinem Beton-Bau schätzt

Hans Kohler alias «Bunker-Hausi» aus Endingen ist stolzer Besitzer des Bunkers «Bleiche» unterhalb von Kaiserstuhl. Er erzählt wie es dazu kam.

Barbara Stotz Würgler
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Zu Besuch im Bunker von Hans Kohler unterhalb von Kaiserstuhl
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«Bunker-Hausi» aus Endingen: «Hier kann und darf Geschichte erlebt werden»
Bunker-Hausi Endingen
Im Untergeschoss.
Im Untergeschoss.
«Bunker-Hausi»

Zu Besuch im Bunker von Hans Kohler unterhalb von Kaiserstuhl

Barbara Stotz Würgler

«Hier kann und darf Geschichte erlebt werden», sagt Hans Kohler nach einem Rundgang durch seinen Bunker. Dieser liegt etwa einen Kilometer von Kaiserstuhl entfernt im Rhein, an jener Stelle, an welcher der Fisibach in den Rhein mündet. Der frühere Verteidigungsbau ist durch einen langen Holzsteg mit dem Land verbunden und wurde 1939, noch bevor der Rhein wegen des Kraftwerks Reckingen gestaut wurde, gebaut. Er besteht aus 55 Tonnen Stahlbeton, hat drei Meter dicke Wände und zwei Geschosse.
Im Erdgeschoss befinden sich zwei Geschützstellungen für Maschinengewehre sowie eine kleine Kochnische. Im Untergeschoss, das unter dem Wasserspiegel liegt, stehen ein Kajütenbett und ein kleiner Tisch mit vier Stühlen, an dem «Bunker-Hausi» zusammen mit Kameraden schon so manches Fondue eingenommen hat. Nicht mehr funktionstüchtig, aber noch im Originalzustand vorhanden, ist die Telefonzentrale mit Steckverbindungen sowie ein Kühltank für die Maschinengewehre. Auch die Anlage, welche die Frischluftzufuhr gewährleistet, besteht noch. Hinzu kommt eine Sammlung von Soldatenliederbüchern, Armeereglementen und Fachbüchern. Ergänzt wird sie durch Plaquetten, Gradabzeichen und Patten.

Der mit den Tieren musiziert

«All diese Dinge geben Einblick in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der unsere Väter zur Friedenssicherung an der Grenze standen», erklärt Hans Kohler. Und glücklicherweise habe aus seinem Bunker nie ein Schuss abgegeben werden müssen.

Hans Kohler interessierte sich aber nicht nur wegen der militärhistorischen Bedeutung für die Anlage. Der 69-jährige Postautochauffeur in Pension ist vernarrt in das Naturparadies rundherum. «Die Tierbegegnungen hier sind einfach wunderbar», schwärmt «Bunker-Hausi». In der näheren Umgebung leben Biber, Füchse, Marder, Siebenschläfer, und auch der Eisvogel lässt sich regelmässig blicken.

Ein bis zwei Tage pro Woche, sommers wie winters, verbringt Hans Kohler in und um seinen Bunker herum. «Hier gibt die Natur den Rhythmus vor», sagt er, der Stunden draussen verbringt. Wenn er Vogelstimmen nachpfeife, würden ihm Kleiber, Waldkauz und Singdrossel antworten. Besonders schätzt er es, wenn sich die Tiere sich ganz in seiner Nähe aufhalten. «Kürzlich habe ich auf dem Steg auf meiner Ukulele gespielt», erzählt er, «dabei sass ein Eisvogel neben mir und hat mich etwa eine halbe Stunde lang beobachtet». Auch Schwäne hätten sie schon wie selbstverständlich neben ihn gesetzt. Auf dem mit wildem Gras überwucherten Dach des Bunkers brüten jeden Frühling Entenpaare ihre Eier aus.

Im Dienste der Öffentlichkeit

Weil der Bunker mitten im Rhein steht, muss «Bunker-Hausi» Wasserzins entrichten – was er gerne mache, wie er sofort anfügt. Denn regelmässig schwemmt es bei Regen jede Menge Holz an, das er später als Brennholz verwenden kann. «Ich bin ein grosser Fan der Outdoor-Küche», sagt der Endinger. Wenn immer möglich bereitet er seine Mahlzeiten auf dem offenen Feuer zu. «Ich bewirte auch gerne Freunde oder Vereine», erklärt er. Nach Absprache werde er auch wieder einen «Tag des offenen Bunkers» machen.
«Der Bunker stösst auf grosses Interesse», sagt Hans Kohler, der immer wieder Wanderern und Bootsfahrern Auskunft über den Militärbunker gibt. Seit Anfang der 90er Jahre verkauft die Schweizer Armee nicht mehr benötigte Immobilien. Laut Armasuisse wurden bislang gut 2'000 Gebäude und Anlagen verkauft oder im Baurecht abgegeben.

Im Kanton Aargau wurden rund 100 Bunker veräussert, wobei der grösste Teil an Vereine oder Stiftungen gegangen sind. Für eine zivile Nutzung ist eine Bewilligung des jeweiligen Kantons nötig. Hans Kohler hat eine solche erhalten, weil er sich mit dem Kauf zum Erhalt des militärhistorischen Baus verpflichtet hat. «Dazu gehört auch etwas Öffentlichkeitsarbeit», sagt der stolze Besitzer lachend.

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