Bad Zurzach
Die Tage des Stellwerks «Bruchsal G» sind gezählt

Das Stellwerk «Bruchsal G» in Bad Zurzach ist eine echte Rarität. Nach 109 Jahren zuverlässiger Arbeit wird die mechanische Anlage im Juni ausser Betrieb genommen. Bahnhofvorstand Heinz Dätwyler blickt nicht ganz ohne Wehmut zurück.

Angelo Zambelli
Merken
Drucken
Teilen
Bahnhofvorstand Heinz Dätwyler hat das Stellwerk im Bahnhof Bad Zurzach 18 Jahre lang bedient. Fotos: Angelo Zambelli

Bahnhofvorstand Heinz Dätwyler hat das Stellwerk im Bahnhof Bad Zurzach 18 Jahre lang bedient. Fotos: Angelo Zambelli

«Es war ein Privileg, mit dem alten Stellwerk zu arbeiten», sagt Heinz Dätwyler, Bahnhofvorstand in Bad Zurzach. Die Anlage mit der Fachbezeichnung «Bruchsal G» hat Jahrgang 1904, wurde aber erst 1945 im Bahnhof Zurzach eingebaut. Wo sie vorher ihren Dienst versah, ist nicht bekannt. Obwohl das Stellwerk über 100 Jahre auf dem Buckel habe, sei die Sicherheit zu jeder Zeit gewährleistet gewesen, versichert Dätwyler: «Wir hatten sehr wenig Störungen. Ein paar Öltropfen und gutes Zureden genügten, um die Anlage in Schuss zu halten.»

Die Anlage mit Verschlussregistern, Hebeln und Kurbeln habe ausser der Zuverlässigkeit auch noch einen anderen, grossen Vorteil gehabt, erzählt Dätwyler: «Die Mechanik erforderte einiges an Muskelkraft - für die Bahnhofsangestellten erübrigte sich der Besuch eines Fitnessstudios.»

Die Anlage in Bad Zurzach ist eine echte Rarität. Es ist nicht bekannt, dass in der Schweiz ein Stellwerk mit ähnlich hohem Alter noch in Betrieb ist. Mit dem Ende des Bad Zurzacher Stellwerks am 28. Juni 2013 endet gleichzeitig auch die Epoche der mechanischen Weichenstellanlagen in der Schweiz. Die altehrwürdige Anlage in Bad Zurzach wird nicht herausgerissen und zerstört. Sie bleibt erhalten, so wie sie ist, und wird als eine Art Museumsstück auch künftig die Eisenbahnfreude erfreuen. Eine Funktion hat das Stellwerk allerdings nicht mehr. Die Steuerung der Weichen auf dem Kreuzungsbahnhof Bad Zurzach wird von einer vollautomatischen Anlage übernommen, die im bereits erstellten Neubau neben dem alten Güterschuppen untergebracht ist.

«Ein bisschen Wehmut ist sicher dabei, wenn unser Stellwerk ausser Betrieb genommen wird», gibt Bahnhofvorstand Heinz Dätwyler unumwunden zu. Als kleinen Trost können sich er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Hause ein Gläschen «Stellwerköl» genehmigen – ein Schnaps, der von inzwischen gefällten Zwetschgenbäumen zwischen der Bahnlinie und der Mittskirchstrasse gewonnen wurde. Beim Genuss des «Stellwerktropfens» werden wohl die einen oder anderen Gedanken an die Zeit aufkommen, in der bei der Arbeit noch Muskelkraft gefragt war.

SBB investieren 56 Millionen

Neben Bad Zurzach sind auch die Bahnhöfe Döttingen und Koblenz mit älteren Stellwerken ausgerüstet. Sie werden bei der Erneuerung der Bahnhöfe und der Perrons ausser Betrieb genommen und durch moderne Anlagen ersetzt. Die neuen Stellwerke werden vorübergehend von der Betriebszentrale Zürich Flughafen aus gesteuert. Später werden sie von der Betriebszentrale in Olten aus bedient. Für die Modernisierung der drei Bahnhöfe an der Aaretallinie investieren die SBB rund 56 Millionen Franken. Neue Perronanlagen ermöglichen einen stufenfreien Zugang zum Gleis und einen ebenerdigen Einstieg in den Zug.

Am Bahnhof Bad Zurzach erneuern die SBB das Aussenperron und die Personenunterführung. Angepasst wird auch die Buswendeschlaufe. Der Bahnhof Koblenz erhält eine neue Personenunterführung sowie einen neuen Mittelperron. Zudem wird die Doppelspur in Fahrtrichtung Klingnau erweitert. In Döttingen werden Aussenperron und Treppenabgang zur Unterführung neu gestaltet. Die nicht mehr benutzten Anschlussgleise werden entfernt. Den Transport der Fahrgäste während der Bauzeit von Ende Juni bis Anfang November wird mit Bussen sichergestellt.