Klingnau
Die Bardot und Kunststoff-Spiegeleier

Vielfalt herrscht bei der Ausstellung «Kunst im Schloss». Vor den Augen der Zuschauer entstehen Skulpturen und Objekte.

Ursula Burgherr
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Für die ehemalige TV-Moderatorin, Ursi Spaltenstein, ist Malen wie Meditation. Ursula Burgherr

Für die ehemalige TV-Moderatorin, Ursi Spaltenstein, ist Malen wie Meditation. Ursula Burgherr

Die Kettensäge von Otto R. Schärer kreischt durch den Schlosshof. Der Mann aus Leuggern bearbeitet zwei Stämme aus Linde und Nussbaum. Sie bestechen durch ihre unterschiedliche helle und dunkle Färbung. «Nach Vollendung sollen die Holzstücke ein Paar aus zwei verschiedenen Kulturen darstellen», sagt er dazu.

Daneben macht sich Ruedi Moesch aus Steinmaur mit Hammer und Spitzeisen an einen unförmigen Kalksteinklotz zu schaffen. Dass sein Fundstück aus dem Laufental einmal wie ein sitzender Mensch aussehen soll, kann man noch kaum glauben. Moesch hat – wie alle Live-Künstler – die Vorgabe, in der Ausstellung ein Objekt vor den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer zu erschaffen. Gemeinsames Thema ist dieses Jahr «Spiegelungen». Und das wird– wie die verschiedenen Exponate zeigen – ziemlich breit aufgefasst.

Liz Taylor und Brigitte Bardot

7 Bildhauer und Objektkünstler im Aussenhof und 23 Kreative in den Innenräumen des herrschaftlichen Gebäudes machen die diesjährige Ausstellung «Kunst im Schloss Klingnau» besonders reichhaltig und diversifiziert. Drahtzieher des Events sind Walter E. Aeberhard und Christina Andreatta von der Kulturkommission Klingnau. Im Rittersaal finden wie jedes Jahr die Mitglieder des Kunstvereins unteres Aaretal ihren Platz.

Und da gibt es vom klassischen Aquarell über an die Pop-Art anlehnende Porträts von Liz Taylor und Brigitte Bardot bis zu Kunststoff-Spiegeleiern alles zu sehen. Punkto Farbintensität sticht eine Komposition von Malerin Nelly Dambach, Leuggern und Fotografin Charlotte Koloc, Bad Zurzach, ins Auge. Letztere hat in Deventer (Niederlande) eine farbige Hausfassade abgelichtet und das Foto auf Leinwand aufgezogen. Dambach setzt das Werk mit dem Pinsel fort und man muss genau hinschauen, um den fliessenden Übergang von Fotografie in die Malerei zu erkennen.

Das grossformatige Bild in flammenden Rottönen mit einer Menschengruppe aus schimmerndem Gold von Ursi Spaltenstein ist ein Eyecatcher im Obergeschoss des Schlosses. «Es besteht aus mindestens 150 Schichten», sagt die ehemalige Radio- und TV-Moderatorin. Faszinierend auch ihre minutiös mit Bandzugfeder ausgearbeiteten Kalligrafien auf Leinwand. «Ich habe Jahrhunderte alten Schriften verwendet, um spirituelle Gedichte niederzuschreiben. Das ist für mich wie Meditation», sagt die Künstlerin dazu. Im Gang dominieren Marianne Schwerzmanns verspielte Stahlobjekte die Szenerie.

Ihre Sessel, Vasen, Schalen und Säulen setzten sich aus Hunderten von filigran aneinander geschweissten Blüten und Blättern zusammen. Die Bekannteste aller Kreativen, die sich auf Schloss Klingnau präsentieren, ist Eisenplastikerin Gillian White. Ihre Metallskulpturen im Hof sprechen ihre ganz eigene Sprache.

«Kunst im Schloss» kann bis 29. September besichtigt werden. Öffnungszeiten: Mi, 25. Sept., 17 bis 21 Uhr; Fr, 27. Sept., 18.30 bis 21 Uhr; Sa, 28. Sept., 13 bis 19 Uhr; So, 29. Sept., 11 bis 17 Uhr.

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