Schneisingen
Die einzige Metzg im Dorf hat ihre Tore geschlossen

Die Metzgerei Müller aus Baden hat ihre Filiale in Schneisingen geschlossen.Die 40 Tonnen Würste jährlich werden aber weiterhin im Dorf produziert.

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Schneisingen hat keine Metzg mehr.

Schneisingen hat keine Metzg mehr.

Nach sieben Jahren hat die Badener Metzgerei Müller ihre Filiale in Schneisingen geschlossen. «Es ist schade für das Dorf», sagt Geschäftsführer Thomas Müller. «Wir hätten den Laden gerne weiterbetrieben.» Aber es sei nicht mehr möglich gewesen.

Der Grund: Das Geschäftsführer-Ehepaar hat aufgehört. Einen Nachfolger konnte Müller nicht finden. «Wir suchten intensiv, auch mit Inseraten. Aber es hat einfach zu wenig Metzger», sagt Müller, der das Geschäft bereits in vierter Generation führt.

Thomas Müller, Geschäftsführer Metzgerei Müller in Baden

Thomas Müller, Geschäftsführer Metzgerei Müller in Baden

Leonie Voelkin

Zu schaffen machte dem Laden auch die Nähe zur deutschen Grenze und die Aufhebung des Euro-Mindestkurses. «Der Umsatz knickte bei uns deshalb um 15 Prozent ein», sagt Müller.

Aber trotz des wirtschaftlichen Druckes: Hätte Müller einen Metzger gefunden, hätte er die Filiale in Schneisingen weitergeführt und notfalls mithilfe des Hauptgeschäftes in Baden quersubventioniert.

Dafür nennt er zwei Gründe: «Für unsere Stammkundschaft. Und weil wir weiterhin im Dorf produzieren.» So werden die 40 Tonnen Würste, die Müller jährlich verkauft, in Schneisingen hergestellt. Der Aufwand, neben der Produktion auch noch den Laden zu führen, wäre verhältnismässig gering gewesen, sagt der Metzger.

Die Suche hat Müller unterdessen aufgegeben. Der Laden ist seit September geschlossen.

Immerhin: Die Schneisinger müssen nicht ganz auf die Würste, die Filets und die Steaks verzichten. Telefonisch können sie weiterhin bei der Metzgerei bestellen und sich ihren Einkauf in den Volg-Laden senden lassen.

«Das machen wir in allen Läden so, die wir beliefern. Also auch in Oberweningen, Niederweningen und in Baden im Quartierladen ‹Chrättli›», sagt Müller.

«Verlust für die Qualität des Dorfes»

Im Dorf bedauert man die Schliessung der Filiale. «Jeder Verlust eines Ladens bedeutet auch einen Verlust für die Qualität des Dorfes», sagt Gemeindeschreiber Beat Rohner. «Denn Ladengeschäfte sind wertvoll für die Infrastruktur einer Gemeinde.»

Einfluss darauf nehmen, welche Geschäfte eröffnen oder schliessen, könne die Gemeinde faktisch nicht. «Wir animieren aber ein- bis zweimal im Jahr die Bevölkerung im monatlich erscheinenden Gemeindemagazin, das lokale Gewerbe beim Einkaufen oder der Erteilung von Auftragen zu berücksichtigen.»

Sorgen bereitet die Entwicklung im Dorf nicht. «Der Volg ist weiterhin ein wichtiger Treffpunkt für die Bevölkerung und läuft gut», sagt Rohner. Und es gäbe ja noch das Radio/TV-Geschäft und die Landi. «Es ist aber sicher so, dass die Gewerbetreibenden den Druck mehr spüren, da sie in Konkurrenz zum deutschen Gewerbe stehen.»

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