Klingnauer Fasnacht
Die närrische Strassenschlacht von Klingnau

Am Schmutzigen Donnerstag trieben die «Räbehegel» die Kinder und Jugendlichen durch die Gassen des Städtlis. Der Brauch reicht ins Jahr 1874 zurück. Die Jäger müssen eine gute Ausdauer haben.

Alexander Niedrist
Merken
Drucken
Teilen
Die närrische Strassenschlacht von Klingnau
14 Bilder
Schnell raus aus dem Klassenzimmer.
Kinder fliehen vor der Geissel.
Rette sich wer kann – eine Klasse auf der Flucht vor den Fasnachtsgeistern
Unter der Maske: Lukas und César Roth.
Kinder bewerfen einen der Räbehegel von hinten - das ist erlaubt. Ihn von vorne zu bewerfen, ist dagegen gegen die Regel und schlechter Stil.
Die närrische Strassenschlacht von Klingnau
Die Kinder flüchten vor den «Räbehegeln».
Pipi Langstrumpf und ihr Zwilling.
Auch Pusteblumen sind unterwegs.
Was wie eine gewalttätige Ausschreitung aussieht, ist in Wirklichkeit ein harmloser Fasnachtsbrauch: Die Kinder versuchen, die Narrenfigur mit Chabisstorzen zu treffen.
Auch dieser Junge schreit aus Leibeskräften für Süssigkeiten.
Nach der Treibjagd betteln die Kinder an der «Schreiete» vor Restaurants und Läden für Süssigkeiten.
Zum Abschluss das Wienerlischwingen am unteren Städtlibrunnen: Hier mit «Lächerli» Lukas Roth.

Die närrische Strassenschlacht von Klingnau

Philipp Zimmermann

Die Strassenschlacht in der Altstadt Klingnau erinnert zeitweise an eine Demo: Die zwei «Räbehegel» hetzen die Schüler am Schmutzigen Donnerstag aus den Klassenzimmern und jagen sie mit ihren Geisseln das Städtli rauf und runter.

Der alte Brauch ist der Startschuss der Fasnacht im Städtli. Er geht auf die Gesellschaft der ledigen Knaben zurück und reicht bis ins Jahr 1874. Die Narrenfiguren tragen eine Zielscheibe auf dem Rücken. Im Städtli sind überall Chabisstorzen verteilt, welche die Kinder auf die Räbehegel werfen können.

Wehe wenn sie losgelassen

Man hört nur noch Angstschreie und Geisselknallen. Die Kinder sind auf jede Bewegung gefasst und springen sofort los, sobald sie merken, dass die Räbehegel ihnen zu nahe kommen. Mutige Storzenschützen versuchen möglichst nahe zu kommen, doch das ist nicht immer einfach. Und wehe dem, der die Hegel am falschen Ort trifft. Sie drehen sich innert Sekunden um und verfolgen die Werfer.

Seit drei Jahren stecken Lukas und César Roth unter den Masken der Figuren. Sie haben eine unglaubliche Ausdauer. Rund drei Stunden müssen die Brüder durch die Altstadt rennen. «Lukas und ich treiben sehr viel Sport», sagt César Roth. Einen Monat vor dem «Räbehegeltreiben» bereiten sich die beiden vor. Angst vor den Storzen haben die Roths nicht: «Wir haben eine Holzplatte am Rücken, die uns schützt. Ich jage die Kinder schon seit Jahren durch die Stadt, doch mir ist noch nie etwas passiert», sagt César. Das Ritual folgt einem bestimmten Ablauf, der genau geplant sein will. Ohne diesen würde es nicht klappen, meint César. «Teamwork ist das Wichtigste. Wir müssen uns genau absprechen und dürfen nicht einfach frei im Städtli herumrennen.»

Das Geisselknallen hat César Roth von seinem Firmengötti aus der Innerschweiz gelernt, danach hat er es seinem Bruder beigebracht. «Es ist nicht einfach. Man braucht Muskeln, die man sonst nie braucht, da kann es bei den ersten Versuchen schnell mal wehtun», sagt César Roth und schmunzelt. Apropos wehtun: Die Räbehegel gehen nicht gerade zimperlich mit ihren Opfern um. Es kann durchaus vorkommen, dass die Geissel ein Kind trifft. Ernsthaft verletzt habe sich aber noch keines, meint César. Er und sein Bruder sind deswegen zwar gefürchtet, aber nicht unbeliebt. «Eine Klasse hat einmal ‹We love you, Räbehegel› an die Wandtafel geschrieben.»